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Die Hochschulgalerie als Membran

Mit dem Umzug in das neue Ateliergebäude und einer neuen wissenschaftlichen Mitarbeiterin gewinnt die Galerie der HFBK an Ausstellungsfläche und an Möglichkeiten. Mehr noch, sie tritt in einen Prozess der konzeptuellen Veränderung ein.

Die Gründung der HFBK Galerie im Jahr 2004 geht zurück auf die Initiative von Martin Köttering, der viele Jahre als Kurator für zeitgenössische Kunst gearbeitet hatte, bevor er 2002 die Präsidentschaft der Hochschule übernahm. Ihm war es ein zentrales Anliegen, dass Studierende über die Mechanismen von Produktion, Präsentation und Repräsentation nicht nur sprechen und nachdenken, sondern sich auch praktisch mit diesem Verhältnis auseinandersetzen. Am besten in Form von selbst kuratierten und organisierten Ausstellungen in einem eigenen Ausstellungsraum. Dafür gab er damals sein Büro in der zweiten Etage des Lerchenfeld-Gebäudes auf und verwandelte es in einen Ausstellungsraum – in einen erstmal leeren, weiß gestrichenen Raum mit möglichst viel Präsentationsflächen. Grundlegend war das Bewusstsein von der Kunsthochschule als ein Ort der Lehre, an dem angehenden Künstler*innen ihr eigenes Profil entwickeln können, ohne dabei systematisch mit einem alltäglichen Ausstellungswesen konfrontiert zu werden, aber dennoch Erfahrungen mit der Konzeption und den Abläufen der Kunstvermittlung sammeln zu können. Von Anfang an war die Hochschulgalerie in der Lehre verortet, stand neben der Vermittlung von Ausstellungspraxis auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit (historischen und zeitgenössischen) kuratorischen Konzepten im Mittelpunkt.

Das Programm wurde seither von wechselnden studentischen Teams für ein oder zwei Semester gestaltet. Den Anfang machten 2004/05 Tjorg Douglas Beer und Lutz Krüger, die unter anderem Abel Auer, Ellen Gronemeyer, Stef Heidhues, Malte Urbschat, Adnan Softić oder Christoph Blawert zeigten. Neben dem Ausstellungsprogramm luden sie Kurator*innen wie Heike Munder vom Migros Museum Zürich oder den Galeristen Christian Nagel für Vorträge ein oder berichteten über alternative Ausstellungsräume wie Cubitt (London), Simultanhalle (Köln), Message Salon (Zürich) oder Oscar-von-Miller-Straße-16 (Frankfurt/M.). Diese Kombination aus Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm, von Theorie und Praxis sowie das Arbeiten im Kollektiv lassen sich im Rückblick auf das Programm der HFBK Galerie als wiederkehrende Formate und Auseinandersetzungen identifizieren.

Es gibt Fragen, die zyklisch immer wieder auftauchen, aber sie werden aktualisiert und mit anderen Mitteln bearbeitet. Und immer geschah dies mit großer Radikalität und Experimentierfreude, mit der die studentischen Teams bereit waren, alles zu hinterfragen: Muss sich künstlerische Arbeit über eine Ausstellung manifestieren? Kann sich eine Ausstellung nicht auch selbst kuratieren? Wie kann ein Galerieraum noch genutzt werden? In welchem Verhältnis stehen Theorie und Praxis? Die gesellschaftlichen Bedingungen und Machtstrukturen zu thematisieren, innerhalb derer künstlerisch gearbeitet, kuratiert und kommuniziert wird, trat zunehmend in den Mittelpunkt. Das lässt gerade auch an den Programmen von Julie Gufler & Julia Metropolit (2014), Tim Geissler und Johannes Boscher (2014/15) oder dem Cake & Cash Curatorial Collective (2020/21) anschaulich betrachten.

