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1 Mehr Mütter für die Kunst., so lautet der Titel und das Hauptanliegen des Manifests, für das Künstlerin Marcia Breuer gerade um Unterschriften wirbt. Ein Anliegen, bei dem es allerdings um weit mehr geht als ums Kinderkriegen. Denn wenn man sich die Frage stellt, warum Frauen im Kunstbetrieb unterrepräsentiert sind (wovon nicht nur derzeitigen Ausstellungen in Bucerius Kunst Forum und Deichtorhallen zeugen), wenn man sich fragt warum Frauen, wenn sie schon im Kunstbetrieb Erfolg haben, meist entweder im jungen Alter gehyped oder im Greisenstadium wiederentdeckt werden - dann kommt man tatsächlich relativ schnell auf die Mutterrolle zu sprechen.

2 Dass Breuer damit durchaus einen Nerv trifft und dass gerade in der sich gern fortschrittlich gebenden Kunstwelt stark patriachale Strukturen vorherrschen, zeigen nicht nur die hunderten Unterschriften, die sie bereits gesammelt hat, sondern etwa auch der Rückblick auf eine Diskussionsveranstaltung zum Thema im Marstall Ahrensburg vor einigen Wochen. Hier wurde Breuer nach der Vorstellung ihres Manifests von einer Mitdiskutantin doch als Patentlösung vorgeschlagen wurde, die Väter mehr in die Pflicht zu nehmen. "Verlässliche Partner sind das wichtigste für eine erfolgreiche Künstlerin", meinte sie sinngemäß.

3 Es ist müßig darauf hinzuweisen, dass Männer - die Kindsväter - doch bitteschön auch ab und an Mal ein Auge auf das Kind haben sollen, beinahe wie um der Partnerin damit einen Gefallen zu tun, fast so, als würde es sich nicht um ihr Kind handeln. Von der Tatsache abgesehen dass das ein traditionelles Familienmodell voraussetzt, das oft an der Realität scheitert, hat es den Frauen bisher sowieso wenig gebracht. Breuer hat Recht: vielmehr muss die Sache strukturell angegangen werden, muss man gezielte Fördermöglichkeiten einfordern und vor allem Mütter als Bereicherung, oder noch viel besser, als Normalität ansehen. Denn dass Mutterschaft und Kunst nicht zusammengeht, wäre genau wie zu behaupten Vaterschaft und Kunst schließe sich aus. Auch Polke, Disney oder Rockwell hatten schließlich Kinder.

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