2025/02/16: Preis der deutschen Filmkritik an Sarah Pech und André Siegers
Die HFBK-Studentin Sarah Pech und der HFBK-Absolvent André Siegers sind im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele in Berlin mit dem Preis der deutschn Filmkritik ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung fand am Sonntag, dem 16. Februar 2025 in der Akademie der Künste in Berlin statt. Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) verlieh den Preis für 2024 in 12 Kategorien. Zum Besten Spielfilm des Jahres 2024 kürte die Jury Verbrannte Erde von Thomas Arslan.
Ich hab dich tanzen sehn (2024, 19 Min.) von Sarah Pech gewann in der Kategorie Bester Kurzfilm. Ihre Protagonistin ist die 14-jährige Margarita, die sich in der Dämmerung durch die menschenleeren Straßen eines Dorfes in Nordtirol bewegt. „Im Geist der Carrier-Bag-Theorie der Fiktion nimmt der Kurzfilm einen kindlichen Wahrnehmungsmodus an, durch den die Welt wiederverzaubert sich darbietet, um eine einzigartig feminine Perspektive zu konstruieren – einen nächtlichen und neugierigen Blick einer jungen Flâneuse und wohlwollenden Voyeurin. Mit fließender Kameraführung durchquert er mühelos Orte, die man auf einem beiläufigen Spaziergang durch ein bergiges Dorf entdeckt. Der Film erinnert an L’Eclisse (1962) von Michelangelo Antonioni, ist jedoch mutig anti-Antonioni. Er ist ein Werk der Glâneuse, ein Gesten-Archiv, ein Traumspaziergang durch ein Dorf, das von Licht zu Dunkelheit übergeht, geleitet vom Geist der Jugendlichen, die wortlos beobachtet, bevor sie Teil der aktiven Nacht wird und sich schließlich zurück in deren Umarmung begibt“, begründet Mitglied Yun-hua Chen (Film International) die Entscheidung der Jury. Ich hab dich tanzen sehn wurde auf dem Vienna Shorts Film Festival (28. Mai bis 2. Juni 2024) bereits mit dem Österreichischen Kurzfilmpreis ausgezeichnet.
Die Stimme des Ingenieurs (2024, 21 Min.) von André Siegers wurde als Bester Experimentalfilm ausgezeichnet. In dem Kurzdokumentarfilm begleitet Siegers (Masterabschluss 2015 bei Prof. Pepe Danquart, Prof. Dr. Michaela Ott) seinen eigenen Vater, der sich dem Verlust seiner Stimme durch eine fortschreitende Krankheit durch beharrliche Sprechübungen entgegenstemmt. Und einen Sprachcomputer füttert, der eines Tages für ihn sprechen und seine Stimme in die Welt tragen wird.
„Die gelungensten Experimentalfilme zielen auf eine Selbstverständlichkeit des Filmischen, das zur kritischen Disposition steht. Zum Beispiel: Wie manövrieren sich Zuschauende durch ein affektives Geflecht von Nähe und Fremdheit? Der ausgezeichnete Film führt diesen theoretischen Diskurs gekonnt – gerade, weil er einen außergewöhnlichen Mut zum persönlichen Zugang beweist. Ohne zu lamentieren, sondern mit inszenatorischem Witz und großem dramaturgischen Geschick kreist der Film um den Moment des Einbruchs von Krankheit in das, was gerade noch Normalität war. Kühl, klug und doch einfühlsam inszeniert der Film technologische Fremdheit als Notwendigkeit für menschliche Individualität. Dabei entwickelt er ein ganz eigenes Nebeneinander der Dinge, die mehr sind als bloße Illustrationen eines Einzelschicksals, nämlich indem sie gerade das Universelle daran unterstreichen: Eigenheim, Anrufbeantworter, Staubsaugerroboter, Küchentisch, Mikrofon, Weltall, Kassettenrekorder“, so Jury-Mitglied Hannes Wesselkämper (REVÜ) über die Entscheidung.