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Franz Ehrlich

Leben und Werk des Architekten und Designers Franz Ehrlich (1907–1984) spiegeln die politischen Verwerfungen der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. Ehrlich studierte 1928-30 am Bauhaus Dessau, danach arbeitete er u. a. für Gropius, Poelzig und El Lissitzky. 1934 wurde Ehrlich verhaftet und wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« verurteilt. 1937 kam er als »Schutzhäftling« ins KZ Buchenwald, wo er im Baubüro eingesetzt war und für die SS den berühmte Schriftzug »Jedem das Seine« im Tor des Häftlingslagers sowie mehrere Gebäude entwarf. 1941 wurde er »dienstverpflichteter« Zivilarbeiter im Berliner SS-Hauptamt Haushalt und Bauten. 1943 wurde er in die Strafdivision 999 eingezogen.

1946 kehrte er aus jugoslawischer Kriegsgefangenschaft zurück, wurde SED-Mitglied und Referent für Aufbau in Dresden. Ehrlich profilierte sich in der SBZ und jungen DDR als Stadtplaner, Architekt und Möbeldesigner. Als technischer Direktor des ersten zentralen Entwurfsbüros der DDR projektierte er Großbetriebe, Kraftwerke und Werften, als freier Architekt entwarf er moderne Gebäudeensemble und Inneneinrichtungen für Rundfunk, Ministerien, Wissenschaft und Kultur. Zwar hatte Ehrlich als »antifaschistischer Widerstandkämpfer« und »Verfolgter des Naziregimes« einen herausgehobenen Status, lief aber in der jungen DDR Gefahr, im Zuge der stalinistischen Säuberungen für seine Tätigkeit im KZ und für die SS verfolgt zu werden. 1954 verpflichtete ihn das Ministerium für Staatssicherheit zur Zusammenarbeit, die über 20 Jahre andauerte. Zur gleichen Zeit sah sich der Bauhäusler Ehrlich stärker werdenden Formalismus-Vorwürfen ausgesetzt. Ab Ende des Jahrzehnts erhielt er keine Großaufträge auf dem Gebiet der DDR mehr, während er weltweit Handelszentren und Messepavillons baute und im Ausland ein Vorzeigearchitekt im Zeichen der Systemkonkurrenz wurde. Zum Ende seines Lebens bewertete man ihn in der DDR – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Vereinnahmung des Bauhauses als »proletarisches Erbe« – als einen der wichtigsten Architekten und Designer des Landes.

In den vergangenen 10 Jahren wurden Ehrlich und sein Werk »wiederentdeckt«. Erstmals nahm man seine Tätigkeit im Nationalsozialismus zur Kenntnis, und sein architektonisches Schaffen in der DDR wurde als wichtiger Beitrag zur »Ostmoderne« rezipiert. Jedoch steht noch immer eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung des Gesamtwerks und Lebens Ehrlichs aus. Ziel des hier beantragen Vorhabens ist nun, das gesamte Wirken Ehrlichs zu betrachten und vor den zeitgeschichtlichen Hintergründen zu analysieren. Zu diesem Zwecke werden die umfangreichen archivalischen Überlieferungen zu Ehrlich und seinen Werken sowie zeitgenössische Monographien, Zeitungen und Fachzeitschriften systematisch auszuwerten und analysieren sein. Vertiefend werden Interviews mit Zeitzeugen und Experten geführt. Die Ergebnisse sollen der Öffentlichkeit in einer Biographie zugänglich gemacht werden.

Team: Friedrich von Borries, Jens-Uwe Fischer

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V.

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Wer spricht? Wer malt welches Motiv? Wer wird gezeigt, wer nicht? Identitätspolitische Fragen spielen in der Kunst und damit auch an der HFBK Hamburg eine wichtige Rolle. Das hochschuleigene Lerchenfeld-Magazin beleuchtet in der aktuellen Ausgabe Hochschulstrukturen sowie Studierendeninitiativen, die sich mit Diversität und Identität befassen.

Grafik: Tim Ballaschke

Semesterstart

Nach drei Semestern Hybrid-Lehre unter Pandemiebedingungen steht nun endlich wieder ein Präsenz-Semester bevor. Wir begrüßen alle neuen Studierenden und Lehrenden an der HFBK Hamburg und laden herzlich zur Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 ein, die in diesem Jahr von einem Gastvortrag von ruangrupa begleitet wird.

Grafik: Sam Kim, Bild im Hintergrund: Sofia Mascate, Foto: Marie-Theres Böhmker

Graduate Show 2021: All Good Things Come to an End

Vom 24. bis 26. September präsentierten die mehr als 150 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2020/21 ihre Abschlussarbeiten im Rahmen der Graduate Show in der HFBK Hamburg. Wir bedanken uns bei allen Besucher*innen und Beteiligten.

Foto: Klaus Frahm

Summer Break

Die HFBK Hamburg befindet sich in der vorlesungsfreien Zeit, viele Studierende und Lehrende sind im Sommerurlaub, Kunstinstitutionen haben Sommerpause. Eine gute Gelegenheit zum vielfältigen Nach-Lesen und -Sehen:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?