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Le Monde Problématique: Debattenrundschau vom 2. September

Willkommen zu meiner Debattenrundschau vom 02.09.2019!

Seit einiger Zeit scheint es ein verstärktes öffentliches bzw. mediales Interesse an Ostdeutschland zu geben, wozu sicher auch die Wahlerfolge der AfD beigetragen haben. Erst langsam scheint man aus westdeutscher Perspektive zu verstehen, wie viel Frustration in den neuen Bundesländern auch durch kulturelle Abwertungserfahrungen entstanden ist und wie selbstverständlich arrogant man häufig Richtung Osten schaute.

Die in Sachsen aufgewachsene Künstlerin Henrike Naumann ist zur Zeit sicher die prominenteste Vertreterin zeitgenössischer KünstlerInnen, die sich mit deutsch-deutscher Geschichte aus einer dezidiert ostdeutschen Perspektive beschäftigen.

Inzwischen scheint es auch politischer Konsens zu sein, ostdeutschen Erfahrungen, Geschichte und Kultur mit neuer Wertschätzung zu begegnen. Spiegel Online meldet beispielsweise, dass Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier den Eingangsbereich seines Amtssitzes Schloss Bellevue mit fünf großformatigen Arbeiten der ostdeutschen MalerInnen Hartwig Ebersbach, Günter Firit, Angela Hampel, Harald Metzkes und Trak Wendisch ausgestattet habe. Dies sei als eine Verbeugung vor all jenen zu verstehen, die 1989 für die Wende auf die Straße gegangen seien, so Steinmeier. Er wolle ebenfalls seine Wertschätzung gegenüber jenen Künstlern zum Ausdruck bringen, welche ihrem eigenen Gewissen gefolgt seien und nicht der staatlich verordneten Weltsicht.

Hier sind wir schon bei jener Frage, welche bei der Diskussion um ostdeutsche Kunst immer im Raum steht: War der oder die KünstlerIn regimetreu oder nicht?

Im Leipziger Museum der Bildenden Künste wurde gerade eine große Ausstellung mit ostdeutschen Künstler*innen eröffnet, welche sich thematisch mit der Friedlichen Revolution und dem Ende der DDR beschäftigt. Andreas Platthaus hat sie gesehen und schildert seien Eindrücke in einem Artikel für die FAZ.

Ein besonderer Aspekt jener Schau sei, dass eben nicht strikt nach dissidenten oder staatstragenden Positionen getrennt worden sei, wie Marlen Hobrack in ihrer Anmoderation eines Interviews schreibt, welches sie mit den beiden an der Ausstellung beteiligten KünstlerInnen Doris Ziegler und Rainer Schade für den Freitag geführt hat. Themen sind unter anderem die Bedingungen, unter denen jene künstlerische Arbeit in der DDR stattfinden konnte, welche nicht den staatlichen Vorgaben entsprach. Rainer Schade hält die strikte Unterscheidung „gegen den Staat, für den Staat“ für zu simpel: „Die Abstufungen dazwischen, die die Mehrheit ausmachen, vernachlässigt man. Was trauten sich Künstler auszudrücken und mit welcher Strategie? Das ist viel komplizierter freizulegen. Auch die, die geblieben sind und sich nicht Dissidenten nannten, waren mal mehr, mal weniger subversiv. Es war wesentlich mehr möglich, als heute mancher glaubt.“ Insgesamt ein wirklich lesenswertes Interview, welches ein differenziertes Bild des Künstlerseins in der ehemaligen DDR zeichnet.

Rainer Schade ist seit 1995 Vorstandsvorsitzender des Leipziger Jahresausstellung e. V. Um eben jene Jahresausstellung entspann sich vor einigen Wochen ein heftiger Streit, welcher sich an der Teilnahme des Künstlers Axel Krause entfachte. Krause steht politisch der AfD nahe und kommuniziert seine Ansichten offensiv auf Facebook, was zu Protesten von ebenfalls teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern führte. Falls jemand eine Gedächtnisstütze braucht - die ganze Story kann man unter anderem bei Deutschlandfunk Kultur nachlesen.

