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Projekte

Sicherheit ist nach wie vor eines der wichtigen Themen der Gegenwart. Sicherheit wird hergestellt - durch Kontrolle, Überwachung, Militäreinsätze. Das Gegenüber der Sicherheitsdebatte ist die Unsicherheit als subjektive Empfindung. Das Jahresthema des Studienschwerpunkts Design »Sicherheit/Unsicherheit« reflektiert zum einen die Bedingungen einer von Sicherheitswünschen und Kontrolltechnologien geprägten Gesellschaft und stellt andererseits die Frage, wieviel Unsicherheit wir zuzulassen bereit sind.

Forschungsreise nach Israel und Palästina

des Design-Seminars »Sicherheit/Unsicherheit«
10. - 17. Januar 2011

In differierenden sozialen Kontexten findet diese Frage ganz unterschiedliche Antworten, denn ob Zeit und Raum, den ein Individuum einnimmt, sicher oder unsicher sind, hängt davon ab, in welchem Zeit-Raum Gefüge es sich befindet und wie diese formuliert sind. Diese Formulierung wird zum einen durch Praktiken wie Architektur, Kunst und Design geformt und reproduziert, zum anderen von ökonomischen, politischen und sozialen Parametern determiniert.

Ziel des Seminars und der Exkursion ist, die Wahrnehmung und Konstruktion von Sicherheit und Unsicherheit in unterschiedlichen Gesellschaften – hier Deutschland und Palästina - in Frage zu stellen.

12.-13. Januar 2011
Deutsch-Israelischer Designworkshop, Bezalel Academy, Jerusalem

2-tägiger Workshop gemeinsam mit Studierenden der international renommierten Kunsthochschule »Bezalel Academy of Art and Design« in Jerusalem unter der Leitung von Prof. Dr. Friedrich von Borries und Ori Scialom.

14. Januar 2011
Filmscreening und Diskussion »Cinema Jenin«, Jenin

Besuch des Flüchtlingslagers in Jenin, Westjordanland, und des Projekts »Cinema Jenin«. Filmscreening und Diskussion mit den Organisatoren von Cinema Jenin.

15. Januar 2011, 18 Uhr
Podiumsdiskussion über Design, Architektur und Kunst in Zeiten der Unsicherheit

Symposium des Goethe-Institut Ramallah in Kooperation mit der HFBK Hamburg. Podiumsdiskussion mit:
- Prof. Dr. Helga Baumgarten (Professorin der Politikwissenschaft und Leiterin des M.A. Programms für  Demokratie und Menschenrechte, Birzeit University),
- Dr. Yazid Anani (wissenschaftlicher Mitarbeiter der Architektonischen Fakultät für Stadtplanung und Landschaftsarchitektur, Birzeit University, Mitarbeiter des Projektes »Decolonising Architecture«, Beit Sahour),
- N.N. (Art Academy Palestine),
- Prof. Dr. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie und kuratorische Praxis, Hochschule für bildende Künste Hamburg)
 

 

Design-Symposium »Sicherheit/Unsicherheit«

Donnerstag, 9. Dezember 2010
Ort: Hochschule für bildende Künste Hamburg, Aula

Programm

11 Uhr
Begrüßung:
Martin Köttering, Präsident der HFBK Hamburg
Einführung:
Friedrich von Borries, Prof. für Designtheorie und kuratorische Praxis, HFBK Hamburg

Theoretische Reflexion

  • »Sicherheitskultur und -bedürfnis«
    Fritz Sack - Prof. für Kriminologische Sozialforschung, Universität Hamburg 
  • »Bilder der Überwachung«
    Dietmar Kammerer - Postdoktorand Graduiertenkolleg »InterArt«, Freie Universität Berlin
  • »Kontrollgesellschaft«
    Michaela Ott - Prof. für Ästhetische Theorien, HFBK Hamburg

- Mittagspause -

Künstlerische Position

ab 13.30 Uhr

  • Yana Milev - Visiting Research Fellow am Forschungsinstitut der HfG Karlsruhe
  • Olaf Arndt - Performer, Kurator, Publizist, Berlin
  • Julia Scher - Künstlerin, Professorin für Medienkunst/Surveillance Architectures, KHM Köln

ab 16 Uhr

  • Christoph Faulhaber - Künstler, Hamburg
  • Jakob Boeskov - Comiczeichner, Filmemacher, New York

Abschlussdiskussion

Um 19 Uhr wird im Museum für Kunst und Gewerbe der Designpreis der HFBK Hamburg verliehen.

