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Wenn nicht hier, wo dann? Interview mit Martin Köttering und Bettina Uppenkamp zur Berufung der Gastprofessoren Reza Afisina und Iswanto Hartono

Im Wintersemester 2022/23 übernehmen die beiden ehemaligen documenta Kuratoren Reza Afisina und Iswanto Hartono eine Gastprofessur an der HFBK Hamburg. Im Gespräch mit dem Kunstpublizisten und Kurator Raimar Stange gehen Martin Köttering (Präsident) und Bettina Uppenkamp (Vizepräsidentin) auf die Beweggründe und die Motivation der HFBK Hamburg ein


Raimar Stange: Schon vor der Eröffnung der documenta fifteen hat die HFBK Hamburg die beiden ruangrupa-Mitlieder Reza Afisina und Iswanto Hartono eingeladen, an der HFBK Hamburg als Gastprofessoren zu lehren. Wie kam es dazu?

Martin Köttering: Wir hatten auch in der Vergangenheit immer die documenta-Kurator*innen zu Gast an der HFBK Hamburg. So war es auch in diesem Fall. Reza Afisina und Ayse Güleç waren als Vertreter*innen der documenta-Kurator*innen bereits im letzten Oktober zu einem öffentlichen Gespräch mit den beiden HFBK-Professorinnen Nora Sternfeld und Astrid Mania eingeladen. Im Anschluss fand ein Workshop mit Studierenden statt. Und daraus entwickelte sich die Idee, ruangrupa für einen längeren Zeitraum an die HFBK Hamburg zu holen. Sie waren ja auch schon vor der documenta fifteen international bekannte Kurator*innen und Künstler*innen. Sie mit unseren Studierenden zusammenzubringen und gemeinsam arbeiten zu lassen, erschien uns wichtig. Wir bemühen uns bereits seit einigen Jahren verstärkt darum, Positionen des Globalen Südens einzuladen. Daher haben wir beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) einen entsprechenden Antrag gestellt, der bewilligt wurde. So ist es letztlich dazu gekommen, dass Reza Afisina und Iswanto Hartono jetzt ab Oktober bei uns als Gastprofessoren tätig sind.

Bettina Uppenkamp: Ich würde vielleicht noch eine Sache ergänzen. Zu dem Zeitpunkt, an dem die Einladung erfolgte, also lange, bevor die documenta eröffnet wurde, sind wir sehr neugierig auf ihren Ansatz gewesen. Denn der Gedanke der Kollektivität spielt auch unter unseren Studierenden eine große Rolle. Insofern haben wir uns von ihnen interessante und anregende Impulse für unsere Hochschule versprochen – und versprechen sie uns auch weiterhin.

Martin Köttering: Ich würde bei deiner Bemerkung sogar vor die Neugierde noch ein „berufsbedingt“ setzen. Denn es gehört ja auch gerade zum Auftrag der Hochschule, dass wir uns bei der Ausbildung von jungen Studierenden um die neuesten künstlerischen Fragestellungen bemühen.

Raimar Stange: Während der documenta fifteen wurden die Kurator*innen von ruangrupa dann von Politik, jüdischen Verbänden und weiten Teilen der deutschen Leitmedien dafür kritisiert, eine „Antisemita“, so Der Spiegel, kuratiert zu haben. Auch wenn die internationale Presse sowie die Fachpresse, auch die deutschsprachige, das deutlich differenzierter sahen: Haben Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt in Erwägung gezogen, Reza Afisina und Iswanto Hartono wieder auszuladen?

Martin Köttering: Wir haben uns diese Frage natürlich gestellt. Aber wir stehen zu dieser Entscheidung und wollen diese DAAD-Professur umsetzen, besonders um die künstlerischen Fragestellungen der documenta fifteen in einem anderen Format und in einem anderen Rahmen aufzugreifen und fortzuführen, und zwar mit Studierenden und Lehrenden – und mit den beiden documenta-Kuratoren. Wir wollen mit ihnen sprechen, nicht über sie. Und wir wollen den von ihnen aufgeworfenen künstlerischen Fragen mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen. Natürlich werden wir die Zeit nutzen, um die documenta aufzuarbeiten. Dafür ist der zeitliche und räumliche Abstand, das Eingebundensein der Kuratoren in das künstlerisch und theoretisch diverse Netzwerk der Hochschule sicherlich hilfreich.