Daneben spielte die Auseinandersetzung mit der Architektur des Raumes eine wichtige Rolle – lassen sich darüber ja auch immer kuratorischen Setzungen vornehmen. So wurden immer wieder, teils elementare, architektonische Eingriffe vorgenommen, die nicht selten zum „Markenzeichen“ der jeweiligen Kurator*innen wurden: Die Decke wurde in einem mühsamen Akt komplett schwarz gestrichen, eine Wand vor die Fensterfront gestellt, der Eingang verlegt und stattdessen in die Wand ein großes Fenster eingebaut, das zum Schauplatz von Performances wurde und den Blick der Besucher*innen auf das Geschehen im Raum freigab. So unscheinbar der Ausstellungsraum im „Originalzustand“ jemals wirkte, so gut funktionierte er als Folie für die Ideen der Studierenden. Und immer hatten sie die Freiheit und alle technischen Möglichkeiten, ihre Vorschläge umzusetzen. (Es sei denn, statische Gründe sprachen dagegen.) Es galt, sich mit den vorhandenen Gegebenheiten auseinanderzusetzen, darauf zu reagieren und einen Umgang mit ihnen zu finden.

So fungiert die HFBK Galerie als experimentelle Plattform, um künstlerische und kuratorische Prozesse in einem geschützten Raum ausprobieren zu können, in dem es weder richtig noch falsch gibt. Und auch wenn das Zitat von Samuel Beckett schon so oft bemüht wurde, es passt auch in diesem Zusammenhang einfach zu gut: „Try again, fail again, fail better!“

Daneben war die Galerie auch immer ein Ort des regelmäßigen Austauschs mit anderen Kunsthochschulen. So stellen jeden Februar zehn Studierende aus London im Rahmen des Ausstellungs-Austausches mit dem Art Department der Goldsmiths University in der Galerie der HFBK aus. Durch den Brauch, Lehrende mit einer Einzelausstellung zu begrüßen oder zu verabschieden, waren in der Galerie auch regelmäßig Positionen etablierter Künstler*innen wie Franz Erhard Walther, Norbert Schwontkowski, Thomas Demand oder Michaela Melián zu sehen.

Nach fast 20-jähriger Ausstellungsgeschichte stehen nun räumliche und personelle Veränderungen bevor, die sich auch in der konzeptionellen Ausgestaltung der HFBK Galerie niederschlagen. In dem neuen Atelierhaus wird die Galerie zwei Räume im Erdgeschoss beziehen, die mit einer Ausstellungsfläche von fast 360 Quadratmetern deutlich größer sind, als der bisherige Raum. Die technisch besser ausgestatteten und repräsentativen Ausstellungsräume ermöglichen vielfältige Nutzungen und durch das zentrale Fenster an der Längsseite öffnet sich der Ausstellungsraum zur Straße. Als großzügiges Schaufenster ermöglicht es den Blick in die Kunstproduktions- und Ausstellungsstätte. Gleichzeitig spielt das Außen eine sichtbare Rolle bei allen Projekten im Innenraum, woraus sich interessante Korrespondenzen ergeben. „Zwischen dem Inneren einer Kunsthochschule und dem Draußen muss es etwas geben, eine in beide Richtungen durchlässige Membran. Und diese Membran kann die Galerie sein. Das bedeutet, noch stärker die Öffentlichkeit zu adressieren, die damit eingeladen wird, an die Hochschule zu kommen und die Ausstellungen wahrzunehmen“, so Martin Köttering.

Für das erweiterte Ausstellungsprogramm bekommt Martin Köttering Unterstützung durch Sjusanna Eremian, die seit Oktober 2021 für die kommenden drei Jahre als kuratorische Assistentin an der HFBK Hamburg arbeitet. Eremian hat an der Leuphana Universität in Lüneburg Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Kunst- und Medienwissenschaft studiert. Ihre Master-Arbeit schrieb sie 2017 zum Thema Politische Kunst und Populismus und war in dieser Zeit studentische Mitarbeiterin des dortigen Kunstraums. Nach einem zweijährigen Volontariat an der Hamburger Kunsthalle hatte sie dort eine Projektassistenz für die Ausstellung De Chirico – Magische Wirklichkeit inne. Ihre ersten Wochen an der HFBK Hamburg verbrachte Eremian damit, genau hinzuschauen, hinzuhören, Ausstellungen anzusehen und den Austausch mit den Studierenden zu suchen. Eigene kuratorische Ideen stellt sie zunächst einmal zurück: „Ich möchte die Ausstellungen mit den Studierenden gemeinsam entwickeln. Deshalb schaue ich mir aktuell sehr genau an, welche Positionen und Inhalte die Studierenden beschäftigt, um daraus Ideen für Ausstellungsprojekte zu entwickeln.“ Eine von Studierenden konzipierte Ausstellung, ein Kooperationsprojekt mit Studierenden aus Leipzig und Berlin ist bereits eingeplant.

