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3 Notizen zu: Wolfgang Tillmans im Kunstverein Hamburg

1 Ein bedrückendes Setting, das Wolfgang Tillmans da im Kunstverein inszeniert hat: mit Folie verdeckte Fenster, an den Wänden des düsteren Ausstellungsraums Fotografien aus dreißig Jahren Karriere, in Schaukästen präzise angeordnete Steine, ein Forschungsbericht über Verschwörungstheorien, kopierte Zeitungsartikel. Und über allem ein Soundteppich aus Straßenlärm und klagendem Gesang.

2 Wo sind sie, die Schnappschüsse aus dem unbeschwerten Leben, die den Sonnyboy aus Remscheid berühmt gemacht haben? Der staunende Blick auf die Welt? Es scheint in dieser rätselhaften Versuchsanordnung von eine generelle Ratlosigkeit über die wenig rosigen globalen Zukunftsaussichten zu liegen.


3 Und es scheint Ernüchterung über die eigene Ohnmacht als Künstler zu sein, die hier aus Tillmans spricht. Hat das alles noch einen Sinn? Unter dem Eindruck der Ausstellung sieht man nun aber retrospektiv auch seine Zweckoptimismus versprühenden Plakate zur Bundestagswahl in einem anderen Licht. Auch sie wirken letztlich wenig originell, sondern kraftlos und müde. Das ist durchaus verständlich – allerdings, wie der Wahlsonntag gezeigt hat, auch wenig wirkungsvoll.


Wolfgang Tillmans, „Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003 “ Kunstverein in Hamburg, bis 12. November 2017

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