Bettina Uppenkamp: Das geht mir ganz ähnlich. Und ich denke sogar, es wäre ein Fehler gewesen, sie aufgrund des massiven medialen Drucks wieder auszuladen. Die Diskussion um die documenta fifteen und um die künstlerischen Ansätze, auch um die schwierigen Fragen, die die Medien beherrscht haben, muss fortgesetzt werden. Davor sollte man sich nicht drücken.

Martin Köttering: Ich würde sogar so weit gehen, dass die Hochschule eine Verantwortung als künstlerisch-wissenschaftliche Institution hat, die aufgeworfenen Fragen der documenta fifteen auf dem Feld des Künstlerischen sehr ernst zu nehmen und sich im Auftrag von Lehre und Forschung damit zu beschäftigen. Ich erkenne nach wie vor viele künstlerische Errungenschaften der documenta fifteen, die in der öffentlichen Wahrnehmung nicht ausreichend bearbeitet, analysiert und diskutiert wurden. Da wollen wir gemeinsam mit den Kuratoren an der HFBK Hamburg ansetzen. Wir bieten einen geschützten Raum an, in dem ohne mediale Öffentlichkeit gesprochen werden kann. Wir sind ein Lernort. Für alle Beteiligten. Im gemeinsamen Diskurs werden Dinge erprobt, Sichtweisen verhandelt und korrigiert. So funktionieren Gruppenkorrekturen in der Kunst aber auch Seminare in der Theorie. Und so kann auch der Austausch mit den beiden Gastprofessoren stattfinden.

Raimar Stange: Wie gehen Sie mit den Antisemitismus-Vorwürfen gegenüber den beiden Kuratoren um?

Martin Köttering: Uns ist die Tragweite dieses Vorwurfes und die damit verbundene Verantwortung sehr bewusst. Aber die beiden Gastprofessoren haben den Vorwurf des Antisemitismus immer wieder zurückgewiesen. Und um es ganz klar zu sagen, die HFBK Hamburg ist kein Ort und wird keinen Raum für antisemitische Äußerungen und Ansichten bieten. Dafür stehen auch unsere zahlreichen Studierenden und Lehrenden mit jüdischem Hintergrund. Die Hochschule ist ein politischer Ort. Wir widmen uns seit Jahren den Themen Rassismus, Diskriminierung oder Identitätspolitik. Außerdem haben sich viele unserer Professor*innen und Studierenden in ihren Arbeiten und Projekten intensiv mit Antisemitismus, Rechtsradikalismus und der deutschen Geschichte auseinandergesetzt. Dafür lassen sich stellvertretend Arbeiten von Prof. Dr. Nora Sternfeld, Prof. Michaela Melián, Prof. Rajkamal Kahlon oder Talya Feldman benennen. Das ist das Gewicht, dass die Hochschule einbringen kann, um die Glaubwürdigkeit unseres Anliegens deutlich zu machen. Das ist die gemeinsame Grundlage, auf der wir arbeiten. Wir bieten den Themen, die im Rahmen der documenta fifteen aufgeworfen, aber eben nicht ausreichend reflektiert wurden, einen Diskursraum, um sich ihnen ernsthaft zu widmen. Wenn nicht hier, an einer künstlerisch-wissenschaftlichen Hochschule, wo und wann sonst sollte das stattfinden? Gleichzeitig haben wir mit Prof. Dr. Meron Mendel, dem Hamburger Institut für Sozialforschung und anderen Vertreter*innen gesellschaftlich relevanter Gruppen/Institutionen, qualifizierte Kooperationspartner an unserer Seite, um diese Debatten nicht nur innerhalb der Hochschule, sondern auch öffentlich zu führen.

Raimar Stange: Meiner Einschätzung nach gibt es im Moment eine kaum zu überbrückende Kluft zwischen avancierten Kunst- und den Mainstreammedien. Das Niveau der Diskussion rund um die documenta fifteen hat das mehr als deutlich gemacht. So wurde zum Beispiel immer wieder von „sogenannten Künstlern“ geschrieben, also die Zunft der zeitgenössischen Kunst als Ganzes diffamiert. Kann eine Kunsthochschule da vermitteln? Oder wird sie so etwas wie eine Oase, eine der wenigen Orte, wo avancierte Kunst noch adäquat reflektiert wird?

