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Schwarz-weißes Nahaufnahmebild eines menschlichen Auges; in der Pupille ist ein stilisiertes Atom-Symbol zu sehen.

Still aus dem US Civil Defense Film Atomic Alert (1951), Courtesy of the Diefenbunker: Canada’s Cold War Museum.

Gemeinsamer Körper

Im Rahmen eines mehrteiligen Forschungsprojekts „Archive des Körpers“ (bestehend aus einem Symposium, einer Ausstellung, einem Filmprogramm und einer digitalen Publikation) widmeten sich Hanne Loreck (Professorin für Kunst- und Kulturwissenschaften an der HFBK Hamburg) und Vanessa Gravenor (Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promovendin) verschiedenen Sammlungen und Ordnungen , um visuell und textuell Perspektiven auf Körper und Archive, Körper in Archiven und Archive ohne Körper zusammenzutragen.

Das Symposium, welches Ende April 2024 an der HFBK Hamburg stattfand, bestand aus wissenschaftlichen Vorträgen, filmischen Beiträgen und Gesprächsrunden. Hanne Loreck eröffnete einführend mit einer Arbeit der italienischen Künstlerin Ketty la Rocca. Die Arbeit Craniologia von 1972 zeigt Röntgenaufnahmen mit fotografischen und handschriftlichen Überblendungen und hiermit, wie sich technische Neutralität mit einem gefährdeten, erkrankten Körper verbindet. Die Neutralität neigt sich hier ins Subjektive. Eines der Bilder zeigt die Aufschrift „You“: Der Appell, das Ansprechen der anderen, weist den Weg zum gemeinsamen (politischen) Körper und öffnet die Möglichkeit der Verletzlichkeit und Empathie füreinander, nicht nur im persönlichen, sondern auch im politischen Sinne. Hanne Loreck verwies anschließend auf den Datenkörper, digital gesammelte, abrufbare und lesbare Informationen, über den Körper. Im Kontrast und gleichzeitig in logischer Konsequenz, werden menschliche Körper in Geheimhaltung und Desinformation verstrickt, wenn es um die Folgen radioaktiver Strahlung und nuklearem Wettrüsten geht.

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Körper im Kontext

Samo Tomšič, bis April 2024 Vertretungsprofessor für Philosophie an der HFBK Hamburg, zeigte in „Das Gemeinsame: Abstraktion oder Körperlichkeit? Aktualisierung einer historischen Perspektive“ eine Möglichkeit auf, gemeinsam, abseits von kapitalistischen Besitzökonomien zu einer Vorstellung von Zukunft zu finden, die „Nachhaltigkeit“, als am Eigentum orientiert zurücklässt, und zum „Bewohnbaren“ als Kategorie findet. Er schlug ein gegenseitiges Adressieren vor, dass einen emergenten Universalismus an die Stelle vom aktuellen, spaltenden Individualismus setzt.

Das Video Essay convulsa or the Need for Each Other’s Relay II der Künstlerin Katrin Mayer, das in voller Länge Teil der digitalen Publikation ist, setzte den Fokus auf kollaborierende Frauen, die das Programmieren erfunden haben, die sowohl sinnbildlich als auch wortwörtlich Geschichte schrieben und ausgehend von Webmaschinen, die dem gleichen Prinzip folgen wie binäre Codes, eine Sprache erfunden haben, die Menschen mit Maschinen kommunizieren lässt. „Löcher sind geladene Teilchen, die umgekehrt laufen“, erklärt Mayer in ihrem Essay. Poesie und Mathematik stehen hier nicht im Widerspruch zueinander, sondern sind untrennbar miteinander verwoben.

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Datenkörper

In „Feeling Nervous in the Archive“ ließ Vanessa Gravenor den Körper und den Korpus mit Technologie interagieren und zeigte auf, wie diese sich gegenseitig bedingen. Das Datifizieren des Körpers wird in der Überwachung zum Archiv des Körperlichen. Von Polizeiarchiven, über Kriegstechnologie wird die Hierarchisierung und Gewalt dieser Archive deutlich, insbesondere, wenn Menschen aus diesen Datenkörpern ausgeschlossen werden. Sie fand klare und poetische Worte, um die Aufbewahrung von Angst im Aufzeichnungsregime festzuhalten: „A body is at shape if one attunes one’s ears to the hums of computers past.“

Während sich der online publizierte Text der Medientheoretikerin Annika Haas mit dem Textkörper, bestehend aus dem Archiv der französischen Schriftstellerin Hélène Cixous beschäftigt, fokussierte sie sich in ihrer Lecture Performance „An Alphabet of Data Body-Feelings“ auf die kleinstmögliche textuelle Einheit, die Buchstaben des Alphabets. Gemeinsame Erfahrungen durch gemeinsam genutzte Geräte: Wir sind über unsere Umgebung und Infrastruktur miteinander verbunden und miteinander in Verbindung durch unsere Anwesenheit und das gemeinsam adressiert werden.

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Narrative des Psychischen – Soziale Psychopathologien

HFBK-Absolvent Takeo Marquard (Bachelor-Abschlussbei Prof. Michaela Melián 2017) eröffnete den zweiten Symposiums-Tag mit seinem Vortrag „Bodies Bound and Unbound: Some Notes on War and Psychic Fragmentation in Wilfred R. Bion’s Papers on Psychosis“. Darin spürte er dem Psychoanalytiker Wilfred Bion nach, der das Denken nicht getrennt vom Körper beschrieben hat, sondern als Wahrnehmung, die in emotionale Erfahrung transformiert wird. Gleichzeitig abstrakt und in der Erfahrung im Körper verwurzelt. Eng verknüpft mit Bions Erfahrungen im Ersten Weltkrieg hat dieser den sozialen Kontext in der Psychoanalyse betont.

