„In der Regel erteilt militärisches Personal Befehle nur an diejenigen, die direkt unter der eigenen Position (Grad) in der Befehlskette stehen und empfangen Befehle nur von solchen unmittelbar über ihnen. Hat ein Befehlsempfänger Schwierigkeiten, den Auftrag zu erfüllen, der von der unmittelbar höher gestellten Position erteilt wurde (Missachtung der Gehorsamspflicht), ist für den Verstoß gegen die Gehorsamspflicht mit Zurechtweisung, Disziplinarmaßnahmen bis hin zur Freiheitsstrafen zu rechnen. Verantwortung für Befehle trägt stets der Vorgesetzte. Erteilt er schuldhaft rechtswidrige Befehle, begeht auch er ein Dienstvergehen, das ebenfalls disziplinar geahndet werden kann.“
In der Ausstellung CHAIN OF COMMAND trifft der Betrachter auf einen optisch in zwei Teile getrennten Raum. Auf der einen Seite, durch drei grelle Tageslichtleuchten hell angeleuchtet eine wandfüllende Fotografie. Das Motiv zeigt lediglich einen Farbton, Pantone 354C, den Grünton, der in der Filmindustrie die Grundlage zur Herstellung von GreenScreens bildet. Die Reflektionen, die auf der glatten Oberfläche des Fotopapiers entstehen, brechen mit der Funktion eines GreenScreens, der eine möglichst homogene Fläche voraussetzt, um den Hintergrund bei der Postproduktion einfacher freistellen zu können. Als Meta-Bild, also eine Projektionsfläche für letztlich alles, wird im GreenScreen-Foto eine Abwesenheit thematisiert, die auch in den anderen beiden Teilen der Ausstellung auftaucht.
Auf der anderen Seite, der grünen Wand gegenüber, stehen zwei Studiomonitore nebeneinander auf angewinkelten, unlackierten Podesten und zeigen, voneinander weg weisend, ein Tanzpaar vor schwarzem Hintergrund tanzen. Einmal in der Totalen und einmal in Closeups. Das Zweikanalvideo läuft ohne Ton.
An einer weiteren Wand ist eine weiße Box befestigt, auf der ein Stereo-Funkkopfhörer steht. Nimmt man diesen von der Station, ermöglicht es einem freies Bewegen im Ausstellungsraum. Auf den Kopfhörern ist ein Tischtennismatch zu verfolgen. Das Hin- und Her des Balles (von links nach rechts und retour), greift die Dualität der Tanzenden auf und verweist also auf zwei sich bedingende Elemente, die das jeweils andere brauchen, aber auch zu kontrollieren versuchen.
Mit freundlicher Unterstützung durch die Karl H. Ditze Stiftung