Martin Köttering: Ich glaube, auf dieses Niveau, respektive auf diese Diskussion würde ich mich gar nicht einlassen. Wir als Kunsthochschule, und das finde ich tatsächlich in dem Kontext sehr viel wichtiger, haben einen gesellschaftlichen und politischen Auftrag. Wir sollen uns – und jetzt zitiere ich aus dem Hamburger Hochschulgesetz – um „die Pflege und die Entwicklung der Wissenschaften und der Künste durch Forschung, Lehre, Studium und Weiterbildung in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat“ kümmern. Das ist unser Auftrag. Und in dem Moment, in dem wir das ernsthaft tun und verfolgen, müssen wir uns mit den durch die documenta fifteen aufgeworfenen Fragen auseinandersetzen. Und zwar auf einem anderen Niveau, als es vielleicht manchmal in den Feuilletons der deutschen Presse stattfindet. Darin sehe ich tatsächlich eine Pflicht.

Raimar Stange: Die konkreten Konzepte und Ansätze der documenta fifteen, zum Beispiel unhierarchische Horizontalität und Kollektivität, empathische Performativität und soziale Vernetzung, wurden in den letzten Monaten leider kaum öffentlich diskutiert. Sind das die Inhalte, die euch an der Berufung der beiden Gastprofessoren besonders interessieren?

Martin Köttering: Unbedingt. Diesen Fragestellungen wollen wir an der HFBK Hamburg einen weiteren Resonanzraum geben – zusammen mit den Studierenden. Mit ihnen wollen wir diskutieren, und natürlich können sie diese Ansätze auch in ihrer eigenen künstlerischen Praxis selbst erproben. Und natürlich werden wir uns auch dem Themenkomplex rund um Antisemitismus, Kunst und Postkolonialismus stellen. Es gilt, die partikularen Interessen anzuerkennen und trotzdem miteinander im Gespräch zu bleiben, also nicht übereinander, sondern miteinander reden.

Bettina Uppenkamp: Ich würde dem vielleicht hinzufügen, dass wir in der Einladung eben auch die Chance sehen, diese Ansätze kritisch zu diskutieren.

Raimar Stange: Das Spannende an diesen von mir aufgezählten Punkten ist ja, dass sie in gewisser Weise diametral unserem eurozentrischen und westlichen Kunstbegriff entgegenstehen: Der/die einzelne Künstler*in steht nicht mehr im Mittelpunkt, Prozesse werden wichtiger als abgeschlossene Werke, das Hierarchieverständnis von freier und angewandter Kunst wird hinterfragt. Damit gehen natürlich auch Deutungsverluste „eurozentristischer Gatekeeper“ einher. Meiner Meinung nach ist das auch ein Grund für die sehr negative Medienberichterstattung der letzten sechs Monate.

Bettina Uppenkamp: Das deckt sich mit meinem Eindruck, dass Künstlerinnen und Künstler, mit denen ich gesprochen habe, die documenta fifteen eher skeptisch bis negativ aufgenommen haben, weil sie sich genau dadurch herausgefordert fühlten, auch in ihrer eigenen künstlerischen Produktion. Während im Gegenteil nicht-professionelle Besucher*innen das diskursive und entspannte Angebot in der Vielfalt äußerst dankbar und produktiv aufgenommen haben.

Raimar Stange: Und genau darin liegt ja die Spannung. Viele wurden durch diese documenta verunsichert. Und damit kann man entweder souverän umgehen und es als etwas Positives betrachten, oder es schlägt um in Aggression – und auch das konnten wir an den Reaktionen auf diese documenta sehen.

Martin Köttering: Die Hochschule wird ein Ort sein, an dem diese Debatten in einem künstlerischen Umfeld fortgesetzt werden. Sowohl mit den Lehrenden und Studierenden in Seminaren, Ausstellungsprojekten und anderen experimentellen Formaten, als auch mit der Öffentlichkeit. Ende November wird das Hamburger Institut für Sozialforschung mit uns und der Helmut-Schmidt-Universität den gemeinsamen Workshop und die Podiumsdiskussion „documenta fifteen als politisches und kulturelles Ereignis“ veranstalten, bei dem zentrale Aspekte im Zusammenhang mit der documenta fifteen noch einmal wissenschaftlich reflektiert werden: Welchen Stellenwert hat das von den Kuratoren verfolgte Konzept innerhalb aktueller Entwicklungen in der Kunst? Wie sind die ausgestellten Werke in der globalen Kunstlandschaft einzuordnen? Welche Rolle spielte die Wissenschaft in den Ereignissen?

Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image, Grafik: Leon Lothschütz

Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image, Grafik: Leon Lothschütz

Festival und Symposium: Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image

Als abschließender Teil des künstlerischen Forschungsprojekts laden das Festival und Symposium vom 24.-27. November 2022 zu Vorführungen, Performances, Vorträgen und Diskussionen ein, die das Potenzial der bewegten Bilder und des (menschlichen und nicht-menschlichen) Körpers erforschen, unseren gewohnten Kurs umzukehren und die herrschende Ordnung der Dinge zu verändern.

Blick in die vollbesetzte Aula zum Semesterstart; Foto: Lukas Engelhardt

Blick in die vollbesetzte Aula zum Semesterstart; Foto: Lukas Engelhardt

Herzlich willkommen - und los geht's!

Wir freuen uns, zum Wintersemester 2022/23 viele neue Gesichter an der HFBK Hamburg begrüßen zu können. Einige Informationen und Hintergründe zu unseren neuen Professor*innen und Gastprofessor*innen stellen wir hier zusammen.

Einzelausstellung von Konstantin Grcic

Vom 29. September bis 23. Oktober 2022 zeigt Konstantin Grcic (Professor für Industriedesign) im ICAT - Institute for Contemporary Art & Transfer der HFBK Hamburg eine raumgreifende Installation aus von ihm gestalteten Objekten und bereits existierenden, neu zusammengestellten Gegenständen. Parallel wird der von ihm konzipierte Raum für Workshops, Seminare und Büro-Arbeitsplätze im AtelierHaus in Betrieb genommen.

Amna Elhassan, Tea Lady, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm

Amna Elhassan, Tea Lady, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm

Kunst und Krieg

„Jeder Künstler ist ein Mensch“. Diese so zutreffende wie existenzialistische Feststellung von Martin Kippenberger (in ironischer Umformulierung des bekannten Beuys Zitats) bringt es in vielerlei Hinsicht auf den Punkt. Zum einen erinnert sie uns daran, nicht wegzusehen, (künstlerisch) aktiv zu handeln und unsere Stimmen zu erheben. Gleichzeitig ist sie eine Ermahnung, denen zu helfen, die in Not sind. Und das sind im Moment sehr viele Menschen, unter ihnen zahlreiche Künstler*innen. Deshalb ist es für Kunstinstitutionen wichtig, nicht nur über Kunst, sondern auch über Politik zu diskutieren.

Merlin Reichert, Die Alltäglichkeit des Untergangs, Installation in der Galerie der HFBK; Foto: Tim Albrecht

Merlin Reichert, Die Alltäglichkeit des Untergangs, Installation in der Galerie der HFBK; Foto: Tim Albrecht

Graduate Show 2022: We’ve Only Just Begun

Vom 8. bis 10. Juli 2022 präsentieren mehr als 160 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2021/22 ihre Abschlussarbeiten aus allen Studienschwerpunkten. Unter dem Titel Final Cut laufen zudem alle Abschlussfilme auf großer Leinwand in der Aula der HFBK Hamburg. Parallel ist in der Galerie der HFBK im Atelierhaus die Ausstellung der sudanesischen Gastlektorin Amna Elhassan zu sehen.

Grafik: Nele Willert, Dennise Salinas

Grafik: Nele Willert, Dennise Salinas

Der Juni lockt mit Kunst und Theorie

So viel Programm war schon lange nicht mehr: Ein dreitägiger Kongress zur Visualität des Internets bringt internationale Webdesigner*innen zusammen; das Forscher*innenkollektiv freethought diskutiert über die Rolle von Infrastrukturen und das Symposium zum Abschied der Professorin Michaela Ott greift zentrale Fragen ihrer Forschungstätigkeit auf.

Renée Green. ED/HF, 2017. Film still. Courtesy of the artist, Free Agent Media, Bortolami Gallery, New York, and Galerie Nagel Draxler, Berlin/Cologne/Munich.

Renée Green. ED/HF, 2017. Film still. Courtesy of the artist, Free Agent Media, Bortolami Gallery, New York, and Galerie Nagel Draxler, Berlin/Cologne/Munich.

