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„Als Designer trage ich Verantwortung“

Das Interview mit Prof. Jesko Fezer und Prof. Konstantin Grcic fürhte Jasmin Jouhar.

Jasmin Jouhar: Konstantin, deine Projekte entstehen oft in Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Möbel- und Konsumgüterindustrie. Warum ist die Industrie ein guter Partner?

Konstantin Grcic: Ich hatte immer schon eine Affinität zur Industrie, weil sie für ein Ideal von Design steht: Dinge zu vervielfältigen und damit verfügbar zu machen. Industriedesign entsteht in engem Dialog zwischen Designer und Hersteller. Ich mag diesen Prozess, weil er mir ermöglicht, Dinge zu entwickeln, die weit über das hinausgehen, was ich alleine umsetzen könnte.

Jouhar: Hat sich das Verhältnis zwischen den Designerinnen und Designern und der Industrie im Verlauf deiner Karriere verändert?

Grcic: Ja, absolut. Vor 30 Jahren, als ich mein Studio gründete, war meine Vorstellung von Industrie durchaus romantisch. Ich war der festen Überzeugung, dass man sie unbedingt braucht, um gutes Design zu machen. Das hat sich inzwischen teilweise verändert. Heutzutage haben wir digitale Technologien, die es erlauben, Dinge ohne diesen Partner seriell herzustellen. Auch andere Überlegungen spielen eine Rolle: Kann die Industrie Teil eines Umdenkens im Sinne der Nachhaltigkeit sein? Oder strebt sie immer nur nach Wachstum? Auf jeden Fall merke ich, dass die junge Generation die Industrie nicht mehr so romantisiert, wie es meine Generation damals getan hat. Für die Jungen ist es keine zwingende Perspektive, mit der Industrie zusammenzuarbeiten. Die Industrie gilt sogar als hinderlich im Entwicklungsprozess – ganz anders, als ich das gerade für mich beschrieben habe. Die Kritik an der Industrie und die Neugier auf andere Wege beschäftigen mich natürlich auch. Gerade weil ich die Industrie schätze, möchte ich daran arbeiten, dass das System weiter funktioniert.

Jouhar: Jesko, dein Designansatz ist anders ausgerichtet. Es geht dir um experimentelle und kollektive Designstrategien, bei denen industrielle Fertigung nicht ins Spiel kommt.

Jesko Fezer: Ich gehe von anderen Partner*innen aus als der Industrie. Ich suche mir eher Nutzer*innen, Stadtbewohner*innen, Bürger*innen als Partner*innen und erforsche deren Schwierigkeiten und Möglichkeiten. Allerdings interessierten mich Fragen der Umsetzung, der Machbarkeit, der Ökonomie von Projekten sehr. Persönlich und auch in der Lehre beschäftige ich mich nicht mit Dingen, die rein imaginär, spekulativ und unzusammenhängend mit den Bedingungen der Gegenwart bleiben. Deshalb kann ich Konstantins Perspektive gut nachvollziehen, die Industrie als sehr konkreten, teilweise mühsamen Partner in einer Kommunikation zu verstehen, die die Dinge besser, intensiver, wirklichkeitsnäher macht. Das fand ich immer schon eine große Qualität von Design, diese Auseinandersetzung mit den Umständen.

Jouhar: Konstantin, im Designdiskurs gehört Nachhaltigkeit zu den drängendsten Fragen. Ein Kritikpunkt, den du gerade angesprochen hast, lautet: Design trägt dazu bei, immer mehr und unnötige Dinge zu produzieren.

Grcic: Als Designer trage ich Verantwortung. Ich habe ein Bewusstsein dafür, dass ich nicht einfach noch ein Projekt mache. Für mich sind Designer genau die, die aktiv in den Prozess eingreifen und sagen: Halt, überlegen wir doch erst einmal, was und wie wir es machen. Qualität entwickeln, Dinge verbessern, gesellschaftliche Veränderungen aufgreifen – das war schon immer die Aufgabe von Design.

