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Im Rahmen der Gesprächsreihe „Bismarck: Lokaler Held, globaler Schurke? Ambivalenzen eines (nationalen) Helden“ unterhielten sich die Historiker Jürgen Zimmerer (UHH) und Christoph Nonn (Universität Düsseldorf) am 11.11.2020 via Zoom über „Die zwei Seiten des Fürsten. Wofür steht Bismarck, wofür wird er erinnert?“

Dabei drehte sich die Unterhaltung um das megalomane Bismarck-Denkmal im Hamburger Elbpark, das gerade um etliche Millionen Euro saniert wird. Dies zu einem Zeitpunkt, an dem weltweit Denkmäler und Statuen kolonialer Verbrecher gestürzt, abgetragen oder umbenannte werden – und das Feuilleton verzweifelt von Ikonoklasmus spricht; das scheinbare Totschlagargument bürgerlichen Liberalismus. Die Frage, was und wer hier eigentlich in Hamburg kommemoriert wird, wiegt also buchstäblich millionenschwer; Grund genug, um sich mit ihr zu befassen. Das erste (und wohl am öftesten reproduzierte) Motiv für die Glorifizierung Bismarcks war, so Christoph Nonn, dessen Bedeutung in der Begründung des Deutschen Reiches. Aufgrund seines Amtes als erster Reichskanzler wird ihm oftmals die Rolle der einigenden Kraft und des Friedensstifters zugeschrieben – der historischen Beweislage entspricht dieses Bild jedoch nicht. Derart schwerwiegende politische Entwicklungen lassen sich kaum von einer Person herbeiführen. Die Figuren, an die diese Ereignisse retrospektiv gekoppelt werden, sind in vielen Fällen austauschbar, und Bismarck war so ein Fall.

Die Begründung des Deutschen Reiches könnte mit ebenso viel Pathos anderen Machthabern in Bismarcks Umfeld zugeschrieben werden; ihm kommt diese (zweifelhafte) Ehre vielmehr aufgrund seines Amtes als aufgrund seiner tatsächlichen Leistungen zu. Im Umkehrschluss ist die Dämonisierung Bismarcks als entscheidende Triebkraft des deutschen Kolonialismus auch nicht ganz richtig. Nonn macht deutlich, dass Bismarck selbst wenig Interesse an Kolonien hatte und diesbezüglich eher aus innenpolitischen Gründen handelte. Selbstverständlich bleibt er dabei trotzdem ein Katalysator kolonialer Gewalt und Verbrechen, wirklich ausschlaggebend war er aber auch hier nicht. Dieser Umstand schwächt zwar seinen Status als großen „Schurken“ des Kolonialismus, rechtfertigt aber noch lange nicht ein 35 m hohes Denkmal im Zentrum der zweitgrößten Stadt Deutschlands.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Bismarcks Platz in der Geschichtsschreibung, egal ob als Held oder als Schurke, völlig überdimensioniert ist. Die mehr als 100 Biographien über ihn zeigen, dass sie fast so überdimensioniert ist, wie sein Hamburger Denkmal. Aus historischen Gründen besteht somit eigentlich keine Notwendigkeit, Bismarck so herausragend zu ehren. Trotzdem ist dieses Denkmal nun mal (viel zu großer) Teil der Hamburger Realität. Und da es einsturzgefährdet und baufällig ist, muss etwas unternommen werden, klar. Wir hätten zwar nichts dagegen, es einfach umstürzen zu lassen – und auch Jürgen Zimmerer betont, dass genau dies eigentlich die gedächtnispolitische Funktion eines jeden Denkmals sein könnte: früher oder später einzustürzen, oder gestürzt zu werden. Allerdings ist diese Variante des unkontrollierten Zerfalls wohl aus Sicherheitsgründen nicht zu empfehlen.