Zudem steht eine erste Ausstellung bereits fest. Im Frühsommer wird die Ausstellung zum Finkenwerder Kunstpreis in den neuen Galerieräumen stattfinden. Die seit 1999 vom Kulturkreis Finkenwerder e.V. an international anerkannte Künstler*innen verliehene Auszeichnung wurde in Zusammenarbeit mit der HFBK Hamburg neu ausgerichtet und um den Finkenwerder Förderpreis der HFBK Hamburg ergänzt. Mit der Trägerin des mit 20.000 Euro dotierten Hauptpreises, der US-amerikanischen Künstlerin, Autorin und Filmemacherin Renée Green (siehe auch den Artikel von Nina Möntmann auf S. 33) wird in der Galerie der HFBK – zum ersten Mal unabhängig von ihrem Bezug zur Hochschule –, eine etablierte Position gezeigt. In dem zweiten Raum wird die HFBK-Absolventin Frieda Toranzo Jaeger (Master 2020 bei Prof. Jutta Koether) ausstellen, die mit dem Förderpreis bedacht wurde. Toranzo Jäger kombiniert installative Malerei mit traditionell mexikanischen Textilarbeiten und Performance, um Ideen von Hybridität, Sexualität und Autonomie zu erforschen.

Während sich das Konzept erst schrittweise formiert und Gestalt annimmt, stellen Ausstellungen renommierter Einzelpositionen aus dem Hochschulkontext oder von außerhalb, um unterschiedliche Diskurse in den Lehrbetrieb zu holen, ein neues Format für die HFBK Galerie dar. Daneben wird es zukünftig nun noch mehr Raum für studentische Initiativen, Artist Talks, Workshops und Veranstaltungsprogramme geben.

Dieser Text erschien zum ersten Mal im Lerchenfeld-Magazin Nr. 60.
Autorin: Julia Mummenhoff

Julia Scher, Crystal, 2024, Animation, ca. 0:15 Min., Still

Finkenwerder Kunstpreis 2024

Die US-amerika­nische Künstlerin Julia Scher erhält den Finkenwerder Kunstpreis 2024. Mit dem Finkenwerder Förderpreis der HFBK Hamburg wird die Absolventin Anna Stüdeli ausgezeichnet.

Natan Sznaider steht am Rednerpult und  hält seine Keynote.

Keynote "Ambiguitätstoleranz auf dem Prüfstand. documenta fifteen und die jüdische Frage" von Natan Sznaider (Professor für Soziologie, The Academic College of Tel Aviv-Yaffo), zum "Symposium: Kontroverse documenta fifteen" an der HFBK Hamburg; Foto: Tim Albrecht

Gespräche mit Natan Sznaider

Der israelische Soziologe Natan Sznaider spricht mit dem Schriftsteller Navid Kermani und der Philosophin Juliane Rebentisch über den Nahostkonflikt, die Arbeit an einer friedlichen Zukunftsperspektive und das Vermächtnis von Hannah Arendt.

Es wird in Schwarz/Weiß die Nachaufnahme eines menschlichen Auges gezeigt. Auf der Pupille ist ein Atomstern zu sehen.

Still aus US Civil Defense Film Atomic Alert (1951), 10 min 34 sec, Courtesy of the Diefenbunker: Canada’s Cold War Museum.

Archives of the Body - The Body in Archiving

Mit einem Symposium, einer Ausstellung, einem Filmprogramm und einer digitalen Publikation untersucht das von Prof. Hanne Loreck und Vanessa Gravenor konzipierte Forschungsprojekt die Ordnungsform "Archiv" im Hinblick auf den menschlichen Körper. Welche Körperarchive und -diskurse haben sich durchgesetzt? Welche Potenziale für politisch-ästhetischen Widerstand und Aktivismus konnten und können entstehen?

Es ist eine abstrakte Malerei in unterschiedlichen Gelb-, Blau und hellen Brauntönen zu sehen. Ein Kreis in Beige lenkt den Fokus leicht auf die linke Bildhälfte.

