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2020/09/20: Pressemitteilung zur Preisvergaben für den besten künstlerischen Abschluss an der HFBK Hamburg

Heute um 11 Uhr wurden im Rahmen der Graduate Show an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) gleich drei Preise für die besten Abschlussarbeiten des Studienjahres 2019/20 vergeben. 145 Bachelor- und Master-Absolvent*innen konkurrierten mit ihren künstlerischen Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Bühnenraum, Zeitbezogene Medien, Film, Design sowie Grafik/Typografie/Fotografie um den Karl H. Ditze Preis in Höhe von 5.000 Euro, das Stipendium zur Förderung des künstlerisch-wissenschaftlichen Nachwuchses in Höhe von 15.000 Euro sowie den Berenberg-Filmpreis der HFBK Hamburg in Höhe von 5.000 Euro.

Prämiert worden sind:

Leyla Yenirce (Prof. Simon Denny) erhielt den Karl H. Ditze Preis für ihre Vier-Kanal-Videoinstallation Somewhere Else

Inhalt der Videoinstallation Somewhere Else (21:30 min) von Leyla Yenirce ist der Märtyrertod kurdischer Frauen im Freiheitskampf, seine mediale Rezeption und umkämpfte Bewertung. Die Jury begeisterte die engagierte und souveräne Praxis von Leyla Yenirce, die sich diesem aktuellen, sehr relevanten, dabei aber auch sehr schwierigen und komplexen Thema widmet. Zu sehen ist eine bemerkenswerte zeitgenössische Ästhetik, die mit vielfältigen digitalen, filmischen und inszenatorischen Techniken arbeitet und diese mit einer profunden Recherche und einer großen Vorsicht im Umgang mit historischen Ereignissen und erzählerischen Stereotypen kombiniert. Hinzu kommt ein klares Bewusstsein für die Rolle der eigenen Sprecherinnenposition inmitten eines verzwickten Kontextes bis hin zur Frage, welche Differenz das Werk gegenüber seiner Verbreitung in den sozialen Medien einziehen könnte, um einer einseitigen Verkürzung oder Entkomplexifizierung zu entgehen. Absolut überzeugend, so die einhellige Einschätzung der Jury.

Jurymitglieder zur Vergabe des Karl H. Ditze Preises waren in diesem Jahr die Künstlerin und HFBK-Absolventin Cordula Ditz, die Journalistin Julia Grosse und der Galerist und Kurator Alexander Koch.



Paul Kolling (Prof. Simon Denny) wurde mit dem Stipendium zur Förderung des künstlerisch-wissenschaftlichen Nachwuchses für die Filminstallation
Break of Gauge ausgezeichnet

In seinem Master-Studium hat sich Paul Kolling intensiv mit der von China ausgehenden Belt and Road-Initiative befasst, durch die ein interkontinentales Handelsnetz zwischen Zhengzhou und Hamburg aufgebaut wird. Analog zu dieser neuen Seidenstraße zwischen China und Europa durchschneidet in seiner Installation Break of Gauge ein Filmband den Raum wie ein langer Gürtel. Projiziert durch alte Vermessungsgeräte folgt die sehr langsam sich bewegende Luftaufnahme hunderte Kilometer der schnurgeraden Bahnstrecke. Komponiert aus Milliarden Streifen Geodaten zeigt diese detaillierte Reise längs einer Infrastrukturmaßnahme die rücksichtslose Gestaltkraft menschlichen Zweckdenkens in geradezu meditativen Bildern. Die Jury war begeistert von der absolut überzeugend klaren Form, in der das wichtigste Thema der Gegenwart behandelt wird: der Fluch des Wirtschaftsglaubens an Wachstum und Konsum. Die von Paul Kolling vor Augen geführte Warentrasse wirkt mächtig in ihrer Bildschönheit wie in ihrer ökologischen Drohung: Für die Jury ist Break of Gauge ein absolut reifes und überzeugendes Projekt zeitgenössischer Kunst mit politischer Intention, das Öffentlichkeit verdient.