Nonn und Zimmerer sind sich jedoch ausdrücklich einige, dass der aktuell verfolgte Weg kein nachhaltiger und historisch-kritisch wertvoller sein kann; Bismarck und sein Denkmal müssen radikal entheroisiert werden. Mit einer Sanierung werden Spuren des Widerspruchs und Widerstandes ausgelöscht und damit der kritische Umgang der Hamburger Bevölkerung mit dem umstrittenen Koloss. Die staatliche Hand greift im Moment des bröckelnden Zerfalls der Nationalgeschichte ein und (re)stabilisiert den Helden. Was übrigbleiben wird, ist ein solches „preußisches Disneyland“ wie es auch gerade prominent als Berliner Schloss für das Humboldt Forum aufgebaut wird. Es bedarf also einer Kontextualisierung des Denkmals, die sich allerdings nicht auf den akademisch-musealen Rahmen beschränken soll.

Das geplante Museum im Sockel des Denkmals ist somit für die beiden Historiker nicht ausreichend; es muss möglich sein, sich kritisch mit den Mechanismen von Geschichtsschreibung auseinanderzusetzen und dies auch als visuellen Impuls, für alle sichtbar, im Stadtbild manifest werden zu lassen. Ansonsten bleibt die Glorifizierung Bismarcks für die öffentliche Wahrnehmung ungebrochen – ein Zustand, der weder aus historischer Perspektive zu rechtfertigen ist, noch lange hingenommen werden wird. Die Einweihung einer auf Hochglanz polierten Bismarck Statue funktioniert wie eine Einladung zur Verunstaltung, wie eine weiße Leinwand zur Markierung von Wut und Dissens.

Text: Magdalena Grüner und Nina Lucia Groß

Symposium: Controversy over documenta fifteen

With this symposium on documenta fifteen on the 1st and 2nd of February, the HFBK Hamburg aims to analyze the background and context, foster dialogue between different viewpoints, and enable a debate that explicitly addresses anti-Semitism in the field of art. The symposium offers space for divergent positions and aims to open up perspectives for the present and future of exhibition making.

Examination of the submitted portfolios

Examination of the submitted portfolios

How to apply: study at HFBK Hamburg

From February 1 to March 6, 2023, 4 p.m., you can apply to study at HFBK Hamburg. Please find all important info here.

ASA Open Studios winter semester 2021/22; photo: Marie-Theres Böhmker

ASA Open Studios winter semester 2021/22; photo: Marie-Theres Böhmker

The best is saved until last

At the end of the year, once again there will be numerous exhibitions and events with an HFBK context. We have compiled some of them here. You will also find a short preview of two lectures of the professionalization program in January.

Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image, Grafik: Leon Lothschütz

Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image, Grafik: Leon Lothschütz

Festival and Symposium: Non-Knowledge, Laughter and the Moving Image

As the final part of the artistic research project, the festival and symposium invite you to screenings, performances, talks, and discussions that explore the potential of the moving images and the (human and non-human) body to overturn our habitual course and change the dominant order of things.

View of the packed auditorium at the start of the semester; photo: Lukas Engelhardt

View of the packed auditorium at the start of the semester; photo: Lukas Engelhardt

Wishing you a happy welcome

We are pleased to welcome many new faces to the HFBK Hamburg for the winter semester 2022/23. We have compiled some background information on our new professors and visiting professors here.

Solo exhibition by Konstantin Grcic

From September 29 to October 23, 2022, Konstantin Grcic (Professor of Industrial Design) will be showing a room-sized installation at ICAT - Institute for Contemporary Art & Transfer at the HFBK Hamburg consisting of objects designed by him and existing, newly assembled objects. At the same time, the space he designed for workshops, seminars and office workstations in the AtelierHaus will be put into operation.

Amna Elhassan, Tea Lady, oil on canvas, 100 x 100 cm

Amna Elhassan, Tea Lady, oil on canvas, 100 x 100 cm

Art and war

"Every artist is a human being". This statement by Martin Kippenberger, which is as true as it is existentialist (in an ironic rephrasing of the well-known Beuys quote), gets to the heart of the matter in many ways. On the one hand, it reminds us not to look away, to be (artistically) active and to raise our voices. At the same time, it is an exhortation to help those who are in need. And that is a lot of people at the moment, among them many artists. That is why it is important for art institutions to discuss not only art, but also politics.

