de en

_stringfigures@rhizome.hfbk.net's Public Feed: Wahnsinn Der Müll wurde nicht...

Wahnsinn

Der Müll wurde nicht abgeholt. Meine Nachbarin ist ganz aufgeregt deswegen, sie hat durch ihre Inkontinenz sehr viel Abfall und schämt sich. Ich leide ein bisschen mit ihr. Ich denke dann an die streikenden Mitarbeiter:innen der Müllabfuhr und an Isa Genzken. Während ich Geld abhole stelle ich mir vor es Isa Genzken in ihrer manischen Phase gleich zu tun, einfach random Geld abheben und Scheine verschenken. An die Leute in Orange, an die Frau, die vor der Drogerie bettelt, an den merkwürdigen Mann im Porsche, der sich zu allem Überfluss ein riesiges St. Pauli Logo vorne drauf geklebt hat und an meine Nachbarin, die ihre Rechnungen nicht zahlen kann. An alle. Alles allen.

Ich schlucke das Bedürfnis herunter und hänge dem Moment hinterher. Ab einem gewissen Punkt ist man also verrückt, manisch - depressiv oder was man auch immer für eine Diagnose bekommt. C., eine freshe Rentnerin saß den ganzen Coronafrühling und -sommer vor unserer Tür. Sie hat auch eine bipolare Störung. Mein Sohn liebt sie. Sie hat meist weiße, beigefarbene weite Kleidung an, eine Sonnenbrille auf und manchmal ihren Laptop dabei, auf dem sie zu Lockdownzeiten laut Musik für uns und sie angemacht hat, inzwischen trägt sie immer Kopfhörer. Ihr Hund bellt alle an, dann bellt sie ihren Hund an und unterhält sich laut. Sie hat eine starke Meinung zu allem und immer wenn sie meinen Sohn sieht spricht sie über für ihn wichtige Themen mit ihm. Nun habe ich sie länger nicht gesehen. Es geht ihr hoffentlich gut oder bald wieder gut.

Ihr würde ich natürlich auch einen Schein geben. Mir auch, übrigens. Die Geste zählt. Ich lese grade Schlingensiefs „So schön wie hier kann es gar nicht sein“. Er schreibt Tagebuch zu seiner Krebserkrankung, abgesehen davon, dass ich nicht wage mich in seine Situation zu versetzen, finde ich spannend, wie er, wie auch Herrndorf in seinem Buch „Arbeit und Struktur“ immer wieder knapp (Herrndorf ja gar nicht knapp sondern erstmal mitten rein) am Wahnsinn vorbeischlingert. Wahnsinn. Vielleicht kein Wahnsinn. Vielleicht ganz menschliche Gedanken, die, wenn sie sich dem Tod auf irgendeine Weise nähern so existentiell werden und ganz deutlich formulieren, Ängste, Sorgen, Fragen zum Jenseits und zur Verwesung.

Gelegentlich, wenn ich so deepe Momente hatte, Matt Mullican hat es in einem Klassengespräch mal ‚spiritual moments‘ genannt, frage ich mich ob nicht alle Menschen ein bisschen wahnsinnig oder ein bisschen spirituell sind.

Weiterlesen auf rhizome.hfbk.net

https://rhizome.hfbk.net/p/285240


Art defies Corona: Graduate Show 2020

With a two-month delay, the Graduate Show took place this year on the 19 and 20 September. More than 140 students showed their artistic graduation projects, from painting to sound installation.

Teaching Art Online at the HFBK

How the university brings together its artistic interdisciplinary study structure with digital formats and their possibilities.

New articles at rhizome.hfbk.net

rhizome.hfbk.net is the social network of the HFBK. It opens a digital forum for exchange and discussion in which students, teachers, guest authors, art critics and the interested public provide a wide range of content and perspectives.

HFBK Graduate Survey

Studying art - and what comes next? The clichéd images stand their ground: Those who have studied art either become taxi drivers, work in a bar or marry rich. But only very few people could really live from art – especially in times of global crises. The HFBK Hamburg wanted to know more about this and commissioned the Faculty of Economics and Social Sciences at the University of Hamburg to conduct a broad-based survey of its graduates from the last 15 years.

How political is Social Design?

Social Design, as its own claim is often formulated, wants to address social grievances and ideally change them. Therefore, it sees itself as critical of society – and at the same time optimizes the existing. So what is the political dimension of Social Design – is it a motor for change or does it contribute to stabilizing and normalizing existing injustices?

Annual Exhibition 2020 at the HFBK

The HFBK’s traditional annual exhibition („Jahresausstellung“) opens in February every year. For three days the students – from first-years to post-graduates – present a broad spectrum of their current work and projects from all the different departments. All classrooms, studios and halls in the building are used. Interested visitors are cordially invited to gain an impression of the art currently being created at the HFBK.