Referenten

Olaf Arndt ist Performer, Kurator und Publizist in Berlin. In Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entwickelte er Inszenierungen, die das Themenfeld Mensch - Maschine - Gesellschaft in brisanten, manchmal agressiven Konstellationen zur Schau stellten. 1989 gründete er die Maschinenperformancegruppe BBM (»Beobachter der Bediener von Maschinen«). Ein anderer Arbeitsschwerpunkt ist die Entwicklung von Ausstellungskonzepten auf der Grundlage umfassender Archivrecherchen und die Herausgabe von aufwendigen Begleitpublikationen zu Themen der Industrie- und Medienkultur.

Jakob Boeskov ist bekannt als Untergrund-Comiczeichner und Filmemacher. Der dänisch-isländische Künstler lebt in Manhattan. Seine Kunst untersucht den Schrecken und die Absurditäten des Lebens im 21. Jahrhundert mit dokumentarischen Mitteln, Nachahmung und Satire, erforscht Komplexität und soziales Potential von Krieg, Waffenindustrie, Globalisierung, Biotechnologie, korrupter Politik und anderen Realitäten. Seine Arbeiten sind sowohl Bloßstellung als auch interaktives Theater. Ob Waffenhändler, fundamentale Republikaner oder chinesische Militante, Boeskov bindet sie gleichermaßen in seine Arbeiten ein. So präsentierte Boeskov mit seiner Fake-Firma »Empire North Project« auf einer internationalen Waffenmesse in China den von ihm konstruierten fiktiven »ID Sniper« und entfachte damit großes kommerzielles Interesse. Statt also eine Intervention in aller Öffentlichkeit zu starten, schaffte es Boeskov damit, die Waffenlobby auf ihrem ureigenem Terrain zu treffen.

Christoph Faulhaber studierte Maschinenbau, Architektur und Kunst und beschäftigt sich in seinen Projekten mit der Frage öffentlichen Raums. In der Rolle eines Mitarbeiters einer fiktiven Sicherheitsfirma wachte er vor Konsulaten und Botschaften der USA in Europa. Letztlich gelangte Faulhaber mit seiner Kunstaktion »Mr. Security« auf eine Terrorliste des FBI. Faulhaber interessiert sich für die vielschichtigen Fragen zur Nutzung und Veränderung des Öffentlichen, Überwachung und Disziplinierung des Einzelnen und eines vermeintlichen Bedrohungspotentials durch die visuelle Dokumentation des öffentlichen Raumes.

Dietmar Kammerer studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Politik und Philosophie in Konstanz, Coventry und Berlin. 2007 wurde er am Kulturwissenschaftlichen Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin zum Thema Bilder der Überwachung promoviert. Aktuell arbeitet er als Postdoktorand am Internationalen Graduiertenkolleg »InterArt« der FU Berlin. Seine 2008 erschienene kulturwissenschaftlichen Studie »Bilder der Überwachung« beschäftigt sich mit Videoüberwachung und ihren medialen Repräsentationen. Neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler arbeitet Dietmar Kammerer als freier Filmkritiker und Kulturjournalist (u. a. für taz, Der Standard, TIP Berlin, SPEX).