Merlin Reichert, Die Alltäglichkeit des Untergangs, Installation in der Galerie der HFBK; photo: Tim Albrecht

Merlin Reichert, Die Alltäglichkeit des Untergangs, Installation in der Galerie der HFBK; photo: Tim Albrecht

Graduate Show 2022: We’ve Only Just Begun

From July 8 to 10, 2022, more than 160 Bachelor’s and Master’s graduates of the class of 2021/22 will present their final projects from all majors. Under the title Final Cut, all graduation films will be shown on a big screen in the auditorium of the HFBK Hamburg. At the same time, the exhibition of the Sudanese guest lecturer Amna Elhassan can be seen in the HFBK gallery in the Atelierhaus.

Grafik: Nele Willert, Dennise Salinas

Grafik: Nele Willert, Dennise Salinas

June is full of art and theory

It has been a long time since there has been so much on offer: a three-day congress on the visuality of the Internet brings together international web designers; the research collective freethought discusses the role of infrastructures; and the symposium marking the farewell of professor Michaela Ott takes up central questions of her research work.

Renée Green. ED/HF, 2017. Film still. Courtesy of the artist, Free Agent Media, Bortolami Gallery, New York, and Galerie Nagel Draxler, Berlin/Cologne/Munich.

Renée Green. ED/HF, 2017. Film still. Courtesy of the artist, Free Agent Media, Bortolami Gallery, New York, and Galerie Nagel Draxler, Berlin/Cologne/Munich.

Finkenwerder Art Prize 2022

The Finkenwerder Art Prize, initiated in 1999 by the Kulturkreis Finkenwerder e.V., has undergone a realignment: As a new partner, the HFBK Hamburg is expanding the prize to include the aspect of promoting young artists and, starting in 2022, will host the exhibition of the award winners in the HFBK Gallery. This year's Finkenwerder Art Prize will be awarded to the US artist Renée Green. HFBK graduate Frieda Toranzo Jaeger receives the Finkenwerder Art Prize for recent graduates.

Amanda F. Koch-Nielsen, Motherslugger; photo: Lukas Engelhardt

Amanda F. Koch-Nielsen, Motherslugger; photo: Lukas Engelhardt

Nachhaltigkeit im Kontext von Kunst und Kunsthochschule

Im Bewusstsein einer ausstehenden fundamentalen gesellschaftlichen Transformation und der nicht unwesentlichen Schrittmacherfunktion, die einem Ort der künstlerischen Forschung und Produktion hierbei womöglich zukommt, hat sich die HFBK Hamburg auf den Weg gemacht, das Thema strategisch wie konkret pragmatisch für die Hochschule zu entwickeln. Denn wer, wenn nicht die Künstler*innen sind in ihrer täglichen Arbeit damit befasst, das Gegebene zu hinterfragen, genau hinzuschauen, neue Möglichkeiten, wie die Welt sein könnte, zu erkennen und durchzuspielen, einem anderen Wissen Gestalt zu geben

New studio in the row of houses at Lerchenfeld

New studio in the row of houses at Lerchenfeld, in the background the building of Fritz Schumacher; photo: Tim Albrecht

Raum für die Kunst

After more than 40 years of intensive effort, a long-cherished dream is becoming reality for the HFBK Hamburg. With the newly opened studio building, the main areas of study Painting/Drawing, Sculpture and Time-Related Media will finally have the urgently needed studio space for Master's students. It simply needs space for their own ideas, for thinking, for art production, exhibitions and as a depot.

