de en

Pia Stadtbäumer

Pia Stadtbäumer, Professorin für Bildhauerei

Pia Stadtbäumer fasste in den 1980er Jahren während ihres Studiums den Entschluss, die künstlerische Arbeit an etwas jedem Gegebenes, nämlich den menschlichen Körper zu binden und nicht etwa an abstrakte Formen, an Objekte oder Ideen. Die Postmoderne hatte die Möglichkeit figurativer Skulptur in deutlicher Abgrenzung zu den vorausgehenden Neoavantgarden erneut auf den Plan gestellt. Man denke nur an etwas ältere Künstler wie Stefan Balkenhol, Katharina Fritsch, Juan Muñoz, Charles Ray oder Thomas Schütte. Der Künstlerin ging es jedoch weder um einen einfachen Wiederanschluss an die klassisch-naturalistische Tradition noch um ein in der Zeit so beliebtes Modell wie den Neoexpressionismus. Die ersten, etwas unter lebensgroßen Figuren zeigen daher auch eine beruhigte, durchaus realistisch gestaltet Körperlichkeit, die allerdings durch teilweise ungewohnte Materialen, besonders aber durch die Positionen der Figuren im Raum irritiert wird. Eine Frauenfigur ‚liegt’ kopfüber unter und nicht auf einer Konsole, aufrechte Figuren ‚stehen’ in der Ecke auf dem Kopf, schlafende Kinder ‚ruhen’ an der Decke des Raumes. Auch wenn die Körper vertraut scheinen, sie halten sich in einer eigentümlichen Schwebe zwischen Einfühlung und Autonomie. Vor-moderne Methoden mischen sich mit modernistischen.

Schon bald gehen die Irritationen jedoch weiter und greifen in die Körperlichkeit selbst ein. Fragmente erscheinen in Form überlebensgroßer, hängender Arme, fragil im Raum stehende Figuren entpuppen sich unspektakulär als Hermaphroditen, portraitartige Köpfe erhalten mechanisch anmutende ‚Verletzungen’. In den 1990er Jahren weitet sich dann das Interesse zum Symbolischen, zum Phantastischen, zum Barocken. Das sind allerdings nur umgangssprachliche Vokabeln für eine weit komplexere künstlerische Haltung. Wenn Kinderfiguren durch Hinzufügung von merkwürdigen Gegenständen zu Wesen jenseits einer friedlichen Kinderwelt mutieren, ergeben sich rätselhaft-bedrohliche Bilder der Unbändigkeit und verborgenen Autonomie dieser Menschen. Der Cowboyjunge auf seinem mit Einkaufstüten beladenen Pferd am Rande der großen Stadt scheint als absurdes Monument einer realen Jugendexistenz in der Konsumgesellschaft durch die Schöne Neue Welt zu reiten. Und wenn sich später in galanten Szenen und rokokohafter Liebe zum sinnlichen Detail ein historischer Eskapismus mit Figuren und Typen der Gegenwart mischt, ist das weniger eine Stilanleihe, sondern der Versuch, einer zeittypischen Selbstverliebtheit nachzugehen.

Der menschliche Körper, die traditionellen Bildhauertechniken, gepaart mit einer Erfindungslust, die keine Tabus kennt, sind im Laufe von Pia Stadtbäumers Arbeit zu einem komplexen Instrumentarium geworden, um sich mit der conditio humana der Jetztzeit auseinanderzusetzen. Rief eine Ausstellung in den 1990er Jahren vorschnell ein Zeitalter des „Post Human“ aus, dann zeigt ihre Arbeit, dass weit verwickeltere, weniger eindeutige und dennoch mit dem konkreten Körper verbundene Menschenbilder möglich sind.

Julian Heynen

(Aus: Die Bildhauer. Kunstakademie Düsseldorf 1945 bis heute. Ausst.-Kat. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2013, S. 262)

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Künstlerin: Iris Hamers "Two pink paintings facing each other"; Foto: Tim Albrecht

Kunst trotz(t) Corona: Graduate Show 2020

Mit einer zweimonatigen Verspätung fand die Graduate Show – ehemals Absolventenausstellung – in diesem Jahr am 19. und 20. September statt. Mehr als 140 Studierende zeigten ihre künstlerischen Abschlussarbeiten.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?