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3 Notizen zu Alex Wissel in der Galerie Conradi


1 Vom Flutschfinger über die Rauhfasertapete bis zu Fussball-Fandevotionalien, von GEZ-Rechnungen über das Grundgesetz bis hin zum Kotzbecken an der Wand: Es ist ein schwarz-rot-goldenes Pottpourri, das Alex Wissel für seine aktuelle Schau in der Galerie Conradi in Zeichnung und Installation verarbeitet hat. Ein Panorama vermeintlich deutscher "Identität" - ausgehend von der Imagekampagne "Land der Ideen", die im Jahr 2005 Deutschsein wieder cool machen wollte, während gleichzeitig der NSU mordete.

2 Vom Fussball-Flaggenmeer zur Pegida ist der Weg nicht weit - so scheint der Subtext der Schau auf den ersten Blick zu lauten. Wissel konzentriert sich allerdings weniger auf die politische, sondern mehr auf die kommerzielle Seite dieser Kampagne. Denn vor allem ging es bei "Land der Ideen" ums Geschäft, um Standortvorteile, um Produkte "Made in Germany". Gut zu beobachten ist die enge Verschränkung von Patriotismus und Kommerz etwa an Otto von Bismarck, den Wissel in Form einer Büste ins Zentrum seiner Schau stellt: So sehr ist der ehemalige Reichskanzler zum Inbegriff der vermeintlich guten alten Zeit des Kaiserreichs geworden, dass er nun zum Werbeträger für Bismarck-Hering, Bismarck-Wasser oder Bismarck-Kümmel herhalten kann. Geschichte, Tradition, Identität verkauft sich einfach gut.

3 Das passt natürlich hervorragend nach Hamburg, wo man ja bekanntlich gerade nicht weiß, was man mit der gigantischen Statue des eisernen Kanzlers machen soll, die 1906 aufgestellt wurde und heute im Hinblick auf seine imperialistische Politik nicht mehr zum offiziellen Selbstbild der Stadt passen will. Stürzen, umgestalten, mit Zusatztafeln versehen? Wissel umgibt seinen Bismarck in der Schau einfach mit nach ihm benannten Lebensmitteln, anstatt ihn zu stürzen oder auf seine Misstaten hinzuweisen - und zeigt ihn damit als das inhaltsleere Werbemaskottchen, zu dem er geworden ist. Könnte man der großen Statue über dem Hafen nicht auch die Brisanz nehmen, indem man sie zur Werbefigur macht? Vielleicht ja für einen Heringstand im Sockel!

Alex Wissel, Land der Ideen, noch bis 5. Dezember 2020 in der Galerie Conradi, Hamburg

https://rhizome.hfbk.net/p/286514


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Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?

Jahresausstellung 2020 an der HFBK Hamburg

Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.