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stringfigures@rhizome.hfbk.net: Lebensgefährtin

Angst ist kein guter Begleiter sagen Leute

Angst ist das Gegenteil von Liebe sagen sie auch und dass auf Angst der Hass folgt.

Einer hat Angst, dass seine Tochter weint und will immer lieber was anderes reden, wenn sie weint. Die Tochter hat beobachtet, dass er seinem Enkel auch lieber was kauft als dass er weint. Einer, der nicht aushalten kann, dass seine Tochter weint, obwohl es vielleicht gar nicht schlimm ist, dass sie weint, hat vielleicht keine Ahnung wie es ist zu weinen und sich danach besser zu fühlen und darum hat er immer, wenn er ganz traurig war, seine Angst ertrunken. Einmal sogar den ganzen Strohrum seiner Eltern und dann lag er auf dem Bett und war regungslos und als ich zu ihm kam, weinte er eine kleine Träne, die so stark war wie der Orkan eines ganzen Lebens.

Eine hatte Angst vor allen möglichen Dingen. Sie sagt, das käme, weil sie von Sternzeichen Krebs sei. Aber am meisten Angst hatte sie davor im Alter verwirrt und nicht mehr bei klarem Verstande zu sein. Vor dem Tod hatte sie keine Angst, nur vor dem Kontrollverlust. Als sie in einem Heim für alte pflegebedürftige Menschen lebte, wiederholten sich ihre Sätze immer häufiger. Ihr Mantra „Hauptsache mein Verstand bleibt klar.“ kam manchmal mehrfach pro Minute und sie betrachtete ihre Mitbewohnerinnen und schüttelte bedauernd den Kopf…die armen Alten, sagte sie, die sind schon so verwirrt. Sie sei froh, dass ihr das nicht widerfahren sei.

Einer hatte Angst vor dem Fremden,
es sei gefährlich und verlogen. Das Fremde nähme ihm alles und er war wütend, weil andere alles hatten und er nichts. Er fuhr mit seinem neuen, weißen Geländewagen ausgestattet mit der Hochtechnologie der Gegenwart aus seiner Ausfahrt und schimpfte. Das Fremde wäre so viel schlechter als das Alte, denn einst, als alles besser war, habe auch der Kakao viel besser geschmeckt und das Fleisch und heute sei alles so teuer, dass er sich nichts mehr leisten könne und fand sich gar nicht zurecht in seinem vollen Kühlschrank, weil der Aufschnitt war im Angebot und dafür hätte man ja sonst das doppelte bezahlt.

Eine hatte Angst vor Gott und war ihm dankbar, dass er ihr zehn Kinder geschenkt hatte. Sie hatte den schönsten Namen der Welt und kochte die besten russischen Gerichte, aber sie sprach kein Russisch mehr, sie hatte nur einen Akzent. Jeden Tag spielte sie Lotto und einmal gewann sie zehntausend Mark und jedes Enkelchen, auch zehn an der Zahl bekam tausend Mark. Jeden Tag ging sie zur Kirche und zündete Kerzen an. Jeden Tag weckte sie ihren jüngsten Sohn manuell, damit er nicht wieder mit glühenden Zigaretten einschläft. Auf Fotos winkte sie immer. Kurz bevor sie zehn Jahre verrückt war, war sie so verrückt, dass sie im Pelzmantel am Tisch saß und Briefe in kleine Schnipsel zerriss. Dann stand ihr jüngster Sohn alleine auf und ging zurück zum Heroin. Er wollte mit dem Skateboard um den Bodensee fahren und dann kam er nicht wieder und eine, die Angst vor Gott hatte lag immer im Bett und rief „Hilfe, Hilfe.“

Einer hatte Angst vor allem was hinter ihm war. Er hatte gelernt zu schießen, wenn hinter ihm ein Wagen mit quietschenden Rädern hielt. Damit man nicht gekidnappt wird. Sein Vater hatte seinen Kindern den Umgang mit der Waffe beigebracht. Der Vater wollte keine Waffe tragen und wurde erschossen. Also floh er vor allem was hinter ihm lag. Wenn ein Helikopter vorüber flog und ein schwarzes Ding herunter sauste hoffte er, dass es nicht in der Nähe detonierte. Er blieb heile, von außen!

Einer hat Angst vorm Einschlafen. Er sagt jeden Abend, dass er nie nie wieder schlafen will, weil er dann immer träumen muss und er will aber nicht träumen, sondern spielen und dann sagt er, die Wölfe müssen jetzt dann aber auch schlafen und sollen nicht nachts wach sein, sonst will er auch nachts wach sein wie die Wölfe. Er entscheidet mit offenen Augen zu schlafen.

Angst ist ein treuer Begleiter.

Angst ist Liebe.

Angst ist Nähe.

Angst ist die Voraussetzung für Mut.

Angst ist lebensgefährlich und zerstört Gesellschaften.

Tja.

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