Finkenwerder Kunstpreis 2022

Der 1999 vom Kulturkreis Finkenwerder e.V. initiierte Finkenwerder Kunstpreis hat eine Neuausrichtung erfahren: Als neuer Partner erweitert die HFBK Hamburg den Preis um den Aspekt der künstlerischen Nachwuchsförderung und richtet ab 2022 die Ausstellung der Prämierten in der HFBK Galerie aus. Mit dem diesjährigen Finkenwerder Kunstpreis wird die US-amerikanische Künstlein Renée Green ausgezeichnet. Die HFBK-Absolventin Frieda Toranzo Jaeger erhält den Finkenwerder Förderpreis der HFBK Hamburg.

Amanda F. Koch-Nielsen, Motherslugger; Foto: Lukas Engelhardt

Amanda F. Koch-Nielsen, Motherslugger; Foto: Lukas Engelhardt

Nachhaltigkeit im Kontext von Kunst und Kunsthochschule

Im Bewusstsein einer ausstehenden fundamentalen gesellschaftlichen Transformation und der nicht unwesentlichen Schrittmacherfunktion, die einem Ort der künstlerischen Forschung und Produktion hierbei womöglich zukommt, hat sich die HFBK Hamburg auf den Weg gemacht, das Thema strategisch wie konkret pragmatisch für die Hochschule zu entwickeln. Denn wer, wenn nicht die Künstler*innen sind in ihrer täglichen Arbeit damit befasst, das Gegebene zu hinterfragen, genau hinzuschauen, neue Möglichkeiten, wie die Welt sein könnte, zu erkennen und durchzuspielen, einem anderen Wissen Gestalt zu geben

Atelier-Neubau in der Häuserflucht am Lerchenfeld

Atelier-Neubau in der Häuserflucht am Lerchenfeld, im Hintergrund der Bau von Fritz Schumacher; Foto: Tim Albrecht

Raum für die Kunst

Nach mehr als 40 Jahren intensiven Bemühens wird für die HFBK Hamburg ein lang gehegter Traum Wirklichkeit. Mit dem neu eröffneten Ateliergebäude erhalten die Studienschwerpunkte Malerei/Zeichnen, Bildhauerei und Zeitbezogene Medien endlich die dringend benötigten Atelierräume für Master-Studierende. Es braucht einfach Raum für eigene Ideen, zum Denken, für Kunstproduktion, Ausstellungen und als Depot.

Martha Szymkowiak / Emilia Bongilaj, Installation “Mmh”; Foto: Tim Albrecht

Martha Szymkowiak / Emilia Bongilaj, Installation “Mmh”; Foto: Tim Albrecht

Jahresausstellung 2022 an der HFBK Hamburg

Nach der digitalen Ausgabe im letzten Jahr, findet die Jahresausstellung 2022 an der HFBK Hamburg wieder mit Publikum statt. Vom 11.-13. Februar präsentieren die Studierenden aus allen Studienschwerpunkten ihre künstlerischen Arbeiten im Gebäude am Lerchenfeld, in der Wartenau 15 und im neu eröffneten Atelierhaus.

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Wer spricht? Wer malt welches Motiv? Wer wird gezeigt, wer nicht? Identitätspolitische Fragen spielen in der Kunst und damit auch an der HFBK Hamburg eine wichtige Rolle. Das hochschuleigene Lerchenfeld-Magazin beleuchtet in der aktuellen Ausgabe Hochschulstrukturen sowie Studierendeninitiativen, die sich mit Diversität und Identität befassen.

Grafik: Tim Ballaschke

Grafik: Tim Ballaschke

Semesterstart

Nach drei Semestern Hybrid-Lehre unter Pandemiebedingungen steht nun endlich wieder ein Präsenz-Semester bevor. Wir begrüßen alle neuen Studierenden und Lehrenden an der HFBK Hamburg und laden herzlich zur Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 ein, die in diesem Jahr von einem Gastvortrag von ruangrupa begleitet wird.

Foto: Klaus Frahm

Foto: Klaus Frahm

Summer Break

Die HFBK Hamburg befindet sich in der vorlesungsfreien Zeit, viele Studierende und Lehrende sind im Sommerurlaub, Kunstinstitutionen haben Sommerpause. Eine gute Gelegenheit zum vielfältigen Nach-Lesen und -Sehen:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?