de en

Die Tresen-Kolumne: Landmarken

Landmarken

Die deutsche Bahn ist anscheinend für viele Menschen (wahrscheinlich eher männlich und eher weiß) eine Art Metapher für eine Vergangenheit, in der vieles noch in Ordnung war. Damals, als sie noch pünktlich kam, als die Welt nach ihrem Takt lief, als Menschen von legendären Triebwägen transportiert wurden, als die Bahn noch sinnbildlich für imaginierte deutsche Tugenden stand. Ironischerweise steht sie ja heute wieder für deutsche Tugenden: Privatisierung, Outsourcing und Lockerung von Arbeitnehmer*innenschutz. Der Modelleisenbahntrakt im Museum für Hamburgische Geschichte ist so ein Schutzraum für die, die gern an dieses spezifisch eine Früher denken. Man schaut direkt in die Fenster des Kunstvereins Harburger Bahnhof, denn es ist ebendieser Bahnhof, der dort gezeigt wird. Der Rest von Hamburg ist nur auf die hölzernen Wände gemalt. Als die Anlage im Museum errichtet wurde, Ende der 40er Jahre, war Harburg noch ein ganz neuer Stadtteil Hamburgs. Vielleicht lag da auch die Motivation, ebendiesen Zugewinn zur Metropole zu präsentieren. Der Krieg war gerade verloren und von Hamburg nicht viel übrig. Die Klein-Klein-Arbeit an einem Bahnhofsmodell vielleicht das einzige, was es in dem Moment von den Beteiligten des Umbaus zur Hamburgischen Geschichte zu sagen gab: Man konzentrierte sich auf die Präsentation technischen Fortschritts und sprach kein Wort über den Rest. Der Raum des Museums war eigentlich in der Architektur des Fritz Schumacher-Baus für die Präsentation der Wohnanlage der Rücker Villa vorgesehen, die bereits 1909 in Hamm abgerissen und in Teilen in das Museum verbracht wurde. Die klassizistischen Fensterbögen und der vorgelagerte Balkon erinnern noch an den urspünglichen Zweck des Ortes. Hamburg-Hamm war bis zum Krieg noch einer der profiliertesten Villen-Stadtteile Hamburgs. Eher ein ländlicher Vorort, in dem sich Hamburgs Großkapital aus Industrie und Handel kleine bzw. große preisgekrönte Sommervillen bauten: private Parks, Hamburger Wein und architektonische Landmarken. Spätestens mit der Operation Gomorrah schwappte dann der Krieg, an dem auch Hamburger Kaufleute vormals gut verdienten, zurück in ihre Vorgärten. Hamm wurde zur Wüste und zum Schuttplatz des zerstörten Hamburger Ostens. Die Kaufleute bauten neu, elbaufwärts in Altona. Die Trümmerbahn, die aus dem Berliner Tor in die ehemaligen privaten Parkanlagen fuhr, um dort die Reste Hamburgs abzukippen, fährt leider nicht auf der Anlage im Museum. Dabei ist sie vielleicht die konsequenteste Metapher für die imaginierten deutschen Tugenden.

https://rhizome.hfbk.net/p/155525


Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Jahresausstellung 2020 an der HFBK Hamburg

Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?