Vor eigen Tagen fand nun im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig eine Podiumsdiskussion zum Thema „… das darf die Kunst – Über Freiheit, Grenzen und Tabus“ statt, zu der auch Axel Krause eingeladen war. Weitere Diskussionsteilnehmer waren Dr. Eva-Maria Stange (Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst), Dr. Uwe Neumann (Kunsthalle Rostock), Christoph Tannert (Künstlerhaus Bethanien; zur Zeit schwerer Kritik ausgesetzt wegen seiner Ausstellung ‚Milchstraßenverkehrsordnung – Space is the Place’) und Rüdiger Giebler (Maler und Grafiker, Halle). Marlen Hobrack war vor Ort und beschreibt ihre Eindrücke des Abends in einem Artikel für das Magazin Monopol.

Das feministische Kollektiv Frankfurter Hauptschule hat Goethes Gartenhaus in Weimar mit Toilettenpapier beworfen, um auf das problematische Frauenbild des Dichters hinzuweisen. Unter anderem berichtete Monopol von der Aktion.

Im Interview mit dem Portal Bento.de beschreiben anonyme Mitglieder der Gruppe ihre Beweggründe für ihren künstlerischen Angriff. Goethes Frauenbild kritisieren sie unter anderem folgendermaßen: „Die Frauenfiguren in seinen Werken wirken häufig eher schwach: ‘Faust’ ist ein gutes Beispiel. Gretchen ist 14 Jahre alt und wird eher dumm und naiv dargestellt. Faust dagegen ist der schlaue, rastlose Denker. Bei Goethe sind meist die Männer die Handelnden und die Frauen passiv.“ Sein Gedicht ‘Heidenröslein’ bezeichnen sie als „humoristische Vergewaltigungslyrik“.

Die Organisation ICOM (International Council of Museums) wird Ende der Woche darüber abstimmen, wie eine aktualisierte Definition der Institution Museum aussehen könnte. Wie Zachary Small für Hyperallergic.com berichtet, ist im Vorfeld der Abstimmung ein Streit innerhalb der Organisation entbrannt. Anlass ist der im Vorhinein veröffentlichte Vorschlag der Vorsitzenden der Kommission zur Neuformulierung der Museumsdefinition, Jette Sandahl, welcher im Artikel folgendermaßen zitiert wird: „‘Museums are democratizing, inclusive and polyphonic spaces for critical dialogue about the pasts and the futures. Acknowledging and addressing the conflicts and challenges of the present, they hold artifacts and specimens in trust for society, safeguard diverse memories for future generations and guarantee equal rights and equal access to heritage for all people.
Museums are not for profit. They are participatory and transparent, and work in active partnership with and for diverse communities to collect, preserve, research, interpret, exhibit, and enhance understandings of the world, aiming to contribute to human dignity and social justice, global equality and planetary wellbeing.‘“ Die bisherige, zu aktualisierende Definition zitiert Small folgendermaßen: „[A museum is] ‚a nonprofit institution‘ that ‚acquires, conserves, researches, communicates, and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purposes of education, study, and enjoyment.‘“ Kritiker des Vorschlags bemängelten, er sei zu ideologisch, zu politisch aufgeladen, insgesamt nicht präzise genug sowie unter juristischen Gesichtspunkten betrachtet unbrauchbar.

