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Ausflug

Der Himmel ist fast nicht mehr blau, so heiß ist es. Ich überrede ihn zu einem Ausflug. Er kommt tropfend aus dem hellblauen Pool. Seine leuchtend orangenen Schwimmflügel tragen ihn über die heißen Steinplatten. An den Füßen sitzen dunkelblau - türkis gefärbte Strandschuhe mit Noppen an der Sohle aus dem Lidl. Ein UV - Badeset bedeckt seinen Oberkörper und seine Beine. Eine Meerjungfrau ist auf das Oberteil gedruckt, die Hose ist mit vielen Hai - Fotografien gemustert. Auf dem Kopf ein Sonnenhut. Das Wasser trocknet schnell auf seiner Haut. Ich schlage ihm vor, dass wir einen Fotoausflug machen. „Jaaa. Ich will auch eine Kamera.“ Ein rotes Spielzeugauto, VW Beatle, fungiert als seine Kamera. Ich habe einen gelben Bikini an, meine Haut ist weiß und ein wenig schmierig von der Sonnencreme. Auf meinen Fußnägeln blättert der rote Nagellack ab. Meine weißen, langen Haare sind strähnig und tropfen auch noch. Ich vergesse, mir ein T-Shirt überzuziehen und fühle mich die ganze Zeit ein bisschen zu nackt. Meine Kamera flappt bei jedem Schritt an meinen Bauch und ich frage mich, ob die Sonnencreme und mein Schweiß schädlich für meine Kamerarückseite sind. Er lacht und schaut aufmerksam, was ich tue. Ich fotografiere die Häuser. Es sind etwa 32 Doppelstockhäuser mit je sechs oder acht Zimmern. Sie sehen irgendwie schön aus, ganz schlicht, sandig rot und gelb. Auf dem Boden sind Fliesen auf deren Rückseite „Made in Egypt“ steht. Auf der Vorderseite sieht man die gedruckten Muster von Kieselsteinen. Viele Fliesen sind zerbrochen. Die Wege umsäumen englischen Rasen. Er ist seht kurz, frisch und grün mit einigen trockenen Stellen. Vereinzelt sieht man Palmen, blühende Bäume, ein Bananenstrauch, an dem Übergang zwischen Rasen und Weg wuchern kleine Pflanzen unter denen sich kleine Vögel Schatten suchen. Sie sehen ein bisschen aus wie Spatzen, aber verhalten sich nicht so. Wenn man daran vorbei geht, laufen sie aufgeregt hin und her und verstecken sich dann wieder. Auf einem Balkon sehe ich eine Dynamo Dresden Flagge.

(Ich kann mir vorstellen, wem sie gehört. Ein junger Typ, ich schätze ihn auf 16 Jahre, fiel mir schon auf. Ultra. Fighter 44. Totalitär in Dynamo Dresden Fanmode gekleidet. Sein Kopf sitzt tiefer als seine Schultern und am Abend telefoniert er immer mit irgendwem. Ich mag ihn irgendwie. Auch seine Familie. Sie sehen aus, als hätten sie es nie leicht gehabt. Vater und Mutter tragen die Haare sehr kurz, Vater trägt viele alte Tattoos und hat ein müdes, faltiges Gesicht. Mutter schaut irgendwie wütend. Vielleicht sind es gar nicht seine Eltern. Ich glaube aber doch. Jedenfalls grüße ich sie jeden Tag und habe Ultra. Fighter 44 auch mal angesprochen. Mein Sohn sollte immer wenn wir ihn sehen FCM (FC Magdeburg) singen. War witzig. Und mit jedem Grüßen konnte ich spüren, wie das Vertrauen zwischen uns gewachsen ist. Das Lächeln wurde immer breiter. Am letzten Tag sprachen wir über den Flug. Gute Heimreise.)

Auf einem anderen Balkon hängt eine BVB Flagge. Finde ich auch gut, mag ja den BVB. Wir gehen weiter zu den Shops. Da ist eine Shisha Bar. Noch zu. Auf dem Dach des Zeltes hievt ein Mitarbeiter die Stoffe hoch um das Zelt zu öffnen. Nebenan stehen die Quads. Er will sie ansehen. Er darf sich raufsetzen. Will nicht. Ok. Ich gehe mit ihm zwischen dem Quadzelt und dem Kräuterzelt durch den Ausgang. Ein Mann sitzt auf einem Plastikstuhl und lächelt freundlich. Wir unterhalten uns nicht weiter, aber er macht Faxen mit L. Ich schaue und gehe ein Stück. In die Wüste. Die arabische Wüste. Sand, Hitze, Steine. Mal ein Auto. Mal ein Mensch. Gestrüpp. Links sehe ich das rote Meer. Es ist natürlich blau. Ein Jogger kommt aus der Ferne. Ganz klein sieht er aus zwischen Meer und Wüste. Er kommt angerannt und zeigt dem Mann im Plastikstuhl sein Bändchen. „Magic?“ fragt er? „Magic!“ sagt er. Magic Tulip heißt das Hotel. Ich muss lachen. In jedem Fall magic! Ich fotografiere die Landschaft, den Übergang zwischen Wüste und Hotel. Und finde es irgendwie gar nicht so schlimm, wie ich dachte, dass ich es finden würde. Ich kann plötzlich nachvollziehen, dass Menschen sich hier etwas hin bauen um Urlaub zu machen. Komm! sage ich zu L., schau, darüber wollen wir. Er schwebt mit seinen Flügeln zu mir. Wir schauen noch in den Souvenirshop rein. Traumfänger, Nazar-Amulette, Handytaschen mit Hieroglyphen, Magnete und Skarabäen kann ich sehen. Noch viel mehr. Ich bin erschöpft, habe Durst. „Komm weiter“ sage ich zu L. Er schaut nochmal durch seinen roten VW Beatle und macht ein Foto. Wir laufen am Strand entlang. Es ist Ebbe. Das Wasser hat sich weit zurück gezogen. Mit jedem Schritt huschen hunderte Winkerkrabben in ihre kleinen Löcher zurück. Ich denke an die Parallelwelt, die sich hier im Meer verbirgt. Ich bin verliebt in das was ich unter Wasser gesehen habe. Bin seitdem irgendwie abwesend.