Fezer: Das ist ein entscheidender Punkt, den man sich strukturell genauer anschauen muss. Denn der Sektor der Möbelindustrie ist speziell. Bauindustrie, Technologieindustrie, Medizinindustrie, Waffenindustrie: Das sind ganz andere Dimensionen, da passieren die wirklich großen Schweinereien. Der historische Zusammenhang ist doch evident: die Industrialisierung unserer westlichen Welt mit der massiven Ausbeutung von Mensch und Natur als Logik des 19. und 20. Jahrhunderts, an der wir immer noch zu kauen haben. Und von der wir auch immer noch profitieren. Die Folgen kommen jetzt auf uns zu, mit relativ großer Wucht. Das Industrielle ist nicht nur als Praxis, sondern auch als Denkmodell, als Rollenaufteilung zwischen Experte, Produzent und Konsument auf allen Ebenen extrem problematisch. Deswegen ist es wichtig, die strukturellen Zusammenhänge zwischen der aktuellen ökologischen und sozialen Krise und des industriellen Zeitalters, das auf dem Papier eigentlich vorbei ist, zu reflektieren. Wo können wir agieren? Die Möglichkeiten der Designer*innen sind da vielleicht begrenzt, und vielleicht arbeiten wir als Designer*innen auch stärker auf einer symbolischen Ebene. Wir können Dinge in einem kleinen Bereich überprüfen, der aber durchaus eine Avantgarde-Funktion haben kann für andere Arbeitsfelder.

Grcic: Da stimme ich dir vollkommen zu. Aus meiner Praxis sehe ich den größeren Wert darin, von innen heraus Dinge anzustoßen, als zu sagen, ich arbeite gar nicht mehr mit der Industrie.

Jouhar: Könntest du das anhand des Bell Chair, deinem aktuellen Stuhlprojekt für die italienische Marke Magis, genauer erläutern?

Grcic: Indem wir sehr eng und langfristig mit den Herstellern zusammenarbeiten, sind wir längst nicht mehr nur die, die das Produkt entwerfen. Wir sind früh in strategische Prozesse eingebunden. Bei Bell Chair stand ganz am Anfang die Frage, ob wir den Stuhl überhaupt machen – einen günstigen Stuhl ganz aus Plastik? Wollen wir, können wir, dürfen wir diesen Stuhl machen? Und wenn ja, wie? In diesen Diskussionen haben wir als Designer eine wichtige Rolle gespielt.

Jouhar: Worauf kam es bei der Gestaltung an?

Grcic: Unser Ziel war es, einen Stuhl zu entwickeln, der einerseits ökologisch ist, aber gleichzeitig extrem günstig. So einen Stuhl kann man nur in Plastik produzieren, mit einem sehr aufwendigen Spritzgusswerkzeug, ausgelegt für hohe Stückzahlen. Uns ging es darum, möglichst viele Stellschrauben zu finden, um in diesen sehr festgelegten, industriellen Prozess einzugreifen. Wir wollten einen zeitgemäßen, besseren Plastikstuhl machen. Der Kunststoff, aus dem unser Stuhl gefertigt wird, wird zu fast 100 Prozent aus Industrieabfällen der Automobil- und Möbelindustrie gewonnen. Zudem kommt der Stuhl mit einem absoluten Minimum an Material aus, genau 2,6 Kilogramm. Das ist fast um die Hälfte weniger, als die meisten herkömmlichen Stühle. Weniger Material macht den Stuhl nicht nur leichter, es spart auch Ressourcen bei der Produktion und bei Transport und Lagerhaltung. Für mich ist das „Bell“-Projekt deshalb interessant, weil wir nicht nur einen Stuhl entworfen haben, sondern einen kompletten Produktkreislauf.

Jouhar: Jesko, ist das das ein Projekt mit symbolischer Ebene, wie du sie meinst?

Fezer: Ich glaube schon, dass das Projekt eine Behauptung ist im positiven Sinn. Es ist möglich, mit unseren Werkzeugen etwas zu produzieren, was einen Unterschied macht und auf breiteres Interesse stößt. Das alte Versprechen des Designs, im Gebrauch Einfluss auszuüben – dafür ist der Stuhl ein gutes Beispiel.

Jouhar: Im Moment bieten viele Unternehmen und Marken, ob aus Möbel- oder Modeindustrie, Produkte und Dienstleistungen an, die einen bewussten, ressourcenschonenden Konsum ermöglichen sollen. Gibt es den guten Konsum überhaupt?

Grcic: Ich glaube, das Gute an solchen Projekten ist, dass sie einen ersten Schritt machen. Im Moment – sicher beschleunigt durch die Corona-Pandemie – ist vieles zum Experimentierfeld geworden. Wir wissen nicht, welche Nachrichten uns morgen erwarten, wie sich das Leben verändert. Deshalb gibt es eine größere Bereitschaft, sich auf Experimente einzulassen, ohne zu wissen, was dabei herauskommt. Es muss nicht alles sofort perfekt sein. Auch mit dem Bell Chair haben wir nicht alles erreicht, was wir uns gewünscht hätten. Trotzdem kann das Projekt eine Anregung sein für andere, es aufzugreifen und besser zu machen. Als Designer erleben wir gerade eine extrem spannende Zeit.