Zur Abwechselung möchte ich an dieser Stelle mal auf eine Pop-Kritik hinweisen. Ausgehend vom antifaschistischen #wirsindmehr Konzert, welches vor ziemlich genau einem Jahr in Chemnitz stattfand und auf dem viele Größen der deutschen Musiklandschaft auftraten, analysiert Daniel Gerhardt den Zustand der deutschen Pop-Musik. Diese befinde sich in einem Zustand totaler Harmlosigkeit und verweigere sich jeder (politischen) Haltung. In seinem auf Zeit Online veröffentlichten Text schreibt Gerhardt: „Wer heute Erfolg mit Popsongs in Deutschland haben will, muss Musik aus vergangenen Zeiten machen. Die Prototypen Helene Fischer, Mark Forster und Max Giesinger singen ihr Publikum aus einem Land an, das es gar nicht mehr gibt. Sie sind Überbleibsel der ersten Amtsjahre von Bundeskanzlerin Angela Merkel, einer vergleichsweise ruhigen Konsolidierungsphase, in der noch kaum jemand einen Gedanken an kommende Wirtschafts- und Flüchtlingskrisen verschwendete. In diesem Klima der Selbstzufriedenheit gingen der emanzipatorischen Popmusik die Themen verloren: Es wurde schwierig zu bestimmen, wogegen man sich mit Hilfe von Pop überhaupt noch auflehnen und wovon man sich befreien sollte.“ Die Musik des Dreigestirns Fischer, Forster, Giesinger sieht der Autor als Speerspitze einer unguten deutschen Selbstzufriedenheit. Er schreibt weiter: „Die popmusikalisch bespaßten Jubelmeilen während der Fußballturniere, Helene Fischer im Olympiastadion, Freiwild und Kollegah auf offener Echo-Bühne, jedes x-beliebige Rockfestival, dessen Line-up nahezu ausschließlich männlich, weiß und hetereo besetzt ist: All das sind Ausprägungen einer Popmusik, die einverstanden ist mit dem, was hierzulande den Überzeugungen der Mehrheitsgesellschaft entspricht. Der “Sommermärchen”-Patriotismus hat diese Überzeugungen seit 2006 entscheidend geprägt und sich aller vermeintlichen Unverkrampftheit zum Trotz längst als Nährboden für aggressivere Formen des Nationalismus erwiesen. Deutsche Popmusik hat in dieser Entwicklung immer wieder die Erfüllungsgehilfin gespielt.“ Trotz der Mängel des #wirsindmehr-Konzerts vor allem in Hinblick auf Diversität und Repräsentation unterrepräsentierter Gruppen könne daraus ein wichtiger Impuls für die deutsche Pop-Landschaft entstehen, so die Hoffnung des Autors.

Auch von linker Seite wird immer wieder Kritik an identitätspolitischen Strategien geübt. Nils Markwardt zerlegt in seinem Artikel für den Freitag häufig genannte Kritikpunkte, welche er etwas polemisch folgendermaßen zusammenfasst: „Der Kampf um Anerkennung durch Minderheiten sei demnach die narzisstische und gefühlsduselige Obsession einer Linken, die mit ihrem Insistieren auf gruppenspezifische Besonderheiten nicht nur ein universelles Projekt der Emanzipation verunmögliche, sondern mit seinem Tribalismus auch die demokratische Debattenkultur zerstöre.“ Ein weiterer, häufig vorgebrachter Vorwurf sei, dass „Identitätspolitik eine symbolpolitische Spiegelfechterei sei, von der Menschen sich nicht nur buchstäblich nichts kaufen könnten, sondern diese Fechterei auch noch den klassenpolitischen Kampf um Umverteilung konterkariere“.