Der externen Jury gehörten die Direktorin des Kunstvereins Braunschweig Dr. Jule Hillgärtner, der Autor, Dramaturg und Musiker Till Briegleb sowie der Künstler und HFBK-Absolvent Peter Steckroth an.



Der Film
Kumru von Ferdi Ortaeri (Prof. Robert Bramkamp) wurde mit dem Berenberg-Filmpreis der HFBK Hamburg prämiert.

Kumru (D/TR 2020, 43 min) ist ein Spielfilm, der mit leichten Wirklichkeitsverschiebungen einen ganz eigenen magischen Realismus etabliert, wie die Jury mit Nachdruck feststellt. Ferdi Ortaeri erzählt in dokumentarisch-naturalistischen Bildern mit »realen« Menschen die Geschichte eines Jungen, der in einem türkischen Bergdorf lebt, in dem über Distanz mit einer Pfeifsprache kommuniziert wird. Nur: der Junge beherrscht diese Sprache nicht. Er streift einsam durch den Wald und kümmert sich um ein krankes tierisches Wesen, das er in einer kleinen Hütte besucht. Zuschauende werden auf kluge wie wunderbare Weise in eine Welt entführt, in der sich das Kino und die Wirklichkeit berühren: ein Dorf in den Bergen, Menschen abseits des urbanen Trubels, die dort hingehören. In diese reale Einöde implantiert Ortaeri seine fantastisch angehauchte Geschichte um jenen Jungen, dem die Sprache fehlt, und findet einen ganz und gar eigenen Modus für sein hochaktuelles Thema, die Geschichte einer Migration. Ein Film über die Bedeutung der Sprache mit einer ganz eigenen Sprache, zugleich eine Ode an das Kino als Möglichkeitsraum, der die Jury restlos begeisterte.

Die Regisseurin und Produzentin Irene von Alberti, der Filmkritiker Jens Balkenborg und die Leiterin der Sektion Perspektive Deutsches Kino der Berlinale Linda Söffker brachten in diesem Jahr ihre Expertise ein, um unter den 25 Abschlussfilmen, die mit Mitteln der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein realisiert wurden, den preiswürdigsten für den Berenberg-Filmpreis der HFBK zu bestimmen.



Die Ausstellung mit allen Filmen und künstlerischen Abschlussarbeiten ist heute noch bis 20 Uhr für das Publikum geöffnet. Der Eintritt ist frei. Für den sicheren Ausstellungsbesuch ist eine Registrierung am Eingang sowie das Tragen einer Maske notwendig.

Ausstellung | heute noch bis 20 Uhr | Eintritt frei

Führungen | (dt) 14, 16 und 18 Uhr | (engl) 16 Uhr

Führungen für Schulkinder ab 6 Jahren | 16 Uhr

Puppentheater für Kinder mit Eltern | 14 und 17 Uhr, Raum 153

Ort | HFBK Hochschule für bildende Künste | Lerchenfeld 2 | Finkenau 42 | Wartenau 15


Grafik: Tim Ballaschke

Semesterstart

Nach drei Semestern Hybrid-Lehre unter Pandemiebedingungen steht nun endlich wieder ein Präsenz-Semester bevor. Wir begrüßen alle neuen Studierenden und Lehrenden an der HFBK Hamburg und laden herzlich zur Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 ein, die in diesem Jahr von einem Gastvortrag von ruangrupa begleitet wird.

Grafik: Sam Kim, Bild im Hintergrund: Sofia Mascate, Foto: Marie-Theres Böhmker

Graduate Show 2021: All Good Things Come to an End

Vom 24. bis 26. September präsentierten die mehr als 150 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2020/21 ihre Abschlussarbeiten im Rahmen der Graduate Show in der HFBK Hamburg. Wir bedanken uns bei allen Besucher*innen und Beteiligten.

Foto: Klaus Frahm

Summer Break

Die HFBK Hamburg befindet sich in der vorlesungsfreien Zeit, viele Studierende und Lehrende sind im Sommerurlaub, Kunstinstitutionen haben Sommerpause. Eine gute Gelegenheit zum vielfältigen Nach-Lesen und -Sehen:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?