Sharon Poliakine, Untitled, 2023, Öl auf Leinwand, Detail

Neue Partnerschaft mit der School of Arts der University of Haifa

Anlässlich einer neuen Partnerschaft mit der School of Arts der University of Haifa präsentiert die HFBK Hamburg eine Ausstellung der Künstler*innen Birgit Brandis, Sharon Poliakine und Studierender der HFBK.

Zwischen blauen Frühlingsblumen hindurch ist der Haupteingang der HFBK Hamburg mit seinem Portal zu erkennen.

Der Eingang der HFBK Hamburg im Frühling; Foto: Ronja Lotz

Aktuelle Ausstellungsempfehlungen

Derzeit finden zahlreiche Ausstellungen mit HFBK-Beteiligung statt. Wir stellen eine kleine Auswahl vor und laden zum Ausstellungsbesuch in der vorlesungsfreien Zeit.

Sieben Personen stehen vor einer bunten Wand aus unterschiedlich farbigen Stoffstreifen.

Besucher*innen der Jahresausstellung 2024; Foto: Lukes Engelhardt

Jahresausstellung 2024 an der HFBK Hamburg

Vom 9. - 11. Februar 2024 (jeweils 14 - 20 Uhr) präsentieren die Studierenden der HFBK Hamburg ihre künstlerischen Produktionen des letzten Jahres. Im ICAT ist neben der von Nadine Droste kuratierten Gruppenausstellung »Think & Feel! Speak & Act!« mit Arbeiten von Master-Studierenden auch die Präsentation der Austauschstudierenden des Goldsmiths, University of London, zu sehen.

Begutachtung der eingereichten Mappen durch die Aufnahmekommission

How to apply: Studium an der HFBK Hamburg

Vom 1. Februar bis 5. März 2024, 16 Uhr läuft die Bewerbungsfrist für ein Studium an der HFBK Hamburg. Alle wichtigen Infos dazu gibt es hier.

In der linken Bildhälfte wird ein Übermensch großes Objekt gezeigt. Ein aus Metall bestehender Kubus mit unterschiedlichen Objekten darin. Dahinter kann man vier Leinwände, die ein hochkantiges Format aufweisen, erahnen. An der rechten Wand steht eine Tischvitrine und an der Wand sind zwei großformatige Blätter angebracht.

Ausstellungsansicht des Hiscox Kunstpreises 2023; Foto: Tim Albrecht

(Ex)Changes of / in Art

Zum Jahresende ist an der HFBK Hamburg viel los: Ausstellungen im ICAT, die Open Studios der ASA-Studierenden in der Karolinenstraße, Performances in der Extended Library und Vorträge in der Aula Wartenau.

Extended Libraries

Wissen ist heute von überall und zeitunabhängig abrufbar. Welche Rolle(n) können dann noch Bibliotheken übernehmen? Wie können sie nicht nur als Wissensarchiv dienen, sondern die künstlerische Wissensproduktion unterstützen? Beispielhaft stellen wir Bibliotheksprojekte von Studierenden und Alumni sowie unseren neuen Wissensraum vor: die Extended Library.

Semestereröffnung 2023/24

Wir begrüßen die zahlreichen neuen Studierenden zum akademischen Jahr 2023/24 an der HFBK Hamburg. Ein herzliches Willkommen gilt auch den neuen Professor*innen, die wir Ihnen hier vorstellen möchten.

Auf einer Wand wurden Buchseiten mit Malereien und Zeichnungen in unterschiedlichen Formaten angebracht. Außerdem sind zwei Buchumschläge des Buches "Die Völker der Erde" zusehen.

Detailansicht Rajkamal Kahlon, People of the Earth (Die Völker der Erde), 2017 - 2021

And Still I Rise

Seit über 20 Jahren gilt das Interesse der US-amerikanischen Künstlerin Rajkamal Kahlon den Zusammenhängen von Ästhetik und Macht, die über historische und geografische Grenzen hinweg vornehmlich durch Gewalt organisiert sind. Mit dieser Einzelausstellung stellt die HFBK Hamburg das vielseitige Werk der Professorin für Malerei und Zeichnen erstmals dem Hamburger Kunstpublikum vor.

