3 Notizen zu: "ART OFF Hamburg - Second Sight", Westwerk
1 Die Hamburger Kunstszene lebt - und gibt derzeit mit "Second Sight" im Westwerk ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Schon zum zweiten Mal haben sich die 23 unter dem Label "ART OFF HAMBURG" verbundenen freien Hamburger Kunstorte - vom Gängeviertel bis Frise, vom Vorwerkstift bis zum Künstlerhaus Sootbörn, vom Einstellungsraum bis zum Künstlerhaus Bergedorf - zu einer Art Leistungsschau zusammengefunden, um sich zu präsentieren, zu vernetzen und sich vor allem auch mal selbst zu feiern. Es ist schließlich eine nur allzu sinnvolle Initiative: Gemeinsam ist man nun schlagkräftiger in Verhandlungen mit Behörden.
2 Die Schau selbst ist nun eine selbstbewusste Ansage, bei über 100 Positionen dicht an dicht über die Wände des Westwerks verteilt sind; die Vielzahl an Stimmen macht Spaß und bildet natürlich die Vielfalt der Szene ab - von Monika Hahns rätselhaften Assemblagen bis Simone Kesslers Performance-Porträts vor Architektur, von Torsten Bruchs origineller Ping-Pong-Videoskulptur bis hin zu Julia Maiquez Esterlichs intim und zerbrechlich wirkenden bestickten Strümpfen. Die Themen sind unbestimmt - nur wenige Arbeiten, etwa Stephan Jäschkes ironischem "Money-fest" an der Wand oder Jan Holtmanns Soli-T-Shirts, lassen sich lose auf die prekäre Lage im Off beziehen.
3 Apropos prekäre Lage aber: So gut wie jedes Kunstwerk der Schau ist zu verkaufen, eine offene Preisliste macht diesen Umstand transparent und lädt zum Kauf ein. Ein erfrischend offensiver Zugang, den man im Off-Bereich seltener sieht, aber dessen Subtext thematisch passt: Die freie Szene braucht schließlich Geld, um zu überleben und zu funktionieren, und wenn städtische Förderungen kaum die Mietkosten decken, dann muss man eben am Markt reüssieren. Nur eine kritische Anmerkung bleibt festzuhalten: Wenn am Ende in der Schau die "sellability" zu sehr in den Fokus rückt und gut verkäufliche Flachware im Kleinformat die Wände dominiert, dann wirkt so eine Ausstellung weniger wie ein kämpferisches Plädoyer für das so wichtige widerständige Potenzial der freien Szene, sondern eher wie eine Schmalspur-Ausgabe der Affordable Art Fair. Könnte das schließlich nicht auch das große Argument für eine finanziell gut ausgestattete freien Szene sein? Kunst eben nicht in erster Linie für den Verkauf schaffen zu müssen?
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