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Die Tresen-Kolumne: Der fernöstliche Divan

Tagelang saß ich im Keller der Hochschule. Jetzt kenne ich alle Studienarbeiten der Jahrgänge ca. 1909 – 1930. Dazwischen ein Weltkrieg und ein zweiter in der Vorbereitung. Im Bildhauereikurs aber auch in der Buchbinderei kann man den anstehenden Regimechange bei manchen Studierenden ganz gut ablesen: Viele Plastiken (nicht alle) werden muskulöser, archetypisch männlich und wehrhafter, die Typografie der ledernen Bucheinbände kantiger, je älter die Zwanzigerjahre werden. Lateinische Buchstaben, die von Weitem aussehen sollen wie Runen. Ruinöses Latein, sehr schwer zu entziffern und somit einfach keine gute Buchgrafik: „Der fernöstliche Divan“, dafür hab ich ungefähr fünf Minuten gebraucht. Ich frage mich, was wohl aus diesen Studierenden geworden ist, so zehn Jahre später, vielleicht mit Parteibuch – und dann nochmal fünfzehn Jahre später. Vielleicht sind ein paar dem Beispiel des Professors für Bildhauerei, Johann Bossard, gefolgt, und haben sich im Ländlichen ihre eigene Version vom Gesamtkunstwerk in Bizzaro-Gotik mit mythisch-völkischem Zuckerguss aufgebaut. Die Kunststätte Bossard in Jesteburg ist übrigens einen Besuch wert: Germanophil aber zu weird, zu bunt, zu spitz für die Nazis. Es ist Wahl in Brandenburg und Sachsen und historisch gibt es leider ein paar Überschneidungen zu ebendieser Zeit „davor“. Wenn die sächsische CDU für ihren Machterhalt mit der AfD koaliert, dann wird dies wohl einen Präzedensfall auf Bundesebene schaffen. Dass die CDU sich diese Möglichkeit offen hält, hat auch die Weigerung von Ministerpräsident Kretschmer gezeigt, an der breitgetragenen und friedlichen Unteilbar-Demonstration in Dresden teilzunehmen ­ mit der Begründung, dass dort auch die „linksextreme Antifa“ zugegen sei. Es klingt wie eine apokalyptische Prophezeiung, aber für einen waschechten Faschismus braucht es nicht nur Faschist_innen, sondern auch eine konservative bürgerliche Mitte, die den Kräften der extremen Rechten dabei hilft, das institutionelle und zivilgesellschaftliche Pferd zu besteigen. In hundert Jahren sitzt vielleicht eine humanoide Entität im Cyberkeller der HfbK und skippt in sechs Nanosekunden durch die 80.000 Arbeiten der „Jahre davor“: 2012-2021. Ich hoffe nicht.

https://rhizome.hfbk.net/p/200984


Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Jahresausstellung 2020 an der HFBK Hamburg

Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?