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Die Tresen-Kolumne: Courier

Seit ein paar Tagen plagt mich ein Reizhusten. Das ist oft so, als letzte Erscheinungsform einer Erkältung. Der Rest ist wieder gut, nur der Husten ist noch da. Heute Abend will ich in meine alte Bar, einen Courier trinken. N. sagt, ich soll davor meinen Husten unterdrücken, man hört dieser Tage Geschichten aus anderen Städten, wo hustende oder niesende Leute in Zwangsquarantäne gestellt werden, wenn sie in der Öffentlichkeit auffallen. Es ist eine nervöse Grundstimmung draußen, auf Instagram sieht man nur leer-gekaufte Regale, Prepperzeit, während das vor kurzem von vielen meiner Freund_innen noch gefeierte Europa an der griechischen Grenze auf Menschen schießt. Man könnte fast denken, das Virus sei die psychosomatische Reaktion einer Gesellschaft, deren moralischer Weltgestus sich nie in, für andere, leid-lindernde Handlungen kulminiert hat. Ich glaube, die Bar ist gerade der sicherste Ort, denn da husten eh immer alle. Ein guter Platz um die Zeit zu überstehen, sich mit Freund_innen dort Geschichten zu erzählen, die woanders spielen als in der Bar, in einer anderen Zeit als heute, während draußen aufgebrachte Menschen in blauen Europa-Pullis literweise Sterilium in ihre Vorratskammern transportieren: Eine Art Souterrain-Dekameron, bis wir wieder nach Hause können, dort weiter husten.

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