Fezer: Ich möchte Konstantin widersprechen, zumindest partiell. Wir sind uns einig, dass wir uns an einem kritischen Punkt befinden, und dass das Design einen wichtigen Beitrag leisten kann. Allerdings zielte deine Frage ja auch darauf ab, ob große Konzerne, etwa in der Mode, den gleichen Schrott wie früher verkaufen, bloß im Sinne des Greenwashing legitimiert mit symbolischen Nachhaltigkeitsaktionen. Es gibt diese beiden Ebenen des Symbolischen: den Versuch, das bestehende System einer schnelllebigen, konsumorientierten, ressourcenexzessiven Produktion aufrechtzuerhalten durch symbolische Aktionen, die das Gegenteil signalisieren. Und tatsächliche Versuche, auch im Symbolischen, im Kleinen, wirkliche Veränderungen anzustoßen. Vielleicht steht hinter dem, wovon Konstantin spricht, auch ein bestimmtes, romantisches Bild von Unternehmen. Vielleicht sollte man eher die Konzerne oder Aktiengesellschaften in den Blick nehmen. Die gehorchen einer bestimmten Logik die Mehrwertproduktion, die die Aktienbesitzer*innen beanspruchen können. Und diese Logik des Shareholder Value macht es nahezu unmöglich, Fragen der Nachhaltigkeit überhaupt offen anzugehen. Konzerne müssen versuchen, ihre Profitstrukturen zu stabilisieren – da bleibt ihnen nichts anderes übrig, als allenfalls symbolische Gesten von Ökologie oder Sozialverträglichkeit aufzubauen.

Jouhar: Jesko, was bewegt die Studierenden heute? Wonach suchen sie?

Fezer: Ich nehme bei vielen eine tiefe Verunsicherung wahr. Darüber, was gerade passiert und wie schlimm die Situation wirklich ist. Und ob man in dieser Situation als Künstler*in, als Gestalter*in, als junger Mensch, als Mann, als Frau, als westdeutscher Mittelklasse-Hedonist noch richtig unterwegs ist. Die Suche ist radikaler geworden, sie betrifft die Studierenden sehr stark im Miteinander und als Individuen. Deswegen ist es mir ein Anliegen, gemeinsam zu erforschen, was man selbst sein kann in Kunst und Design – und was andere dazu beitragen können. Das treibt mich sehr an. Deswegen liegt der Fokus auf kollektiver Arbeit und auf der Auseinandersetzung mit Alltagswirklichkeit in praktischen Projekten. Das sind ganz gute Werkzeuge, um diese Fragen zu bearbeiten.

Jouhar: Schon seit fast zehn Jahren ist die Öffentliche Gestaltungsberatung Teil deiner Lehre.

Fezer: Dass wir die Gestaltungsberatung schon so lange machen, ist verrückt. Ich wollte aber tatsächlich endlich mal ein Projekt länger machen als zwei Jahre, als fünf Jahre, vielleicht sogar als zehn Jahre. Ein Stück weit aus dieser Designprojekt-Logik herauskommen, die auch ich internalisiert habe: ein Projekt nach dem nächsten starten. Es ist spannend, stattdessen etwas über Generationen von Studierenden aufzubauen, anderen zu ermöglichen, Expertise zu erwerben und etwas weiterzugeben. Aber natürlich hinterfragen wir das Konzept grundlegend – zumindest jedes zweite Jahr.

Jouhar: Welche Berufe ergreifen die Studierenden nach ihrem Abschluss?

Fezer: Zunächst ist es wichtig zu betonen, dass wir an der HFBK Hamburg keinerlei Berufsausbildung anbieten. Deshalb ist eine Aufnahmebedingung, mit radikaler Offenheit in das Studium zu gehen. Viele Lehrende, mich eingeschlossen, disqualifizieren die Studierenden eher für einen Standard-Büroalltag, als dass wir sie darauf vorbereiten. Insofern ist eine Kunstakademie ein Raum, der tendenziell risikobehaftet ist – das versuchen wir auch nicht zu verbergen. Ein Teil der Absolvent*innen geht in Designbüros, arbeitet an Innenarchitektur, an Küchen, im Bereich von Kommunikations- und Produktdesign, an Stellen, wo es um Konzept oder Vermittlung geht. Andere stellen aus dem Studium heraus eigene Projekte auf die Beine. Das können künstlerische Projekte sein, sie machen in Teams Projekträume auf oder kleine Büros, sie versuchen, einen anderen Designanspruch umzusetzen. Einige arbeiten im sozialen Bereich, im Umweltaktivismus, in städtischen Institutionen oder für Nachbarschaftsinitiativen.