Yana Milev studierte Szenografie, Freie Kunst und Kulturtheorie in Dresden, Kampfkünste in Kyôto und Berlin, sowie Kulturphilosophie und Anthropologie der Kunst in Wien und in Karlsruhe. Die Raumforscherin, Kulturphilosophin und Kuratorin gründete 1987 das Label AOBBME [Association Of Black Box Multiple Environments], eine Plattform interdisziplinärerer und transitiver Forschung, seit 1994 als IAR [Institut für Angewandte Raumforschung und Mikrotopische Kulturproduktion], mit Basis in Berlin. 1997 nahm sie an der Documenta 10 teil. Yana Milev ist Begründerin des design-, medien- und kunstsoziologischen Dispositivs »Emergency Design«. Aktuell ist sie Visiting Research Fellow am Forschungsinstitut der HfG Karlsruhe und dort Begründerin des Forschungsfeldes »Designanthropologie«.

Michaela Ott ist Professorin für ästhetische Theorien an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, sowie Philosophin, Filmwissenschaftlerin und Übersetzerin. Schwerpunkte ihrer Lehre bilden die Philosophische Ästhetik und Filmtheorie, Ästhetik und Politik, Ästhetik und Ethik, Ästhetik und Gendertheorie.

Fritz Sack war nach dem Studium der Ökonomie und Soziologie der erste Nicht-Jurist auf einem kriminologischen Lehrstuhl in Deutschland, den er an der Universität Hamburg aufbaute. 1996 hat er das Institut für Sicherheits- und Präventionsforschung (ISIP) mitgegründet und es bis heute im Vorstand geprägt und betreut. Sack gilt als führender deutscher Vertreter des Labeling approach bzw. einer »konstruktivistischen« Perspektive in der Analyse der Kriminalität und sozialen Kontrolle. Damit hat er auf Gegenstand und Methoden der deutschen Kriminologie erheblichen Einfluss ausgeübt. Von 1998 bis 2000 war Sack Mitglied der nach der »Schill-Wahl« wieder aufgelösten »Hamburger Polizeikommission«. Aktuell beschäftigt sich Sack mit dem sogenannten »punitive turn« der Kriminal- und Sicherheitspolitik auch in der Bundesrepublik.

Julia Scher lebt und arbeitet in New York. Die Künstlerin studierte Malerei, Skulptur, Grafik an der University of California, Los Angeles (UCLA) sowie an der University of Minnesota in Minneapolis. Seit 2006 ist sie Professorin für Medienkunst/ Surveillance Architectures an der Kunsthochschule für Medien Köln. Zentrale Themen in Julia Schers Werk sind die Auseinandersetzung mit Überwachung und dem Cyberspace. Mit ihren oft temporären, transitorischen Arbeiten – Performances, Audio-/Videoinstallationen, Kommunikationsobjekte und Internetprojekte – untersucht sie Strukturen von Macht, Kontrolle und Verführung. Dabei macht sie sowohl das Abschreckende als auch die Faszination der Überwachungsgerätschaften deutlich und konfrontiert den Betrachter mit seinem ambivalenten Verhältnis zu den technischen Objekten auf ironische Art und Weise.

 

 

Vor dem Designmuseum Holon. Foto: Jessica Leinen
Vor dem Designmuseum Holon. Foto: Jessica Leinen
Workshop in der Bezalel Kunsthochschule, Jerusalem. Foto: Jessica Leinen
Workshop in der Bezalel Kunsthochschule, Jerusalem. Foto: Jessica Leinen
Mauer zwischen Israel und Palästina. Foto: Jessica Leinen
Mauer zwischen Israel und Palästina. Foto: Jessica Leinen
Foto: Jessica Leinen
Foto: Jessica Leinen
Foto: Jessica Leinen
Foto: Jessica Leinen
Foto: Jessica Leinen
Foto: Jessica Leinen

Bilder zum Reisebericht

Tonsequenzen

aufgenommen von Martin Malich während der Forschungsreise nach Israel und Palästina

  1. Radiowerbung im Leihwagen | 0:38 min »
  2. Weg durch Flüchtlingslager, Jenin | 12:23 min »
  3. Flughafen Ben Gurion, Tel Aviv | 1:47 min »