Eine Person steht an einem Mischpult auf der Bühne der Aula. Hinter ihr laufen bunte nonfigurative Bilder auf einer großen Leinwand. Im Vordergrund der Szene liegen die Besuchenden auf dem Boden, gebettet auf Kissen. Ein helles Licht strahlt aus der linken oberen Ecke in die Kamera.

Festival "Klassentreffen" von Prof. Michaela Melián, Konzert von Nika Son; Foto: Lukes Engelhardt

No Tracking. No Paywall.

Just Premium Content! Der (fehlende) Sommer bietet die ideale Gelegenheit, um Versäumtes nachzuholen. In der Mediathek der HFBK Hamburg lassen uns Lehrende, Studierende und Alumni an Wissen und Diskussionen teilhaben – an emotionalen Momenten und kontroversen Diskursen. Durch Podcasts und Videos bringen sie sich in aktuelle Debatten ein und behandeln wichtige Themen, die gerade im Fokus stehen.

Let's talk about language

An der HFBK Hamburg studieren aktuell ca. 350 internationale Studierende, die 55 unterschiedliche Sprachen sprechen – zumindest sind das die offiziellen Amtssprachen ihrer Herkunftsländer. Ein Viertel der Lehrenden hat einen internationalen Hintergrund. Tendenz steigend. Aber wie gehen wir im Alltag mit der Vielsprachigkeit der Hochschulmitglieder produktiv um? Welche Wege der Verständigung lassen sich finden? Die aktuelle Lerchenfeld-Ausgabe beschäftigt sich mit kreativen Lösungen im Umgang mit Mehrsprachigkeit und lässt zahlreiche ehemalige internationale Studierende zu Wort kommen.

In der Eingangshalle der HFBK steht eine Holzbude mit dem hinterleuchteten Schriftzug "Würstelinsel". Davor stehen ein paar Leute.

Hanna Naske, Würstelinsel, 2023, Installation in der Eingangshalle der HFBK Hamburg; Foto: Miriam Schmidt / HFBK

Graduate Show 2023: Unfinished Business

Vom 13. bis 16. Juli 2023 präsentieren 165 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2022/23 ihre Abschlussarbeiten aus allen Studienschwerpunkten. Unter dem Titel Final Cut laufen zudem alle Abschlussfilme auf großer Leinwand in der Aula der HFBK Hamburg.

Ein verkleideter Mann mit Sonnenbrille hält ein Schild in Sternform in die Kamera. Darauf steht "Suckle". Das Bild ist in Schwarz-Weiß aufgenommen.

Foto: Honey-Suckle Company

Let`s work together

Kollektive haben Konjunktur im Kunstbetrieb. Und das schon seit mehreren Jahrzehnten. Zum Start des Sommersemesters 2023 widmet sich die aktuelle Ausgabe des Lerchenfeld-Magazins dem Thema der kollektiven Praxis, stellt ausgewählte Kollektive vor und geht aber auch den Gefahren und Problemen kollektiven Arbeitens nach.

Jahresausstellung 2023, Arbeit von Toni Mosebach / Nora Strömer; Foto: Lukes Engelhardt

Jahresausstellung 2023 an der HFBK Hamburg

Vom 10.-12. Februar präsentieren Studierende aus allen Schwerpunkten ihre künstlerischen Arbeiten im Gebäude am Lerchenfeld, in der Wartenau 15 und im AtelierHaus. Im dort ansässigen ICAT kuratiert Tobias Peper, Künstlerischer Leiter des Kunstvereins Harburger Bahnhof, eine Ausstellung mit HFBK-Masterstudierenden. Zudem stellen dort 10 Austauschstudierende des Goldsmiths, University of London ihre Arbeiten aus.

Symposium: Kontroverse documenta fifteen

Mit dem Symposium zur documenta fifteen am 1. und 2. Februar 2023 möchte die HFBK Hamburg Hintergründe und Zusammenhänge analysieren, unterschiedliche Standpunkte ins Gespräch bringen und eine Debatte ermöglichen, die explizit den Antisemitismus im Kunstfeld thematisiert. Die Veranstaltung bietet Raum für divergente Positionen und will Perspektiven für die Gegenwart und Zukunft des Ausstellungmachens eröffnen.

