Die neue string figures-Kolumne: Der ewige Klassiker
— Hey Jenny. Hab mitbekommen dass du Fotografin bist. Wenn du magst, kannst du gerne am Drehtag Fotos machen, natürlich dann Fotos, auf die du Rechte hast. Viele Grüße I. — Hallo liebe I., danke für deine Mail. Wieviel Budget hättet ihr denn dafür? Ganz liebe Grüße, Jenny — Wir dachten du fotografierst und hast dafür die Bildrechte —
Ich habe mich dagegen entschieden, ihr eine lange Mail zu schreiben. Ich stelle mir vor, dass ich jemanden frage „Hab mitbekommen, dass du Ärztin bist. Wenn du magst kannst du mich gern am besagten Tag untersuchen, natürlich dann in deiner Praxis.“ „Hab mitbekommen dass du Taxifahrerin bist. Wenn du magst, kannst du gern am Drehtag fahren, natürlich dann in deinem Auto.“ „Hab mitbekommen, dass du Kindergärtnerin bist. Wenn du magst, kannst du gern am Drehtag Kinderhüten, natürlich dann mit deinem Konzept.“ „Hab mitbekommen, dass du Wissenschaftlerin bist. Wenn du magst, kannst du gern am Drehtag forschen, natürlich dann unter deinem Namen.“ „Hab mitbekommen, dass du Autorin bist. Wenn du magst, kannst du gern am Drehtag einen Text schreiben, natürlich hast du die Rechte am Text.“ „Hab mitbekommen dass du Fotografin bist. Wenn du magst, kannst du gerne am Drehtag Fotos machen, natürlich dann Fotos auf die du Rechte hast.“ „Hab mitbekommen, dass du berufstätig bist. Wenn du magst, kannst du gerne am Drehtag für uns arbeiten, natürlich kostenlos aber du darfst unsere Arbeit dokumentieren und sagen, dass du das gemacht hast.“
Irgendwie fällt mir dazu nichts mehr ein, außer die Frage, warum ich seit Jahren die Frage gestellt bekomme, ob ich kostenlos für Menschen arbeiten möchte, die ich nicht kenne. Ich könnte nun einen längeren Text schreiben über das Leben und Sterben meiner Auftragslage, stattdessen fallen mir eigentlich nur Beispiele ein, die bestätigen, dass meine Karriere als Auftragsfotografin in der Musik- und Kulturszene schon zu Beginn zum Sterben verurteilt war.
Erster großer Job: Band für Universal. Knebelvertrag oder Job weg. Knebelvertrag. Das Album war dann aber ein Flop. SRY. Viele tolle Jobs mit Indiebands, kleinen Labels und Coverfotos. Die Ausrede für mich und die, dass ich ja noch studiere. 450 €, 800 €, 200 €. Ja, ok. Noch einmal. Letztes Mal. Fürs Portfolio. Eine andere merkwürdige Erinnerung: ich werde für Bandfotos angefragt. Ich nenne einen Preis, der wirklich mehr als ok ist. Die Band sagt, sie hat von anderen Fotografen günstigere Angebote. Ich antworte nicht mehr und frage mich, warum sie nicht gleich bei ebay Kleinanzeigen gucken. Ich kaufte mir die SPEX in der Lady Gaga von Wolfgang Tillmans fotografiert wurde. Die Bilder sind wunderschön. Alle Magazine drucken immer mehr die Pressefotos der Bands. Weniger Aufträge. Magazine sterben, Intro, Neon, Spex, … alle tot. Nur noch der Musik Express ist da, aber dessen Frauenquote liegt bei -12. Kein Wunder, ist eh von Springer und seit die Bildredakteurin gegen Peter Kaaden ausgetauscht wurde, der fotografiert die Girls lieber unbekleidet als sie bekleidet fotografieren zu lassen. Höre, dass meine male Kollegen, die im gleichen Boot sitzen, doppelt so viel verdienen mit ihren Jobs. Auch hier ein ewiger Klassiker? Muss ich mehr dicken Sack machen? Muss ich mehr feiern gehen, saufen, koksen, Präsens zeigen, Smalltalk machen?
Mein Traum, dass ich meine Kunst mit Musikfotografie unterhalten kann siecht dahin. Ich fotografiere die wunderbare Musikerin Ilgen-Nur. Das Bild ist perfekt. Es müsste das erträumte SPEX Cover werden, aber sie sagt treffend: „Scheiße, die SPEX ist nicht mehr, kann ich gar nicht mehr meinen Traum erfüllen aufs SPEX Cover zu kommen.“ WORD. — Spaziere mit A. durch die Schanze. Wir essen im indischen Imbiss. Ich freue mich, dass auch er die eingelegten Pickles mag, hat auch schonmal die aus dem Glas gekauft. Wir reden über Musik, er erzählt mir, wie schon immer, all sein Wissen über die Musikgeschichte, schimpft über Wanda, ich gestehe, dass ich Wanda manchmal mag und ich freue mich über seinen Input. Ich klage mein Leid und er schleppt mich in seinen geliebten Plattenladen, Bandfotos, die ihm hängen geblieben sind, die auch bei mir wieder meine kleine Flamme entfachen.
Programm zum Jahresbeginn
In Zukunft schreiben
Neues Semester, neue Gesichter: Willkommen an der HFBK Hamburg
Bald geht's los – Semesterstart 2025/26
Promovieren an der HFBK Hamburg
Being(s)
Graduate Show 2025: Don't stop me now
Cine*Ami*es
Redesign Democracy – Wettbewerb zur Wahlurne der demokratischen Zukunft
Kunst im öffentlichen Raum
How to apply: Studium an der HFBK Hamburg
Jahresausstellung 2025 an der HFBK Hamburg
Der Elefant im Raum – Skulptur heute
Hiscox Kunstpreis 2024
Die Neue Frau
Graduate Show 2024 - Letting Go
Finkenwerder Kunstpreis 2024
Archives of the Body - The Body in Archiving
Neue Partnerschaft mit der School of Arts der University of Haifa
Jahresausstellung 2024 an der HFBK Hamburg
(Ex)Changes of / in Art
Extended Libraries
And Still I Rise
Let's talk about language
Graduate Show 2023: Unfinished Business
Let`s work together
Jahresausstellung 2023 an der HFBK Hamburg
Symposium: Kontroverse documenta fifteen
Festival und Symposium: Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image
Einzelausstellung von Konstantin Grcic
Kunst und Krieg
Graduate Show 2022: We’ve Only Just Begun
Der Juni lockt mit Kunst und Theorie
Finkenwerder Kunstpreis 2022
Nachhaltigkeit im Kontext von Kunst und Kunsthochschule
Raum für die Kunst
Jahresausstellung 2022 an der HFBK Hamburg
Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments
Diversity
Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021
Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen
Schule der Folgenlosigkeit
Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg
Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020
Digitale Lehre an der HFBK
Absolvent*innenstudie der HFBK
Wie politisch ist Social Design?