Es ist ein entrückender, matter Glanz,
der von diesen Bildern ausgeht. Jenseitig
wie der Schimmer, der auf mumifizierter
Haut liegt – hält er uns auf Distanz und
lockt uns gleichzeitig, näherzukommen.
Er überzieht eine Materie, deren
Anblick die Umgebung des Betrachters
zum sterilen Raum reduziert. Denn auf
der Leinwand, unter der transparenten
Oberfläche, gärt es, gerät Material
geräuschvoll in Bewegung, verbreitet
sich ein Geruch, den wir nur erahnen
können.
Wo aus der Distanz die Erinnerung an
reale Formen dem abstrakten Gemenge
von Pasten, Farben, Papieren und
getrockneten Flüssigkeiten noch eine
sonderbare Konkretheit verleiht, da zerstreut
sich aus der Nähe der periphere
Anschein von Konservierung: Papierflächen
wellen sich, bilden Blasen, lösen
sich von dem Grund, auf dem sie haften;
Farben folgen ihrem bewusstlosen
Gewissen, Haar wuchert, und Parasiten
aus Porzellan beißen sich an all dem fest.
Diese Szenarien der Zersetzung verweisen
(wie Narbengewebe) auf den
Verlauf eines (Heilungs-)Prozesses.
Dem beständigen Aufbau von Materie
steht deren unaufhaltsame Auflösung
gegenüber. Wo gegeben wird, da wird
auch genommen, das ist die beunruhigende
Botschaft der dekorativen Muster,
die mit dem Seziermesser von der Oberfläche
des Diesseits abgetragen wurden,
um der Leinwand einverleibt zu werden.
Über diese Notwendigkeit täuschen kein
grelles Gelb und kein beherzter Scherenschnitt
hinweg. (Wibke Wetzker)