Eine Rezension von Martin Ebel zu Sally Rooneys Debütroman „Gespräche mit Freunden“, welche Anfang August im Schweizer Tagesanzeiger erschien, hat zu einer regen Diskussion geführt. Auslöser war vor allem folgende Formulierung des Rezensenten: „Die führenden Blätter widmeten der Newcomerin ausführliche Würdigungen, illustriert mit vielversprechenden Fotos – auf dem des ‚New Yorker‘ sieht die Autorin aus wie ein aufgeschrecktes Reh mit sinnlichen Lippen – […]“ Es würde sich hier um die typische Arroganz männlicher Rezensenten gegenüber schreibenden Frauen handeln, welche viel häufiger als schreibenden Männer über ihr optisches Erscheinungsbild definiert würden, so der Tenor. Parallel zur Diskussion begannen Twitter-NutzerInnen unter dem Hashtag #dichterdran , berühmte männliche Schriftsteller auf ähnliche Weise zu beschreiben. Einige sehr gute Beispiele hat jemand auf watson.chzusammengestellt. Kleine Kostprobe: „‘Während die beeindruckende Katja Mann erfolgreich die Fabriken ihres Vaters leitete, kümmerte sich Gatte Thomas liebevoll um die Kinder. Daneben schrieb er Bücher.‘ #dichterdran“ @SimoneMeier3

„Ist nicht oft schon die Autoreninszenierung sexistisch?“ fragt Mladen Gladić in ihrem Artikel zum Thema, welcher der Freitag veröffentlicht hat. Er macht sich einige sehr interessante Gedanken zur vermeintlichen Notwendigkeit medialer Inszenierung von AutorInnen und welche Auswirkungen diese auf die Rezeption ihrer Werke hat.

Von KünstlerInnen betriebene Bars sind immer einen Artikel wert, verheißen solche Orte doch eine besonders aufregende Kombination aus Liberalität, Exzess und Kreativität. Vergleichsweise nüchtern ist ein Interview mit Calla Henkel und Max Pitegoff ausgefallen, welches Sebastian Frenzel mit den beiden für Monopol geführt hat. Henkel und Pitegoff wurden Anfang der 10er Jahre bekannt als Gründer der Times Bar in Berlin Neukölln, welche sich zum Treffpunkt einer sich neu formierenden, sehr internationalen Kunstszene entwickelte. Folgende Projekte der beiden waren der Performance-Space New Theater und die Übernahmen der Programmgestaltung des Grünen Salons in der Berliner Volksbühne. Ihr neustes Vorhaben ist die Künstlerbar „TV“ in Berlin Schöneberg, welche am vergangenen Samstag eröffnet wurde. Im Interview beschreiben Henkel und Pitegoff ihre künstlerischen Pläne. Ihren Wechsel vom Theater zurück zum Bar-Format begründen sie folgendermaßen: „Eine Bar ist einfach entspannter und weniger reglementiert als ein Theater. […] In eine Bar läufst du einfach rein.“ Im Theater seien die Produktionsmaßstäbe relativ groß; sie würden sich eher für einen Do it yourself-Ansatz interessieren.

Gerhard Richter hat drei große Fenster für das Kloster im saarländischen Tholey entworfen, wie unter anderem Monopol berichtet. Das in der Meldung wiedergegebene DPA-Interview mit Richter ist ein weiteres Beispiel für die völlig unkritische Berichterstattung, mit der Richter seit Jahren in weiten Teilen der deutschen Presse bedacht wird. Jede noch so triviale Äußerung des „bedeutendster deutscher Maler“ wird in die Öffentlichkeit getragen, als seien es die Worte des Allmächtigen höchstpersönlich. facepalm

Johannes Bendzulla

Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image, Grafik: Leon Lothschütz

Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image, Grafik: Leon Lothschütz

Festival und Symposium: Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image

Als abschließender Teil des künstlerischen Forschungsprojekts laden das Festival und Symposium vom 24.-27. November 2022 zu Vorführungen, Performances, Vorträgen und Diskussionen ein, die das Potenzial der bewegten Bilder und des (menschlichen und nicht-menschlichen) Körpers erforschen, unseren gewohnten Kurs umzukehren und die herrschende Ordnung der Dinge zu verändern.

Blick in die vollbesetzte Aula zum Semesterstart; Foto: Lukas Engelhardt

Blick in die vollbesetzte Aula zum Semesterstart; Foto: Lukas Engelhardt

Herzlich willkommen - und los geht's!

