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_stringfigures@rhizome.hfbk.net's Public Feed: Schnee Es schneit heute zum e...

Es schneit heute zum ersten Mal in diesem Winter. Es ist Ende März.

Ich denke zurück.

Hirnfrost

Es ist 20.53 Uhr vor etwa drei Wochen. Wir sind das letzte Mal für lange Zeit bei meinem der Risikogruppe zugehörigen Vater und seiner Frau. Wir trinken Apfelschorle und U verteilt Wodka aus Finnland. U ist fast 80, leitet unter beginnendem Parkinson und war Anfang des Jahres mit einer Gruppe gehörloser Menschen auf Busreise in Finnland. Sie kam mit Beginn der Pandemie zurück ins Moor und brachte Bilder mit wie sie allein auf einem Schlitten von acht Schlittenhunden durch die wahnsinnige Schnellandschaft peitscht. Sie trinkt Wodka aus einem Eisglas und steht in einem Iglu. Sie lässt sich mit dem echten Santa Claus im Santa Claus Village bei Rovaniemi fotografieren und setzt sich auf ein Schneemotorad. Für L ist sie eine Heldin. Seine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Jetzt hoffe ich, dass sie das noch lange sein wird. Ich hoffe, sie überleben diesen Virus.

Wir saßen also zusammen und starrten auf den Fernseher ohne Ton. Das ist immer ein wunderbarer Zustand, der mir jedes Mal den beharrlichen Wahnsinn des TV-Programms klar macht. Auf einem Privatsender lief, wie jedes Mal und wahrscheinlich jeden Tag, eine Spielshow mit Prominenten wie Cheyenne Ochsenknecht und Simon Gosejohann. Thema: sie müssen wenig geschlafen haben und dann einen Liter Eissmoothie trinken. Wer am meisten schafft hat also gewonnen. Mein Vater freute sich, mir zu zeigen, dass die eine eben die o.g. Tochter von Uwe Ochsenknecht ist und schickte mir diesen Link: https://www.klatsch-tratsch.de/aktuelles/uwe-ochsenknecht-und-seine-kinder-auf-mallorca-442326/ Ich fand das fantastisch und studierte genau die Gesichter und staunte mich ein bisschen im Intouch-Modus durch das Netz. Seitdem ich nicht mehr schwanger bin sitze ich nicht mehr so oft im Wartezimmer und studiere das Leben der Königshäuser. Ich hole ein wenig nach und gehe dann frustriert zu Bett. Kaum auszuhalten, diese Informationen.

Das ist alles schon so lange her.

Inzwischen habe ich ganz andere Sorgen, die mein Gehirn überfordern. Ich arbeite kaum noch, weder Kunst noch Lohnarbeit - es liegt alles auf Eis. Ich verdiene nahezu kein Geld mehr, ich passe Tag und Nacht auf mein Kind auf, mein Freund hat eine feste Stelle und plötzlich bin ich darauf angewiesen, dass meine Familie das in Ordnung findet, dass ich Künstlerin bin. Ein Abhängigkeitsverhältnis durch eine Pandemie. Ein Virus macht, dass ich zu Hause bleibe und die Arbeitsteilung, die wir uns mit viel Arbeit und Gesprächen festgelegt haben einfach nicht mehr funktioniert. Inzwischen konnten wir mir und uns Freiräume schaffen, Ms Chef unterstützt uns quasi mit einem freien Tag für M und somit mit einem Arbeitstag für mich. Ich frage mich dennoch, welchen Wert künstlerische Arbeit in Relation zu dem, was grade los ist hat? Sich hier ein gesundes Selbstbewusstsein zu erarbeiten ist eine Herausforderung, die für mich zwischen Positiv- und Negativnarzissmus changiert. Ich kann mich schlecht abgrenzen von den Bildern aus Indien, wo Tagelöhner plötzlich vor dem Nichts stehen, kann mich nicht frei machen von den Gedanken an diejenigen Familien, die nun zu Hause eingesperrt sind, muss an die Kinder denken, die ich früher als Heilerzieherin betreut habe, die jetzt in prekärsten Verhältnissen leben, kein warmes Essen bekommen und für die häusliche Gewalt zum Alltag gehört. Ein Freund schickt mir eine Seite für angstfreie Informationen. Das ist lieb. Aber ich habe keine Angst. Die Lage ist wie sie ist. Sie ist beschissen.

Im Netz sammeln sich Initiativen, für Pflegerinnen, Künstlerinnen, H&M findet es unfair Miete zu zahlen, Läden werden schließen, alle sind traurig ja. Und dann gibt es Listen, wie man seinen Alltag optimiert, wie man seinen Tag strukturiert, wie man es sich schön macht und wie man auch trotzdem glücklich sein kann. Es gibt Hinweise, dass man nicht allein sei, dass man viele sei. Man müsse nur zusammenhalten und dann würde das schon. Digital Händchen halten. Das mag alles auf seine Weise richtig sein. Jede*r findet dies oder das richtig. Ich finde es für mich richtig in Ordnung, einfach traurig und durcheinander über diese Situation zu sein. Mal gibt es bessere, mal schlechtere Tage. Leute fragen mich: „Was ist los? Bist du schlecht drauf“ und ich denke „Ja, wie soll ich sonst drauf sein?“ und sage irgendwas.