Grcic: Die Einsicht, dass die Hochschule keine Berufsausbildung ist, zwingt mich zunächst einmal dazu, umzudenken. Für mich wäre es einfacher, meine Designpraxis an die Studierenden weiterzugeben. Doch genau darum soll es nicht gehen, und das ist eine spannende Herausforderung. Als Professor sehe ich meine Rolle darin, einen kritischen und reflektierten Diskurs darüber, was Design ist und sein kann, aktiv zu fördern. Die Hochschule ist ein idealer Raum zur freien Entfaltung, und genau das birgt ein riesiges Potenzial für ganz unterschiedliche Positionen. Was mich als Student geprägt hat, war die Erfahrung, von anderen zu lernen. Und am nachhaltigsten haben mich die Ideen und Projekte beeinflusst, die am weitesten weg waren von meiner eigenen Arbeit.

Dises Interview erschien zuerst im Lerchenfeld Nr. 55.

Jasmin Jouhar lebt in Berlin und schreibt als freie Autorin über Themen aus Architektur und Design. Zu ihren Auftraggebern gehören Publikumsmedien wie Frankfurter Allgemeine Zeitung, The Weekender Magazine oder Schöner Wohnen genauso wie Fachmedien für Architekt*innen und Designer*innen. Zuletzt hat sie ein Buch über die Türklinke von Jasper Morrison geschrieben.

Einzelausstellung von Konstantin Grcic

Vom 29. September bis 23. Oktober 2022 zeigt Konstantin Grcic (Professor für Industriedesign) im ICAT - Institute for Contemporary Art & Transfer der HFBK Hamburg eine raumgreifende Installation aus von ihm gestalteten Objekten und bereits existierenden, neu zusammengestellten Gegenständen. Parallel wird der von ihm konzipierte Raum für Workshops, Seminare und Büro-Arbeitsplätze im AtelierHaus in Betrieb genommen.

Amna Elhassan, Tea Lady, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm

Amna Elhassan, Tea Lady, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm

Kunst und Krieg

„Jeder Künstler ist ein Mensch“. Diese so zutreffende wie existenzialistische Feststellung von Martin Kippenberger (in ironischer Umformulierung des bekannten Beuys Zitats) bringt es in vielerlei Hinsicht auf den Punkt. Zum einen erinnert sie uns daran, nicht wegzusehen, (künstlerisch) aktiv zu handeln und unsere Stimmen zu erheben. Gleichzeitig ist sie eine Ermahnung, denen zu helfen, die in Not sind. Und das sind im Moment sehr viele Menschen, unter ihnen zahlreiche Künstler*innen. Deshalb ist es für Kunstinstitutionen wichtig, nicht nur über Kunst, sondern auch über Politik zu diskutieren.

Merlin Reichert, Die Alltäglichkeit des Untergangs, Installation in der Galerie der HFBK; Foto: Tim Albrecht

Merlin Reichert, Die Alltäglichkeit des Untergangs, Installation in der Galerie der HFBK; Foto: Tim Albrecht

Graduate Show 2022: We’ve Only Just Begun

Vom 8. bis 10. Juli 2022 präsentieren mehr als 160 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2021/22 ihre Abschlussarbeiten aus allen Studienschwerpunkten. Unter dem Titel Final Cut laufen zudem alle Abschlussfilme auf großer Leinwand in der Aula der HFBK Hamburg. Parallel ist in der Galerie der HFBK im Atelierhaus die Ausstellung der sudanesischen Gastlektorin Amna Elhassan zu sehen.

Grafik: Nele Willert, Dennise Salinas

Grafik: Nele Willert, Dennise Salinas

Der Juni lockt mit Kunst und Theorie

So viel Programm war schon lange nicht mehr: Ein dreitägiger Kongress zur Visualität des Internets bringt internationale Webdesigner*innen zusammen; das Forscher*innenkollektiv freethought diskutiert über die Rolle von Infrastrukturen und das Symposium zum Abschied der Professorin Michaela Ott greift zentrale Fragen ihrer Forschungstätigkeit auf.

Renée Green. ED/HF, 2017. Film still. Courtesy of the artist, Free Agent Media, Bortolami Gallery, New York, and Galerie Nagel Draxler, Berlin/Cologne/Munich.

