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Die Tresen-Kolumne: Portwein machen

Im Spiegel warnte, oder drohte, je nach Perspektive, der FDP Politiker Marco Buschmann vor einer Radikalisierung der Mitte. Ziel dieser Ausführung war eine abgespeckte Version von dem, was Trump und andere radikal-marktlibertäre Kräfte schon seit zwei Wochen fordern: Die Wiederaufnahme der normalen Arbeit und die Inkaufnahme von sogenannten Opfern (d.h. die Inkaufnahme, dass manche Leute deshalb sterben), um den Zusammenbruch der Wirtschaft zu vermeiden. Und somit, so Buschmann, auch die Radikalisierung der Mitte. Eine Radikalisierung der Agent_innen des bleiernen Konsens. In Deutschland heißt eine Radikalisierung der Mitte, ein Umkippen in Richtung chauvinistischer und autoritärer Lösungen (die ja eh nie ganz weg waren). Dieses massenhafte Umkippen ist schon einmal im deutschen Faschismus kulminiert. Alle Requisiten und Statist_innen sind da, für ein Reenactment der 30er Jahre. In Zeiten einer viralen Pandemie ist es wirklich sinnvoll und solidarisch, körperlichen Kontakt zu anderen zu vermeiden. Es geht nicht darum, jetzt darauf zu pochen, die eigene persönliche Freiheit, die sich im Freitagabend-Dinner mit den Freund_innen veräußert, schnellstmöglich gegen Widerstände wieder herzustellen. Es geht darum, genau zu verfolgen, mit welchen Lösungen gerade die Pandemie bekämpft wird und mit welchen Lösungen ein neuer Status Quo etabliert wird, der sich dann auch ohne Krise weiterschreibt. Österreich hat sich in solchen Zeiten oft als Fenster in die deutsche Zukunft bewährt. Was dort gemacht wird, kommt zwei Wochen später in Deutschland an. In Österreich kontrolliert das Militär die Papiere der Stadtbewohner_innen, um Ausgangssperren durchzusetzen und imaginierte Plünderungen zu verhindern. Wie N. neulich analysierte, ist die Sprache der deutschen Behörden und ihrer Minister_innen eine anderer. Hier scheut man sich noch davor, das autoritäre Gewese in die entsprechende Sprache zu gießen. Noch ist es der passiv-aggressive Duktus einer anti-autoritären Erziehung, oder, wie N. sagt, die Regierung redet wie ein abusive Boyfriend. Man wolle ja nur das Beste, und es sei aber an uns, das auch zu wollen. Alle sollen selbst entscheiden, wie sie ihre persönliche Freiheit einschränken und Verantwortung übernehmen. Enttäuscht sei man dann halt, wenn das so nicht klappt und man doch zu Sanktionen greifen müsse. Bei der Herstellung von Portwein unterbricht man die Gärung der Trauben, und somit die Umwandlung von Zucker in Alkohol, durch die Zugabe von Weinbrand. Heraus kommt ein hochprozentiger aber süßer und haltbarer Wein. Die Gärung der ökonomischen Verhältnisse unterbricht man durch die Zugabe von autoritären Notstandsgesetzen. Heraus kommt eine antagonistische und haltbare Gesellschaft.

https://rhizome.hfbk.net/p/245476


Kunst trotz(t) Corona: Graduate Show 2020

Mit einer zweimonatigen Verspätung findet die Graduate Show – ehemals Absolventenausstellung – in diesem Jahr am 19. und 20. September statt. Mehr als 140 Studierende zeigen ihre künstlerischen Abschlussarbeiten. Von 10 - 20 Uhr sind Besucher*innen herzlich eingeladen, sich in der HFBK die zahlreichen Arbeiten anzusehen. Für Ihre Gesundheit an diesem Wochenende sorgt ein extra entwickeltes Corona-Konzept. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Aktuelle Beiträge auf rhizome.hfbk.net

rhizome.hfbk.net ist das soziale Netzwerk der HFBK. Es eröffnet ein digitales Forum für Austausch und Diskussion, in dem Studierende, Lehrende, Gastautor*innen, Kunstkritiker*innen und die interessierte Öffentlichkeit für ein breites Spektrum an Inhalten und Sichtweisen sorgen. Hier finden sich Ausstellungsbesprechungen, eine regelmäßige Kunstpresseschau, literarische Texte sowie Berichte von Vorträgen und Symposien.

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?

Jahresausstellung 2020 an der HFBK Hamburg

Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.