ASA Open Studios im Wintersemester 2021/22; Foto: Marie-Theres Böhmker

ASA Open Studios im Wintersemester 2021/22; Foto: Marie-Theres Böhmker

Das Beste kommt zum Schluss

Zum Jahresende finden nochmals zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen mit HFBK-Kontext statt. Einige davon tragen wir hier zusammen. Auch einen kurzen Ausblick auf zwei Vorträge im Rahmen des Professionalisierungsprogramms im Januar finden sich in darunter.

Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image, Grafik: Leon Lothschütz

Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image, Grafik: Leon Lothschütz

Festival und Symposium: Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image

Als abschließender Teil des künstlerischen Forschungsprojekts laden das Festival und Symposium vom 24.-27. November 2022 zu Vorführungen, Performances, Vorträgen und Diskussionen ein, die das Potenzial der bewegten Bilder und des (menschlichen und nicht-menschlichen) Körpers erforschen, unseren gewohnten Kurs umzukehren und die herrschende Ordnung der Dinge zu verändern.

Blick in die vollbesetzte Aula zum Semesterstart; Foto: Lukas Engelhardt

Blick in die vollbesetzte Aula zum Semesterstart; Foto: Lukas Engelhardt

Herzlich willkommen - und los geht's!

Wir freuen uns, zum Wintersemester 2022/23 viele neue Gesichter an der HFBK Hamburg begrüßen zu können. Einige Informationen und Hintergründe zu unseren neuen Professor*innen und Gastprofessor*innen stellen wir hier zusammen.

Einzelausstellung von Konstantin Grcic

Vom 29. September bis 23. Oktober 2022 zeigt Konstantin Grcic (Professor für Industriedesign) im ICAT - Institute for Contemporary Art & Transfer der HFBK Hamburg eine raumgreifende Installation aus von ihm gestalteten Objekten und bereits existierenden, neu zusammengestellten Gegenständen. Parallel wird der von ihm konzipierte Raum für Workshops, Seminare und Büro-Arbeitsplätze im AtelierHaus in Betrieb genommen.

Amna Elhassan, Tea Lady, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm

Amna Elhassan, Tea Lady, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm

Kunst und Krieg

„Jeder Künstler ist ein Mensch“. Diese so zutreffende wie existenzialistische Feststellung von Martin Kippenberger (in ironischer Umformulierung des bekannten Beuys Zitats) bringt es in vielerlei Hinsicht auf den Punkt. Zum einen erinnert sie uns daran, nicht wegzusehen, (künstlerisch) aktiv zu handeln und unsere Stimmen zu erheben. Gleichzeitig ist sie eine Ermahnung, denen zu helfen, die in Not sind. Und das sind im Moment sehr viele Menschen, unter ihnen zahlreiche Künstler*innen. Deshalb ist es für Kunstinstitutionen wichtig, nicht nur über Kunst, sondern auch über Politik zu diskutieren.

Merlin Reichert, Die Alltäglichkeit des Untergangs, Installation in der Galerie der HFBK; Foto: Tim Albrecht

Graduate Show 2022: We’ve Only Just Begun

Vom 8. bis 10. Juli 2022 präsentieren mehr als 160 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2021/22 ihre Abschlussarbeiten aus allen Studienschwerpunkten. Unter dem Titel Final Cut laufen zudem alle Abschlussfilme auf großer Leinwand in der Aula der HFBK Hamburg. Parallel ist in der Galerie der HFBK im Atelierhaus die Ausstellung der sudanesischen Gastlektorin Amna Elhassan zu sehen.

Grafik: Nele Willert, Dennise Salinas

Grafik: Nele Willert, Dennise Salinas

Der Juni lockt mit Kunst und Theorie

So viel Programm war schon lange nicht mehr: Ein dreitägiger Kongress zur Visualität des Internets bringt internationale Webdesigner*innen zusammen; das Forscher*innenkollektiv freethought diskutiert über die Rolle von Infrastrukturen und das Symposium zum Abschied der Professorin Michaela Ott greift zentrale Fragen ihrer Forschungstätigkeit auf.