Wir freuen uns, zum Wintersemester 2022/23 viele neue Gesichter an der HFBK Hamburg begrüßen zu können. Einige Informationen und Hintergründe zu unseren neuen Professor*innen und Gastprofessor*innen stellen wir hier zusammen.

Einzelausstellung von Konstantin Grcic

Vom 29. September bis 23. Oktober 2022 zeigt Konstantin Grcic (Professor für Industriedesign) im ICAT - Institute for Contemporary Art & Transfer der HFBK Hamburg eine raumgreifende Installation aus von ihm gestalteten Objekten und bereits existierenden, neu zusammengestellten Gegenständen. Parallel wird der von ihm konzipierte Raum für Workshops, Seminare und Büro-Arbeitsplätze im AtelierHaus in Betrieb genommen.

Amna Elhassan, Tea Lady, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm

Amna Elhassan, Tea Lady, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm

Kunst und Krieg

„Jeder Künstler ist ein Mensch“. Diese so zutreffende wie existenzialistische Feststellung von Martin Kippenberger (in ironischer Umformulierung des bekannten Beuys Zitats) bringt es in vielerlei Hinsicht auf den Punkt. Zum einen erinnert sie uns daran, nicht wegzusehen, (künstlerisch) aktiv zu handeln und unsere Stimmen zu erheben. Gleichzeitig ist sie eine Ermahnung, denen zu helfen, die in Not sind. Und das sind im Moment sehr viele Menschen, unter ihnen zahlreiche Künstler*innen. Deshalb ist es für Kunstinstitutionen wichtig, nicht nur über Kunst, sondern auch über Politik zu diskutieren.

Merlin Reichert, Die Alltäglichkeit des Untergangs, Installation in der Galerie der HFBK; Foto: Tim Albrecht

Merlin Reichert, Die Alltäglichkeit des Untergangs, Installation in der Galerie der HFBK; Foto: Tim Albrecht

Graduate Show 2022: We’ve Only Just Begun

Vom 8. bis 10. Juli 2022 präsentieren mehr als 160 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2021/22 ihre Abschlussarbeiten aus allen Studienschwerpunkten. Unter dem Titel Final Cut laufen zudem alle Abschlussfilme auf großer Leinwand in der Aula der HFBK Hamburg. Parallel ist in der Galerie der HFBK im Atelierhaus die Ausstellung der sudanesischen Gastlektorin Amna Elhassan zu sehen.

Grafik: Nele Willert, Dennise Salinas

Grafik: Nele Willert, Dennise Salinas

Der Juni lockt mit Kunst und Theorie

So viel Programm war schon lange nicht mehr: Ein dreitägiger Kongress zur Visualität des Internets bringt internationale Webdesigner*innen zusammen; das Forscher*innenkollektiv freethought diskutiert über die Rolle von Infrastrukturen und das Symposium zum Abschied der Professorin Michaela Ott greift zentrale Fragen ihrer Forschungstätigkeit auf.

Renée Green. ED/HF, 2017. Film still. Courtesy of the artist, Free Agent Media, Bortolami Gallery, New York, and Galerie Nagel Draxler, Berlin/Cologne/Munich.

Renée Green. ED/HF, 2017. Film still. Courtesy of the artist, Free Agent Media, Bortolami Gallery, New York, and Galerie Nagel Draxler, Berlin/Cologne/Munich.

Finkenwerder Kunstpreis 2022

Der 1999 vom Kulturkreis Finkenwerder e.V. initiierte Finkenwerder Kunstpreis hat eine Neuausrichtung erfahren: Als neuer Partner erweitert die HFBK Hamburg den Preis um den Aspekt der künstlerischen Nachwuchsförderung und richtet ab 2022 die Ausstellung der Prämierten in der HFBK Galerie aus. Mit dem diesjährigen Finkenwerder Kunstpreis wird die US-amerikanische Künstlein Renée Green ausgezeichnet. Die HFBK-Absolventin Frieda Toranzo Jaeger erhält den Finkenwerder Förderpreis der HFBK Hamburg.

