Die Zeichnungen meiner Abschlussarbeit (eine
Reihe, kein Projekt) sind Abbildungen von einfachen
Dingen; zu sehen gibt es nicht viel und passieren tut
auch nichts. Es steht eine Föhre im Wald, es sitzt ein Vogel auf
einem Vogelhaus, da ist ein Topf auf dem Tisch, da
ist ein Hund, eine Bank, ein Fisch.
Neben der scheinbaren Banalität ergibt sich auf den
zweiten Blick noch etwas allen Zeichnungen Gemeinsames; denn der ihnen innewohnenden Ereignislosigkeit
zum Trotz wird in ihnen von etwas erzählt, vielleicht
Geschichten von Tragik und Zufall (vielleicht
Geschichten von Komik und Schicksal).
Die Föhre, die ich tatsächlich so im Hamburger Sachsenwald
gesehen habe, steht allein, groß und schief
in einer Tannenschonung. Der Vogel hat in einer
regnerischen Nacht zwar eine mögliche Herberge
gefunden, doch passt er nicht recht hinein; »wer jetzt
kein Haus hat, baut sich keines mehr«... Der Hund
hat an der Kette gelegen, dass er das nun nicht mehr
tut, ist schon das Einzige, was sich geändert hat. Topf
und Deckel passen naturgemäß nicht zusammen.
Das unmittelbar Abgebildete ist natürlich nicht das
Thema der Zeichnungen, sie sprechen von etwas
anderem – von dem zutiefst menschlichen Gefühl des
In-die-Welt-geworfen-Seins; von den Zwängen, denen
der Mensch ausgesetzt ist, unerheblich, ob diese als
äußerliche oder schon verinnerlichte erscheinen; vom
Nichtgelingen, vom Schiefen, vom Krummen und
vom ganz Arm(selig)en, dem natürlich nur die größte
Sym- bzw. Empathie zukommen kann.
Die Zeichnungen selbst sind kleinformatig und haben
alle eine Höhe von 18 cm; auffällig ist die Weise, in
der sie gezeichnet sind, die eher an eine Aquatinta
als an eine Bleistiftzeichnung denken lässt. Das ganz
Arme zeigt sich in versuchter Perfektion – ob das
Inkonsequenz oder aber Potenzierung der Armseligkeit
bedeutet, kann jeder selbst entscheiden.