Martha Szymkowiak / Emilia Bongilaj, Installation “Mmh”; photo: Tim Albrecht

Martha Szymkowiak / Emilia Bongilaj, Installation “Mmh”; photo: Tim Albrecht

Annual Exhibition 2022 at the HFBK

After last year's digital edition, the 2022 annual exhibition at the HFBK Hamburg will once again take place with an audience. From 11-13 February, students from all departments will present their artistic work in the building at Lerchenfeld, Wartenau 15 and the newly opened Atelierhaus.

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; photo: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; photo: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments.

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; photo: Charlotte Spiegelfeld

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; photo: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Who speaks? Who paints which motif? Who is shown, who is not? Questions of identity politics play an important role in art and thus also at the HFBK Hamburg. In the current issue, the university's own Lerchenfeld magazine highlights university structures as well as student initiatives that deal with diversity and identity.

photo: Klaus Frahm

photo: Klaus Frahm

Summer Break

The HFBK Hamburg is in the lecture-free period, many students and teachers are on summer vacation, art institutions have summer break. This is a good opportunity to read and see a variety of things:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; photo: Matthew Muir

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; photo: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Since 2010, the HFBK has organised the international exchange programme Art School Alliance. It enables HFBK students to spend a semester abroad at renowned partner universities and, vice versa, invites international art students to the HFBK. At the end of their stay in Hamburg, the students exhibit their work in the Open Studios in Karolinenstraße, which are now open again to the art-interested public.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Unlearning: Wartenau Assemblies

The art education professors Nora Sternfeld and Anja Steidinger initiated the format "Wartenau Assemblies". It oscillates between art, education, research and activism. Complementing this open space for action, there is now a dedicated website that accompanies the discourses, conversations and events.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; photo: Maximilian Schwarzmann

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; photo: Maximilian Schwarzmann

School of No Consequences

Everyone is talking about consequences: The consequences of climate change, the Corona pandemic or digitalization. Friedrich von Borries (professor of design theory), on the other hand, is dedicated to consequence-free design. In “School of No Consequences. Exercises for a New Life” at the Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, he links collection objects with a "self-learning room" set up especially for the exhibition in such a way that a new perspective on "sustainability" emerges and supposedly universally valid ideas of a "proper life" are questioned.

Annual Exhibition 2021 at the HFBK

Annual exhibition a bit different: From February 12- 14, 2021 students at the Hamburg University of Fine Arts, together with their professors, had developed a variety of presentations on different communication channels. The formats ranged from streamed live performances to video programs, radio broadcasts, a telephone hotline, online conferences, and a web store for editions. In addition, isolated interventions could be discovered in the outdoor space of the HFBK and in the city.

Katja Pilipenko

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

On the evening of November 4, the HFBK celebrated the opening of the academic year 2020/21 as well as the awarding of the Hiscox Art Prize in a livestream - offline with enough distance and yet together online.

Exhibition Transparencies with works by Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Organized by Prof. Verena Issel and Fabian Hesse; photo: Screenshot

Exhibition Transparencies with works by Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Organized by Prof. Verena Issel and Fabian Hesse; photo: Screenshot

Teaching Art Online at the HFBK

How the university brings together its artistic interdisciplinary study structure with digital formats and their possibilities.

Alltagsrealität oder Klischee?; photo: Tim Albrecht

Alltagsrealität oder Klischee?; photo: Tim Albrecht

HFBK Graduate Survey

Studying art - and what comes next? The clichéd images stand their ground: Those who have studied art either become taxi drivers, work in a bar or marry rich. But only very few people could really live from art – especially in times of global crises. The HFBK Hamburg wanted to know more about this and commissioned the Faculty of Economics and Social Sciences at the University of Hamburg to conduct a broad-based survey of its graduates from the last 15 years.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; photo: MKG Hamburg

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; photo: MKG Hamburg

How political is Social Design?

Social Design, as its own claim is often formulated, wants to address social grievances and ideally change them. Therefore, it sees itself as critical of society – and at the same time optimizes the existing. So what is the political dimension of Social Design – is it a motor for change or does it contribute to stabilizing and normalizing existing injustices?