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3 Notizen zu: "Kosmos in Dosen", Valerie von Könemann, Jil Lahr, Martina Palm, Westwerk

1 Alte Pizza, Plastikpalmen in x-facher Ausführung, leere Getränkebecher, Flyer und ganz viele Feuerzeuge: "Kosmos in Dosen" heißt die Ausstellung, die Jil Lahr zusammen mit Martina Palm und Valerie von Könemann da im Westwerk inszeniert hat - eine faszinierende Sammlungspräsentation aus dem persönlichen Krimskrams-Bestand der Künstlerinnen.

2 Faszination und Weltekel zugleich tun sich auf, wenn man sich durch den fein säuberlich in Glasvitrinen angeordneten Querschnitt durch den Bierbauch der Wegwerfgesellschaft pflügt. Wozu gibt es das ganze Zeug überhaupt? Braucht die Welt wirklich einen Miniatur-Plastikgarten? Ersticken wir nicht langsam an Glitzerperlen? Und doch ist es eine Freude, die Dinge vor sich zu haben: Kennt man das nicht alles von früher? Die Sommerlaub-Souvenirs, das Kinderspielzeug, die bunten Steine und die Scherzartikel-Glasaugen? Hat man nicht selbst zuhause noch einen kleinen Altar mit Erinnerungen, die man partout nicht wegwerfen will?

3 Es ist ein Zwiespalt, für den die Schau mit ihren liebevollen Displays eine Lösung gefunden zu haben scheint, die weit sinnvoller scheint als der Wegwerfzwang der Marie-Kondo-Ratgeberliteratur: Das Zeug ist da, also seht es euch doch wenigstens an. Aber nicht nur von unserem ambivalenten Verhältnis zu den Dingen zeugt das Sammelsurium; gleichzeitig erinnern die zwischen Trash und Hochkultur balancierenden Vitrinen und die mehrstöckigen Galerie-Displays auf effektvolle Weise auch daran, wo in dieser Welt die wahren Tempel der Gegenstände sind. Nicht etwa die Ramschläden in den Seitenstraßen sind die Zentren des Objekt-Fetisches. Sondern die Museen.

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