Im Anschluss war die filmische Arbeit La Maladie/Illness von Kader Attia (Professor für Zeitbezogene Medien an der HFBK) zu sehen, die sich mit Diagnose und Heilung von psychischen Erkrankungen außerhalb westlicher Medizin befasste. Abgeschlossen wurde das Panel durch ein Gruppengespräch der künstlerischen Forschungsgruppe um Adina Pintilie (HFBK-Filmprofessorin). Bo Friedrich, Catalina González Gonzáles, Kai Jou Liao, Morgana de Mello, Merle Morzé und Kristina Savutsina gaben Einblicke in ihre Filmprojekte und sprachen mit den Lehrenden Arne Bro und Lotte Mik-Meyer über den Ausgangspunkt ihrer filmischen Arbeiten. Diese wurden am Tag darauf unter dem Namen der Forschungsgruppe Politics of Intimacy and the Intimacy of Politics gezeigt. Im Arbeitsprozess soll gelebte Erfahrung sichtbar gemacht, sowie Intimität und Körperlichkeit zum Ausdruck gebracht werden.

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Medizinische Narrative – Verletzte Körper

Vera Tollmann, Gastwissenschaftlerin und Dozentin am Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien in Lüneburg, verwies in „Scanning and Seeing Through: Körper, Codes und medizinische Bilder in den künstlerischen Arbeiten von Mariechen Danz und James Richards“ auf medizinische Techniken der Sichtbarmachung segmentierter, dividuierter Körper in bildgebenden Verfahren. Sie gab der Diskrepanz zwischen dem Körper und dem Bild des Körpers Raum und verhandelte dies im Kontext zweier Ausstellungen in Berlin. Die Kuratorin und Lehrbeauftragte für Kuratorische Studien und Ausstellungswesen in Szczecin, Zofia nierodzińska, sprach über polnische Aktivistinnen, die sich aufgrund der gemeinsamen Diagnose Brustkrebs in Kollektiven zusammengeschlossen haben. Hier werden Bewegungen von (Un-)sichtbarmachung verhandelt, die ebenso, wie die Stigmatisierung durch diese Krankheit eine große Rolle dabei spielen, wie und ob in der Öffentlichkeit darüber gesprochen wird und ob Betroffene sich in Behandlung begeben. Der kollektive Körper der Erkrankten wird in marginalisierten Archiven festgehalten. Durch die Gemeinschaft entsteht ein Aktivismus aus Fürsorge.

Abschließend sprach die Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Ulrike Gerhardt ebenfalls über Elemente der Sichtbarkeit und Geheimhaltung in Bezug auf radioaktive Strahlung. In „Wildes Wiederholen im Archiv der DDR-Opposition: Urangestein als beunruhigende Materie in ‚Sonne unter Tage‘“ bearbeitete sie, entlang der filmischen Arbeit von Mareike Bernien und Alex Gerbaulet, Fragen nach Kontamination und Reinheit anhand des Uranabbaus in der DDR. Ein sinnliches Erleben von unsichtbarer und beunruhigender Materie und das Vorstellbarmachen eines nuklearen Unbewussten.

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Symposium „Archive des Körpers – Der Körper in Archivierung“

25.-26.⁠ ⁠April 2024

Konzept: Hanne Loreck und Vanessa Gravenor

Ausstellung „Archives of the Body: Imagining a Different Corpus“

Eröffnung: 25.⁠ ⁠April 2024, 19 Uhr

Ausstellungsdauer: 26.⁠ ⁠April–10.⁠ ⁠Mai 2024, ICAT

Mit Edna Bonhomme, Serafima Bresler, Luzia Cruz, Saba Emadabadi, Ulrike Gerhardt, Elisa Tenca Giuliani, Laura Gómez, Vanessa Gravenor, Annika Haas, Ute Kalender, Liao Kai Ro, Hanne Loreck, Takeo Marquardt, Katrin Mayer, Zofia nierodzińska, Adina Pintilie, Bo Friedrich, Catalina González González, Morgana de Mello, Merle Morzé, Kristina Savutsina, Sarah Savalanpour, Kristina Savutsina (Крысціна Савуціна), Daniel Suárez, Vera Tollmann, Samo Tomšič.

Konzeption und Gestaltung der digitalen Publikation: Karen Czock, Maja Redlin, Liudmila Savelyeva, Sophia Krasomil (Klasse Digitale Grafik)

Anika Bartens ist Promovendin in künstlerisch-wissenschaftlicher Forschung an der HFBK Hamburg, betreut von Prof. Dr. Hanne Loreck. Sie hat zuvor im Bachelor Modedesign an der HAW Hamburg studiert und anschließend einen Master in Theorie und Geschichte an der HFBK Hamburg absolviert. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf nichtmenschlichen Assemblagen in der Raumfahrt, wobei sie sich vor einem kulturwissenschaftlichen Hintergrund mit feministischer Wissenschaftstheorie, Medienwissenschaften und neomaterialistischen Überlegungen zu Bildern, Technik und Mode im All auseinandersetzt.

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