Später finde ich, dass ich nicht so negativ sein kann. Ich habe doch eine Verantwortung als Mutter. Ich nehme mir vor, mehr an schöne Dinge zu denken. Als erstes denke ich an Eis und kaufe Louis ein Gummibärcheneis. Dann sage ich: „Es ist schwer im Moment, manchmal denkt man einfach, dass alles kompliziert ist und dann bin ich mal traurig, mal du und mal Papa. Dann können wir uns gegenseitig wieder trösten.“ Er isst sein Eis. Ich rede noch weiter vor mich hin. Er isst sein Eis. Ich sage dann „Manche Leute glauben an Gott. Ich weiß ja nicht, ob ich daran glaube. Ich weiß ja nicht mal was das ist. Aber manchen hilft der Glaube.“ Er schaut mich erstaunt an: „Weißt du nicht, was Gott ist?“ – „Nein.“ Ich gucke ihn noch erstaunter an. „Also ich schon. Wenn man an Gott denkt, dann wird man ein Tier. Das weiß ich.“

P.S.:

http://www.textem.de/index.php?id=3046&fbclid=IwAR25zArJcQlarFgtmLna_taL96vGikGVRbPgsDtOJkR4yAPbVgHEyQKnKqQ

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; photo: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; photo: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments.

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; photo: Charlotte Spiegelfeld

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; photo: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Who speaks? Who paints which motif? Who is shown, who is not? Questions of identity politics play an important role in art and thus also at the HFBK Hamburg. In the current issue, the university's own Lerchenfeld magazine highlights university structures as well as student initiatives that deal with diversity and identity.

Grafik: Tim Ballaschke

Grafik: Tim Ballaschke

Start of semester

After three semesters of hybrid teaching under pandemic conditions, we are finally about to start another semester of presence. We welcome all new students and teachers at the HFBK Hamburg and cordially invite you to the opening of the academic year 2020/21, which this year will be accompanied by a guest lecture by ruangrupa.

Graphic design: Sam Kim, picture in the background: Sofia Mascate, photo: Marie-Theres Böhmker

Graphic design: Sam Kim, picture in the background: Sofia Mascate, photo: Marie-Theres Böhmker

Graduate Show 2021: All Good Things Come to an End

From September 24 to 26, the more than 150 Bachelor's and Master's graduates of the class of 2020/21 will present their final projects as part of the Graduate Show at the HFBK Hamburg. We would like to thank all visitors and participants.

photo: Klaus Frahm

photo: Klaus Frahm

Summer Break

The HFBK Hamburg is in the lecture-free period, many students and teachers are on summer vacation, art institutions have summer break. This is a good opportunity to read and see a variety of things:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; photo: Matthew Muir

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; photo: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Since 2010, the HFBK has organised the international exchange programme Art School Alliance. It enables HFBK students to spend a semester abroad at renowned partner universities and, vice versa, invites international art students to the HFBK. At the end of their stay in Hamburg, the students exhibit their work in the Open Studios in Karolinenstraße, which are now open again to the art-interested public.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Unlearning: Wartenau Assemblies

The art education professors Nora Sternfeld and Anja Steidinger initiated the format "Wartenau Assemblies". It oscillates between art, education, research and activism. Complementing this open space for action, there is now a dedicated website that accompanies the discourses, conversations and events.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; photo: Maximilian Schwarzmann

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; photo: Maximilian Schwarzmann

School of No Consequences

Everyone is talking about consequences: The consequences of climate change, the Corona pandemic or digitalization. Friedrich von Borries (professor of design theory), on the other hand, is dedicated to consequence-free design. In “School of No Consequences. Exercises for a New Life” at the Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, he links collection objects with a "self-learning room" set up especially for the exhibition in such a way that a new perspective on "sustainability" emerges and supposedly universally valid ideas of a "proper life" are questioned.

Annual Exhibition 2021 at the HFBK

Annual exhibition a bit different: From February 12- 14, 2021 students at the Hamburg University of Fine Arts, together with their professors, had developed a variety of presentations on different communication channels. The formats ranged from streamed live performances to video programs, radio broadcasts, a telephone hotline, online conferences, and a web store for editions. In addition, isolated interventions could be discovered in the outdoor space of the HFBK and in the city.

Public Information Day 2021

How do I become an art student? How does the application process work? Can I also study to become a teacher at the HFBK? These and other questions about studying art were answered by professors, students and staff at the HFBK during the Public Information Day on February 13, 2021. In addition, there will be an appointment specifically for English-speaking prospective students on February 23 at 2 pm.

Katja Pilipenko

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

On the evening of November 4, the HFBK celebrated the opening of the academic year 2020/21 as well as the awarding of the Hiscox Art Prize in a livestream - offline with enough distance and yet together online.

Exhibition Transparencies with works by Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Organized by Prof. Verena Issel and Fabian Hesse; photo: Screenshot

Exhibition Transparencies with works by Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Organized by Prof. Verena Issel and Fabian Hesse; photo: Screenshot

Teaching Art Online at the HFBK

How the university brings together its artistic interdisciplinary study structure with digital formats and their possibilities.

Alltagsrealität oder Klischee?; photo: Tim Albrecht

Alltagsrealität oder Klischee?; photo: Tim Albrecht

HFBK Graduate Survey

Studying art - and what comes next? The clichéd images stand their ground: Those who have studied art either become taxi drivers, work in a bar or marry rich. But only very few people could really live from art – especially in times of global crises. The HFBK Hamburg wanted to know more about this and commissioned the Faculty of Economics and Social Sciences at the University of Hamburg to conduct a broad-based survey of its graduates from the last 15 years.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; photo: MKG Hamburg

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; photo: MKG Hamburg

How political is Social Design?

Social Design, as its own claim is often formulated, wants to address social grievances and ideally change them. Therefore, it sees itself as critical of society – and at the same time optimizes the existing. So what is the political dimension of Social Design – is it a motor for change or does it contribute to stabilizing and normalizing existing injustices?