Amanda F. Koch-Nielsen, Motherslugger; Foto: Lukas Engelhardt

Amanda F. Koch-Nielsen, Motherslugger; Foto: Lukas Engelhardt

Nachhaltigkeit im Kontext von Kunst und Kunsthochschule

Im Bewusstsein einer ausstehenden fundamentalen gesellschaftlichen Transformation und der nicht unwesentlichen Schrittmacherfunktion, die einem Ort der künstlerischen Forschung und Produktion hierbei womöglich zukommt, hat sich die HFBK Hamburg auf den Weg gemacht, das Thema strategisch wie konkret pragmatisch für die Hochschule zu entwickeln. Denn wer, wenn nicht die Künstler*innen sind in ihrer täglichen Arbeit damit befasst, das Gegebene zu hinterfragen, genau hinzuschauen, neue Möglichkeiten, wie die Welt sein könnte, zu erkennen und durchzuspielen, einem anderen Wissen Gestalt zu geben

Atelier-Neubau in der Häuserflucht am Lerchenfeld

Atelier-Neubau in der Häuserflucht am Lerchenfeld, im Hintergrund der Bau von Fritz Schumacher; Foto: Tim Albrecht

Raum für die Kunst

Nach mehr als 40 Jahren intensiven Bemühens wird für die HFBK Hamburg ein lang gehegter Traum Wirklichkeit. Mit dem neu eröffneten Ateliergebäude erhalten die Studienschwerpunkte Malerei/Zeichnen, Bildhauerei und Zeitbezogene Medien endlich die dringend benötigten Atelierräume für Master-Studierende. Es braucht einfach Raum für eigene Ideen, zum Denken, für Kunstproduktion, Ausstellungen und als Depot.

Martha Szymkowiak / Emilia Bongilaj, Installation “Mmh”; Foto: Tim Albrecht

Martha Szymkowiak / Emilia Bongilaj, Installation “Mmh”; Foto: Tim Albrecht

Jahresausstellung 2022 an der HFBK Hamburg

Nach der digitalen Ausgabe im letzten Jahr, findet die Jahresausstellung 2022 an der HFBK Hamburg wieder mit Publikum statt. Vom 11.-13. Februar präsentieren die Studierenden aus allen Studienschwerpunkten ihre künstlerischen Arbeiten im Gebäude am Lerchenfeld, in der Wartenau 15 und im neu eröffneten Atelierhaus.

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Wer spricht? Wer malt welches Motiv? Wer wird gezeigt, wer nicht? Identitätspolitische Fragen spielen in der Kunst und damit auch an der HFBK Hamburg eine wichtige Rolle. Das hochschuleigene Lerchenfeld-Magazin beleuchtet in der aktuellen Ausgabe Hochschulstrukturen sowie Studierendeninitiativen, die sich mit Diversität und Identität befassen.

Grafik: Tim Ballaschke

Grafik: Tim Ballaschke

Semesterstart

Nach drei Semestern Hybrid-Lehre unter Pandemiebedingungen steht nun endlich wieder ein Präsenz-Semester bevor. Wir begrüßen alle neuen Studierenden und Lehrenden an der HFBK Hamburg und laden herzlich zur Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 ein, die in diesem Jahr von einem Gastvortrag von ruangrupa begleitet wird.

Foto: Klaus Frahm

Foto: Klaus Frahm

Summer Break

Die HFBK Hamburg befindet sich in der vorlesungsfreien Zeit, viele Studierende und Lehrende sind im Sommerurlaub, Kunstinstitutionen haben Sommerpause. Eine gute Gelegenheit zum vielfältigen Nach-Lesen und -Sehen:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?