Wir schlendern weiter. Plötzlich kommt uns ein weißer Schimmel entgegen. Ich muss an N. denken, an ihr Castle und wie sie neulich sagte, dass sie nur Sportarten mag, die versnobt sind. Ich muss lachen und finde, dass die Situation hier sehr viel mit ihrem Castle zu tun hat. L. und ich laufen hinter dem Schimmel her. Ein schönes Pferd. Ganz schlank und groß. Ein junger Mann auf einem braunen Araber holt das weiße Pferd ein, führt es raus aus der Anlage. Irgendwohin wohin ich grade nicht denken kann. Am Strand entdeckt L. eine schwarze alte Gondel. Das Boot ist schon arg abgenutzt. An den Seiten sind je eine schwarze Pferdefigur. L. setzt sich rein. Ich erzähle ihm, dass es ein altes Piratenschiff sei. Er staunt und fühlt sich ein. Ich fühle mich auch ein bisschen ein.

Die Hitze hat nachgelassen. Die Sonne beginnt mit ihrem Untergang. Ein Motorengeräusch. Viel Rauch. Ich will wissen woher das kommt. L. und ich rennen auf den Rauch zu. L. ist schneller. Ich sehe ihn mit seinen Schwimmflügeln auf den Rauch zurennen. Ein kleiner Mensch am Strand vor riesigen Rauchschwaden, im Hintergrund die arabische Wüste, die untergehende Sonne, in der Ferne höre ich laute Musik. Ich verstehe das alles nicht.

In einem Interview mit Kjersti A. Skomsvold lese ich „Es geht doch darum, etwas Unbekanntes freizulegen. Etwas Unvorstellbares, oder etwas, das man nicht versteht. Dass es mein Leben ist, meine Erfahrungen, die dem Stoff zunächst zugrunde liegen, macht das alles nicht minder mystisch oder unheimlich.“ (Interview mit Kjersti A. Skomsvold im Weekendavisen (Dänemark), 5. April 2019)

Am Abend höre ich, wie sie irgendwo „Atemlos durch die Nacht“ spielen.
Ich schäme mich. Glaube ich.

„Scham ist ein Gefühl der Verlegenheit oder der Bloßstellung, das durch Verletzung der Intimsphäre auftreten kann oder auf dem Bewusstsein beruhen kann, durch unehrenhafte, unanständige oder erfolglose Handlungen sozialen Erwartungen oder Normen nicht entsprochen zu haben. Stolz wird als entgegengesetzter Pol zur Scham gesehen.[1]“ Wikipedia

"Es gilt nicht, wenn ich mich nicht selbst aufs Spiel setze. Ich muss auf unsicheren Grund, […].“ schreibt Skomsvold.

Das gefällt mir. Unsicherer Grund!

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V.

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Wer spricht? Wer malt welches Motiv? Wer wird gezeigt, wer nicht? Identitätspolitische Fragen spielen in der Kunst und damit auch an der HFBK Hamburg eine wichtige Rolle. Das hochschuleigene Lerchenfeld-Magazin beleuchtet in der aktuellen Ausgabe Hochschulstrukturen sowie Studierendeninitiativen, die sich mit Diversität und Identität befassen.

Grafik: Tim Ballaschke

Semesterstart

Nach drei Semestern Hybrid-Lehre unter Pandemiebedingungen steht nun endlich wieder ein Präsenz-Semester bevor. Wir begrüßen alle neuen Studierenden und Lehrenden an der HFBK Hamburg und laden herzlich zur Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 ein, die in diesem Jahr von einem Gastvortrag von ruangrupa begleitet wird.

Grafik: Sam Kim, Bild im Hintergrund: Sofia Mascate, Foto: Marie-Theres Böhmker

Graduate Show 2021: All Good Things Come to an End

Vom 24. bis 26. September präsentierten die mehr als 150 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2020/21 ihre Abschlussarbeiten im Rahmen der Graduate Show in der HFBK Hamburg. Wir bedanken uns bei allen Besucher*innen und Beteiligten.

Foto: Klaus Frahm

Summer Break

Die HFBK Hamburg befindet sich in der vorlesungsfreien Zeit, viele Studierende und Lehrende sind im Sommerurlaub, Kunstinstitutionen haben Sommerpause. Eine gute Gelegenheit zum vielfältigen Nach-Lesen und -Sehen:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?