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Die Tresen-Kolumne: Bruch

Bruch

Ich mache am liebsten keine Geräusche. Das schaffe ich leider fast nie, aber es ist eine der Grundprämissen meines Handelns. Oft spreche ich zu laut, vor allem wenn ich betrunken bin. Ich versuche nicht mehr so oft betrunken zu sein. Gar nicht so leicht im Kultursektor. Da gibt es jeden Abend irgendwo eine Vernissage, irgendwer legt irgendwo auf, X zeigt ihre Performance oder Y feiert Geburtstag und es gibt eine Matinée. Auf Kulturveranstaltungen gibt es immer Weißwein, manchmal auch andere Sachen, aber hauptsächlich ist es eine Weißweinwelt. Seit ich eine Weile in Wien gelebt habe, kann ich leider keinen Weißwein mehr trinken. Das geht einfach zu schnell schief und ist bei mir für immer verknüpft mit dem Geschmack von Bruch im Mund. Es ist also komisch, wenn man da nicht mitmacht und Wasser gibt es oft gar nicht. Ausserdem will ich ja mitmachen: Alles fällt leichter, mein Englisch wird besser, die Geschichten interessanter. Es ist eine Welt voller Widersprüche: Wenn man es ernst meint mit dem Netzwerken und dem Bekannt-werden oder -bleiben, dann darf man kein_e Lanweiler_in sein, also trinkt man die Sachen, die man gereicht bekommt, nimmt die Drogen, die einem angeboten werden, tanzt zu den Liedern, die gespielt werden und isst die Horsd’œuvre, die einem geschenkt werden, aber man darf es bloß nicht übertreiben. Nicht zu viel essen, nicht zu verrückt tanzen, keinen Filmriss haben und sich bloß niemals übergeben. Man kann schon ein Langweiler sein, aber das muss dann eine richtige Rolle sein. Darauf muss man sich verlassen können, nicht spontan mal so mal so. Ich kenne Leute, die ziehen das durch: Die ernste, nüchterne Arbeitsnummer, geht auch. Es geht eher darum, dass man halt bereit ist, für was auch immer ansteht und das auch am nächsten Tag und am Tag danach und so weiter. Ich glaube, viele Leute, die ich kenne und vielleicht dann also ich auch, haben ein latentes Alkoholproblem. Ich komme nie so richtig in die Verlegenheit, mir darüber groß Gedanken zu machen, es drückt mir einfach jeden Tag irgendwer ein Getränk in die Hand und dann vielleicht noch eins. Mit Alkohol ist das alles kein Problem. Hätte ich den Kühlschrank voll mit Crack oder Antibabypillen, würden die Leute nicht so entspannt sein. Ok, Crack ist vielleicht auch nicht so gut dazu geeignet, diese Figur der kontrollierten Ekstase zu erreichen - sich konstant zeitgleich exoterm zusammenzureißen – kontrolliert aus sich herauszukommen – sich also unter der kritischen eigenen Aufsicht, bewusst richtig gehen zu lassen: Gegen die daraus resultierende Verspannung brauche ich erstmal einen Drink.

https://rhizome.hfbk.net/p/180159


ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Künstlerin: Iris Hamers "Two pink paintings facing each other"; Foto: Tim Albrecht

Kunst trotz(t) Corona: Graduate Show 2020

Mit einer zweimonatigen Verspätung fand die Graduate Show – ehemals Absolventenausstellung – in diesem Jahr am 19. und 20. September statt. Mehr als 140 Studierende zeigten ihre künstlerischen Abschlussarbeiten.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?