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Promotionsvorhaben Erich Pick

Arbeitstitel:

Schriftliche Arbeit: Biomorphe Architektur und Biopolitik; Videoinstallation: Tautological

Betreuung: Prof. Dr. Hanne Loreck, Prof. Pia Stadtbäumer

Architektonische Gestaltung des Raumes ist immer auch Einflussnahme auf individuelle Lebensweisen sowie Gestaltung von Gesellschaft. Einerseits interagieren Nutzer_innen durch geplante und ungeplante Verwendungsweisen mit dem Design eines Gebäudes; anderseits reflektiert die Form eines Gebäudes gesellschaftliche Diskurse und Wertesysteme. Für die Dissertation grundlegende Annahmen sind, dass die entstehenden Formen sich nie allein aus der zur Realisierung der Gebäude verwendeten Technologien erklären lassen, dass Techniken nicht kulturlos sind, ebenso wie bestimmte Kulturen nicht ohne Techniken sein können. Für die Untersuchungen werden daher die von Architekt_innen und Planer_innen schriftlich wie zeichnerisch formulierten Konzepte, Skizzen und Entwürfe sowie die eingesetzten Technologien in Verbindung mit den Gebäuden als integrale Bestandteile von Architekturdiskursen angesehen, statt diesen nur supplementäre Aussagekraft zuzuerkennen.

Im schriftlichen Teil der angestrebten Dissertation wird insbesondere biomorphe Architektur untersucht. Der Hauptaugenmerk liegt dabei auf Gebäuden und Konzeptionen von Frederick Kiesler, Greg Lynn sowie Lars Spuybroek. Weil zur Entwicklung solcher Architektur von den Architekten auf »Leben« und »Evolution« als konzeptionelle Leitbegriffe rekurriert wird, soll zur Diskussion ihrer gesellschaftlichen Dimensionen diese mit Aspekten von Biopolitik, vor allem hinsichtlich der Begriffsfassungen Michel Foucaults und Gilles Deleuzes, verknüpft werden.

Indes stellt die Videoinstallation zu utopischen und visionären Architektur- und Stadtentwürfen Bruno Tauts sowie zu aktuellen Stadtentwicklungsprozessen in Istanbul, genauer sozialer Wohnungsbau und Gated Communities, im Verhältnis zum schriftlichen Teil der Dissertation so etwas wie ein Parallelprojekt mit anderen Mitteln und verschobener Thematik dar. Dieser Weg wird gewählt, um ein illustratives oder erklärendes Verhältnis, egal von welchem Teil der Dissertation ausgehend, zu vermeiden.

Zur Person

Erich Pick ist bildender Künstler, Kulturwissenschaftler und Kurator mit Arbeiten zur Ästhetik von Raum, Topologie, Architektur und Urbanismus. Studium der Freien Kunst an der HFBK Hamburg (Diplom 2007), Maschinenbau-Energietechnik (Diplom 1998) sowie Philosophie an der Universität Essen. Seine künstlerischen Arbeiten umfassen und kombinieren plastisch-installative Methoden mit den Medien Video und Audio. Darüber hinaus zahlreiche Publikationen im Bereich der Technikfolgenabschätzung. Seit 1998 Mitglied im Doktoranden-Netzwerk Nachhaltiges Wirtschaften e.V.

Studien- und Forschungsaufenthalte in València (Spanien), New Delhi und Istanbul. Seit 2009 arbeitet Erich Pick am Promotionsprojekt an der HFBK Hamburg. Von 1998 bis 2002 war er wiss. Mitarbeiter an der Universität Essen, seit 2010 ist er wiss. Mitarbeiter im Bereich Theorie und Geschichte an der HFBK Hamburg.

www.erichpick.info