Renée Green. ED/HF, 2017. Film still. Courtesy of the artist, Free Agent Media, Bortolami Gallery, New York, and Galerie Nagel Draxler, Berlin/Cologne/Munich.

Renée Green. ED/HF, 2017. Film still. Courtesy of the artist, Free Agent Media, Bortolami Gallery, New York, and Galerie Nagel Draxler, Berlin/Cologne/Munich.

Finkenwerder Kunstpreis 2022

Der 1999 vom Kulturkreis Finkenwerder e.V. initiierte Finkenwerder Kunstpreis hat eine Neuausrichtung erfahren: Als neuer Partner erweitert die HFBK Hamburg den Preis um den Aspekt der künstlerischen Nachwuchsförderung und richtet ab 2022 die Ausstellung der Prämierten in der HFBK Galerie aus. Mit dem diesjährigen Finkenwerder Kunstpreis wird die US-amerikanische Künstlein Renée Green ausgezeichnet. Die HFBK-Absolventin Frieda Toranzo Jaeger erhält den Finkenwerder Förderpreis der HFBK Hamburg.

Amanda F. Koch-Nielsen, Motherslugger; Foto: Lukas Engelhardt

Amanda F. Koch-Nielsen, Motherslugger; Foto: Lukas Engelhardt

Nachhaltigkeit im Kontext von Kunst und Kunsthochschule

Im Bewusstsein einer ausstehenden fundamentalen gesellschaftlichen Transformation und der nicht unwesentlichen Schrittmacherfunktion, die einem Ort der künstlerischen Forschung und Produktion hierbei womöglich zukommt, hat sich die HFBK Hamburg auf den Weg gemacht, das Thema strategisch wie konkret pragmatisch für die Hochschule zu entwickeln. Denn wer, wenn nicht die Künstler*innen sind in ihrer täglichen Arbeit damit befasst, das Gegebene zu hinterfragen, genau hinzuschauen, neue Möglichkeiten, wie die Welt sein könnte, zu erkennen und durchzuspielen, einem anderen Wissen Gestalt zu geben

Atelier-Neubau in der Häuserflucht am Lerchenfeld

Atelier-Neubau in der Häuserflucht am Lerchenfeld, im Hintergrund der Bau von Fritz Schumacher; Foto: Tim Albrecht

Raum für die Kunst

Nach mehr als 40 Jahren intensiven Bemühens wird für die HFBK Hamburg ein lang gehegter Traum Wirklichkeit. Mit dem neu eröffneten Ateliergebäude erhalten die Studienschwerpunkte Malerei/Zeichnen, Bildhauerei und Zeitbezogene Medien endlich die dringend benötigten Atelierräume für Master-Studierende. Es braucht einfach Raum für eigene Ideen, zum Denken, für Kunstproduktion, Ausstellungen und als Depot.

Martha Szymkowiak / Emilia Bongilaj, Installation “Mmh”; Foto: Tim Albrecht

Martha Szymkowiak / Emilia Bongilaj, Installation “Mmh”; Foto: Tim Albrecht

Jahresausstellung 2022 an der HFBK Hamburg

Nach der digitalen Ausgabe im letzten Jahr, findet die Jahresausstellung 2022 an der HFBK Hamburg wieder mit Publikum statt. Vom 11.-13. Februar präsentieren die Studierenden aus allen Studienschwerpunkten ihre künstlerischen Arbeiten im Gebäude am Lerchenfeld, in der Wartenau 15 und im neu eröffneten Atelierhaus.

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Wer spricht? Wer malt welches Motiv? Wer wird gezeigt, wer nicht? Identitätspolitische Fragen spielen in der Kunst und damit auch an der HFBK Hamburg eine wichtige Rolle. Das hochschuleigene Lerchenfeld-Magazin beleuchtet in der aktuellen Ausgabe Hochschulstrukturen sowie Studierendeninitiativen, die sich mit Diversität und Identität befassen.

Foto: Klaus Frahm

Foto: Klaus Frahm

Summer Break

Die HFBK Hamburg befindet sich in der vorlesungsfreien Zeit, viele Studierende und Lehrende sind im Sommerurlaub, Kunstinstitutionen haben Sommerpause. Eine gute Gelegenheit zum vielfältigen Nach-Lesen und -Sehen:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Katja Pilipenko

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?