Renée Green. ED/HF, 2017. Film still. Courtesy of the artist, Free Agent Media, Bortolami Gallery, New York, and Galerie Nagel Draxler, Berlin/Cologne/Munich.

Finkenwerder Kunstpreis 2022

Der 1999 vom Kulturkreis Finkenwerder e.V. initiierte Finkenwerder Kunstpreis hat eine Neuausrichtung erfahren: Als neuer Partner erweitert die HFBK Hamburg den Preis um den Aspekt der künstlerischen Nachwuchsförderung und richtet ab 2022 die Ausstellung der Prämierten in der HFBK Galerie aus. Mit dem diesjährigen Finkenwerder Kunstpreis wird die US-amerikanische Künstlein Renée Green ausgezeichnet. Die HFBK-Absolventin Frieda Toranzo Jaeger erhält den Finkenwerder Förderpreis der HFBK Hamburg.

Amanda F. Koch-Nielsen, Motherslugger; Foto: Lukas Engelhardt

Amanda F. Koch-Nielsen, Motherslugger; Foto: Lukas Engelhardt

Nachhaltigkeit im Kontext von Kunst und Kunsthochschule

Im Bewusstsein einer ausstehenden fundamentalen gesellschaftlichen Transformation und der nicht unwesentlichen Schrittmacherfunktion, die einem Ort der künstlerischen Forschung und Produktion hierbei womöglich zukommt, hat sich die HFBK Hamburg auf den Weg gemacht, das Thema strategisch wie konkret pragmatisch für die Hochschule zu entwickeln. Denn wer, wenn nicht die Künstler*innen sind in ihrer täglichen Arbeit damit befasst, das Gegebene zu hinterfragen, genau hinzuschauen, neue Möglichkeiten, wie die Welt sein könnte, zu erkennen und durchzuspielen, einem anderen Wissen Gestalt zu geben

Atelier-Neubau in der Häuserflucht am Lerchenfeld

Atelier-Neubau in der Häuserflucht am Lerchenfeld, im Hintergrund der Bau von Fritz Schumacher; Foto: Tim Albrecht

Raum für die Kunst

Nach mehr als 40 Jahren intensiven Bemühens wird für die HFBK Hamburg ein lang gehegter Traum Wirklichkeit. Mit dem neu eröffneten Ateliergebäude erhalten die Studienschwerpunkte Malerei/Zeichnen, Bildhauerei und Zeitbezogene Medien endlich die dringend benötigten Atelierräume für Master-Studierende. Es braucht einfach Raum für eigene Ideen, zum Denken, für Kunstproduktion, Ausstellungen und als Depot.

Martha Szymkowiak / Emilia Bongilaj, Installation “Mmh”; Foto: Tim Albrecht

Martha Szymkowiak / Emilia Bongilaj, Installation “Mmh”; Foto: Tim Albrecht

Jahresausstellung 2022 an der HFBK Hamburg

Nach der digitalen Ausgabe im letzten Jahr, findet die Jahresausstellung 2022 an der HFBK Hamburg wieder mit Publikum statt. Vom 11.-13. Februar präsentieren die Studierenden aus allen Studienschwerpunkten ihre künstlerischen Arbeiten im Gebäude am Lerchenfeld, in der Wartenau 15 und im neu eröffneten Atelierhaus.

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Wer spricht? Wer malt welches Motiv? Wer wird gezeigt, wer nicht? Identitätspolitische Fragen spielen in der Kunst und damit auch an der HFBK Hamburg eine wichtige Rolle. Das hochschuleigene Lerchenfeld-Magazin beleuchtet in der aktuellen Ausgabe Hochschulstrukturen sowie Studierendeninitiativen, die sich mit Diversität und Identität befassen.

Grafik: Tim Ballaschke

Grafik: Tim Ballaschke

Semesterstart

Nach drei Semestern Hybrid-Lehre unter Pandemiebedingungen steht nun endlich wieder ein Präsenz-Semester bevor. Wir begrüßen alle neuen Studierenden und Lehrenden an der HFBK Hamburg und laden herzlich zur Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 ein, die in diesem Jahr von einem Gastvortrag von ruangrupa begleitet wird.

Foto: Klaus Frahm

Foto: Klaus Frahm

Summer Break

Die HFBK Hamburg befindet sich in der vorlesungsfreien Zeit, viele Studierende und Lehrende sind im Sommerurlaub, Kunstinstitutionen haben Sommerpause. Eine gute Gelegenheit zum vielfältigen Nach-Lesen und -Sehen:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?