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Promotionsvorhaben Martin Wiesinger

Arbeitstitel: Die Kreuzigungsdarstellung des Juan de la Cruz

Betreuung: Prof. Bettina Uppenkamp, Prof. Kristin Marek

Johannes vom Kreuz (um 1540 - 1591), dessen bürgerlicher Name Juan de Yepes lautete, war Karmelit, ein Wegbegleiter der Teresa von Ávila und er gilt als eine der wichtigsten Figuren der spanischen Mystik sowie der spanischsprachigen Poesie der Frühen Neuzeit.

Im Blick auf den Umfang seiner poetischen und prosaischen Texte mutet eine von ihm angefertigte Tuschezeichnung, die gerade einmal 6,4 mal 5,1 Zentimeter misst, eher unscheinbar an. Es handelt sich jedoch bei dieser Zeichnung um eine Kreuzigungsdarstellung, deren Besonderheit sich nicht zuletzt durch eine Perspektive auszeichnet, die ihresgleichen sucht: Sie zeigt Jesus am Kreuz von einem deutlich erhobenen Standpunkt in einer Schräge, welche die herkömmliche kompositorische Fokussierung frontal auf das Kreuz hin außer Kraft setzt. Es scheint an keinem Punkt der christlichen Ikonographie eine vergleichbare Verschiebung des Betrachtungsstandpunktes gegeben zu haben. Sieht man den Gekreuzigten aus der Sicht Gottes?

Durch die räumliche Verortung des Menschen in seiner Relation zum Göttlichen lassen sich Theologien und metaphysische Modelle nachvollziehbar äußern. Die Betrachtung dieser Zeichnung kann hierbei als Veranschaulichung eines theologischen und damit auch bildtheoretischen Kommentars von großem Gewicht besprochen werden.

1453 ließ Nikolaus von Kues seine Glaubensbrüder vom Tegernsee sich im Halbkreis vor einer Ikone aufstellen. Das gemalte Antlitz blickte jeden von ihnen individuell und im gleichen Moment alle auf einmal an. Es folgte ihrem Blick, wenn sie den Raum vor dem Bild durchschritten. Und vor allem: Die Mönche konnten sich dieser paradoxen Eigenschaften des Bildes nur vergewissern, wenn sie im Gespräch einander das glaubten, was sie sich sagten („Siehst Du das auch? Wirst Du auch angeblickt?“). Die Blickkonstellationen erlaubten es Nikolaus von Kues, die Besonderheit des Bildes als Zeichen einer göttlichen Überschreitung von unvereinbaren Widersprüchen auszulegen und gleichzeitig die ethische Dimension der Bildbetrachtung hervorzuheben.

Die Zeichnung von Johannes vom Kreuz ist ein Bild vom Bild dessen, was nicht abgebildet werden kann, gesehen mit den Augen dessen, was nicht abgebildet werden kann. Was bedeutet es, diesem ganz Anderen - Gott - ein solch menschliches Auge zu geben und ihn der Kreuzigung als Ereignis der Verbildlichung in seiner Ausweglosigkeit beiwohnen zu lassen? Was hat das mit unserem Blick auf die Erde und den Menschen „von oben“ zu tun - einem Blick, der seit dem Schritt in den Weltraum photographisch sichtbar wurde, aber schon mit dem Wunsch des kartographischen Überblicks die außerweltliche Sichtweise einführte? Und was bedeutet es, wie der zeichnende Blick des Johannes vom Kreuz die herkömmliche Erzählung von sehendem Subjekt und gesehenem Objekt zu verlassen und für einen umkreisenden Moment mit dem Auge der*s Anderen zu sehen, die/der nicht sichtbar werden kann oder nicht sichtbar werden möchte? Ist es möglich, anhand der Zeichnung die zwangsläufige Verbindung von Erscheinen und Sein zugunsten einer Differenz aufzugeben, die sich einer sich tilgenden Gleichung entzieht?

Zur Person:

  • *1987 in Schwandorf / Deutschland
  • 2011-2017 Studium der bildenden Kunst an der HfBK Dresden

Kontakt:

www.martinwiesinger.de

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; photo: Maximilian Schwarzmann

School of No Consequences

Everyone is talking about consequences: The consequences of climate change, the Corona pandemic or digitalization. Friedrich von Borries (professor of design theory), on the other hand, is dedicated to consequence-free design. In “School of No Consequences. Exercises for a New Life” at the Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, he links collection objects with a "self-learning room" set up especially for the exhibition in such a way that a new perspective on "sustainability" emerges and supposedly universally valid ideas of a "proper life" are questioned.

Annual Exhibition 2021 at the HFBK

Annual exhibition a bit different: From February 12- 14, 2021 students at the Hamburg University of Fine Arts, together with their professors, had developed a variety of presentations on different communication channels. The formats ranged from streamed live performances to video programs, radio broadcasts, a telephone hotline, online conferences, and a web store for editions. In addition, isolated interventions could be discovered in the outdoor space of the HFBK and in the city.

Public Information Day 2021

How do I become an art student? How does the application process work? Can I also study to become a teacher at the HFBK? These and other questions about studying art were answered by professors, students and staff at the HFBK during the Public Information Day on February 13, 2021. In addition, there will be an appointment specifically for English-speaking prospective students on February 23 at 2 pm.

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

On the evening of November 4, the HFBK celebrated the opening of the academic year 2020/21 as well as the awarding of the Hiscox Art Prize in a livestream - offline with enough distance and yet together online.

photo: Tim Albrecht

Art defies Corona: Graduate Show 2020

With a two-month delay, the Graduate Show took place this year on the 19 and 20 September. More than 140 students showed their artistic graduation projects, from painting to sound installation.

Exhibition Transparencies with works by Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Organized by Prof. Verena Issel and Fabian Hesse; photo: Screenshot

Teaching Art Online at the HFBK

How the university brings together its artistic interdisciplinary study structure with digital formats and their possibilities.

Alltagsrealität oder Klischee?; photo: Tim Albrecht

HFBK Graduate Survey

Studying art - and what comes next? The clichéd images stand their ground: Those who have studied art either become taxi drivers, work in a bar or marry rich. But only very few people could really live from art – especially in times of global crises. The HFBK Hamburg wanted to know more about this and commissioned the Faculty of Economics and Social Sciences at the University of Hamburg to conduct a broad-based survey of its graduates from the last 15 years.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; photo: MKG Hamburg

How political is Social Design?

Social Design, as its own claim is often formulated, wants to address social grievances and ideally change them. Therefore, it sees itself as critical of society – and at the same time optimizes the existing. So what is the political dimension of Social Design – is it a motor for change or does it contribute to stabilizing and normalizing existing injustices?