Symposiumsbericht: Situated in Translation
Durch die Annahme, dass Kulturen immer schon durch fortlaufende und
reziproke Übersetzungsverhältnisse hervorgebracht werden, sind herkömmliche
Theorien der Übersetzung und des Rahmens herausgefordert. Damit beschäftigt
sich der interdisziplinäre Forschungsverbund Übersetzen und Rahmen – Praktiken medialer Transformation, der von
der Universität Hamburg und der HFBK Hamburg gebildet wird. An der HFBK leiten
Michaela Ott (Professorin für Ästhetische Theorien) und Friedrich von Borries
(Professor für Designtheorie) je eines der der sieben Teilprojekte. Für die
internationale Jahrestagung Situated in
Translation: Global Media and Cultural Practices, die vom 18. bis 20. Mai
2017 an der HFBK Hamburg stattfand, lud jedes Teilprojekt zwei Vortragende ein,
aus ihrem Forschungszweig zu den Fragen nach der Situiertheit von Übersetzungen
zu sprechen. Auf Einladung von Michaela Ott legte der Philosophieprofessor Souleymane Diagne Bachir seine Überlegungen
dar, inwiefern die Annahme eines lateralen Universalismus Übersetzungen
provoziere. Er plädiert im Anschluss an Maurice Merleau-Ponty für die Annahme
lateraler Universalismen, die im relationalen Verhältnis der Kulturen verortet
werden und damit ein transkulturelles Übersetzen ermöglichen, bei dem von jeder
Position aus gesprochen werden kann. Diagne Bachir spricht hier auch von einer
Co-Präsenz der unterschiedlichen Perspektiven statt eines alles durchdringenden
Blickes von oben und betont nachdrücklich das Anrecht auf Opazität und
Unübersetzbarkeit.Friedrich von Borries hatte mit den Brasilianischen Design-Forscher*innen Luiza
Prado und Pedro Oliveira zwei Vertreter*innen der Postcolonial Design Group für
den Abschlussvortrag eingeladen. Da es in der Designtheorie erst wenige
Reflexionen zu globalen Ungleichheitsverhältnissen und deren Einflüssen in und
auf Designprozesse gibt, haben sich acht junge Designer*innen aus dem globalen
Süden als Kollektiv zusammengeschlossen, um postkoloniale Theorien in die
Designforschung einzubringen.
(Sophie Lembcke)
18.–20. Mai 2017 Situated
in Translation: Global Media and Cultural Practices. Jahrestagung des
Interdisziplinären Forschungsverbunds „Übersetzen und Rahmen. Praktiken
medialer Transformationen“ | Mit Beiträgen von Gabriele Klein, Astrid Böger,
Michaela Ott, Thomas Weber, William Uricchio, Elisabeth El Refaie & Birgit
Weyhe, Tobias Ebbrecht-Hartmann, Deniz Göktürk, Jannis Androutsopoulos &
Jessica Weidenhöffer, Julia Lajta-Novak, Encarnación Gutiérrez Rodríguez,
Souleymane Bachir Diagne, Kader Attia, Martin Jörg Schäfer, Ramsay Burt,
Decolonising Design Group | HFBK Hamburg, Aula
Website der Uni Hamburg
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