Dr. phil. in art. Miriam Schoofs
Studio Lessons – Things on Display: Hanne Darbovens Dingwelt
Betreuung: Prof. Dr. Michael Diers (Hamburg/Berlin), Prof. Dr. Gregor Stemmrich (Berlin/Abu Dhabi)
Die Dissertation untersucht zum einen den Zusammenhang zwischen Atelier und Ausstellung als den beiden zentralen Kontexten des künstlerischen Schaffens im Allgemeinen, und demjenigen der Konzeptkünstlerin Hanne Darboven (1941-2009) im Besonderen. Zum anderen wird der Transfer der Dinge von der Ateliersammlung in das Werk und in den Ausstellungskontext einer genaueren Betrachtung unterzogen: In Form fotografischer Dokumentationen und collagierter Bildstrecken oder als skulpturale Elemente und Exponate bezog Darboven zunehmend Objekte ihrer Sammlung in die Blattfolgen ihrer Arbeiten und ihre raumgreifenden Installationen ein. Dabei wird untersucht, welche Funktion die Objekte an den unterschiedlichen Orten für den künstlerischen Schaffensprozess haben und welche Wirkung und Bedeutung sie in den unterschiedlichen Kontexten jeweils entfalten, beziehungsweise produzieren. Angesichts des streng rationalen und formal reduzierten Werks Hanne Darbovens wirken die Dingarrangements in ihren Arbeits- und Wohnräumen sowie die einzelnen in die Blattfolgen und Installationen ihrer Arbeiten integrierten Objekte überraschend surreal. Dieser „Material Turn“ scheint zudem im krassen Widerspruch zum konzeptuellen Postulat einer „Dematerialisierung“ zu stehen und stellt in der Literatur und Forschung bis dato einen blinden Fleck dar.
Diese Tabuisierung der Dingaffinität Darbovens hängt wohl nicht zuletzt damit zusammen, dass die Bedeutung ihres Werks als wichtigste deutsche Position der Konzeptkunst der ersten Stunde – einer ausgesprochenen Männerdomäne – nicht infrage gestellt oder geschmälert werden sollte. Die umfangreiche „Wunderkammer" in ihren Arbeits- und Wohnräumen, so die hier vertretene These, ist jedoch weit mehr als Ausdruck einer subjektiven Sammelleidenschaft. Das Werk Hanne Darbovens ist in seiner Obsessivität und Monumentalität ohne die überbordende Dingwelt ihres privaten Kosmos schlichtweg nicht zu verstehen. Die Untersuchung nimmt das vermeintlich randständige in den Fokus, indem sie buchstäblich in medias res geht. Anhand der medialen Fluktuation der Objekte – von den Dingarrangements im Haus bis zu den verschiedenen Darstellungs- und Präsentationsformen im Werk und in den Ausstellungen – werden die verschiedenen Erscheinungsformen als gleichwertige Bestandteile oder Aggregatzustände ihres genuin konzeptuellen Schaffens analysiert: zwischen Atelier und Ausstellung, Selbstverortung und Verräumlichung.
Vita:
Miriam Schoofs (*in Freiburg im Breisgau / Deutschland) lebt und arbeitet nach ihrem Studium der Rechts-, Medien- und Kunstwissenschaften in Hamburg, Rom und in Berlin. Von 2011 bis 2013 war sie Kuratorin der Sammlung Falckenberg an den Deichtorhallen Hamburg. 2013 bis 2016 war sie als freie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Autorin für Ausstellungen und Installationen von Werken Hanne Darbovens u. a. in Basel, Bologna, London, Edinburgh und Madrid sowie in Bonn und München in Kooperation mit der Hanne Darboven Stiftung tätig. Seither freie Kuratorin und Gastkuratorin z. B. der Ausstellung „…und eine Welt noch“ am Kunsthaus Hamburg 2016 sowie Organisation künstlerischer Projekte, Buchpräsentationen und Publikationen (zuletzt beispielsweise mit/über Almir Mavignier, Daniela Comani und Irma Blank).
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