de en

unmodern talking: Just Close Your Eyes


Just Close Your Eyes

Dass die Kunstgeschichtsschreibung (so wie jede andere Geschichtsschreibung auch) kolonial, patriarchal und eurozentrisch ist, wissen wir schon lange. Wissenschaftler:innen finden verschiedenste Wege, damit umzugehen: sie dekonstruieren, subvertieren, kontextualisieren, situieren oder – die häufigste Variante – sie ignorieren. Dabei hat sich insbesondere im Rahmen Postkolonialer Studien herausgestellt, dass die Kritik am Kolonialismus zwar selbstredend unverzichtbar und notwendig ist, aber auch an seine Grenzen stößt. Und genau hier setzt Prof. Dr. Wendy Shaw von der Freien Universität Berlin in ihrem Vortrag und gleichnamigen Buch „What is ‚islamic‘ Art?“ an.

Statt zu fragen, „Was ist kolonial an der Bezeichnung ‚Islamische Kunst‘?“, wechselt sie den Standpunkt und fragt, was die Bezeichnung ‚islamische‘ Kunst aus einer dekolonialisierten Perspektive bedeuten könnte. Die Antwort lautet: gar nichts! Es würde die Bezeichnung schlicht nicht geben, denn „Kunst“ ist keine universelle, wertfreie, transhistorische und transkulturelle Instanz. Was ‚Kunst‘ ist, und was nicht, ist eine Sache der Bedeutungszuschreibung, die von einer amorphen Gruppe getätigt wird, bestehend aus Kunsthistoriker:innen, Galerist:innen, Kurator:innen, Professor:innen, Künstler:innen, Kritiker:innen, zuweilen auch Popstars und anonymen Investor:innen der breiten Öffentlichkeit an sich. Soll heißen, es geht um Deutungshoheit und diese haben und hatten seit geraumer Zeit vorwiegend weiße Männer – entsprechend sieht auch die Definition von Kunst aus, nämlich höchst patriarchal und kolonial. Und wie bizarr der Zusatz „Islamic“ ist, macht das allseits beliebte Stilmittel des Vergleichs allzu deutlich, denn analog dazu würde nahezu jedes von der bisherigen Kunstgeschichte erfasste Objekt unter die Kategorie „Christliche Kunst“ fallen.

Shaw identifiziert bestimmte Aspekte eurozentrischer Kunstgeschichtsschreibung, die als Normen gesetzt wurden und woran forthin Dinge aus verschiedensten Regionen der Welt gemessen wurden. Einige erhielten dabei gönnerhaft das auszeichnende Label „Kunst“ und haben es so in die großen westlichen Kunst-Sammlungen geschafft, andere hingegen landeten als Naturobjekte (!!) in sogenannten „Völkerkundemuseen“ und beides ist problematisch. Denn die normative Kraft eurozentrischer Kunstgeschichte beurteilt sie bis heute als mangelhaft: ihnen fehlt die Zentralperspektive, es fehlt die figürliche Repräsentation, es fehlt das Bild.

Aufgrund dieser Normsetzung wurde ‚dem Islam‘ ein Ikonoklasmus unterstellt, den es nicht gibt und nie gegeben hat, schlicht, weil die Ausstattung sakraler Räume fälschlicherweise als „ornamental“ kategorisiert wurde und das Ornament, dem Status des Bildes untergeordnet, nicht als Form der Mimesis aufgefasst wurde. Genau das ist die westliche Episteme innerhalb der Kunstgeschichte, die Shaw zu dekolonialsieren sucht. Wer entscheidet, in welcher Beziehung ein Bild zur „Realität“ stehen muss, um als solches anerkannt zu werden?

Weiterlesen auf rhizome.hfbk.net:

https://rhizome.hfbk.net/p/285465


Kunst trotz(t) Corona: Graduate Show 2020

Mit einer zweimonatigen Verspätung fand die Graduate Show – ehemals Absolventenausstellung – in diesem Jahr am 19. und 20. September statt. Mehr als 140 Studierende zeigten ihre künstlerischen Abschlussarbeiten.

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Aktuelle Beiträge auf rhizome.hfbk.net

rhizome.hfbk.net ist das soziale Netzwerk der HFBK. Es eröffnet ein digitales Forum für Austausch und Diskussion, in dem Studierende, Lehrende, Gastautor*innen, Kunstkritiker*innen und die interessierte Öffentlichkeit für ein breites Spektrum an Inhalten und Sichtweisen sorgen. Hier finden sich Ausstellungsbesprechungen, eine regelmäßige Kunstpresseschau, literarische Texte sowie Berichte von Vorträgen und Symposien.

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?

Jahresausstellung 2020 an der HFBK Hamburg

Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.