Vom wilden Kurdistan zum Elfenbeinturm.
Von Karl May zu Gerald M. Foster.
Vertreter der sogenannten Trivialliteratur
dienen mir oft als Inspirationsquelle.
Das Studium war eine Zeit der intensiven
Auseinandersetzung mit der
eigenen Person. Die Selbstinszenierung
wurde dabei zu einem bevorzugten
Stilmittel. Die Lust am Verkleiden,
verbunden mit der Liebe zu Kitsch und
Nostalgie und der Sehnsucht nach der
scheinbar heilen Welt der Kindheit
waren der Antrieb. Klassische (männliche)
Vorbilder wurden so neu interpretiert,
leise ironisiert und Klischees durch
ihre teilweise extreme Überhöhung ad
absurdum geführt.
Karl May selbst war ein Meister der
Selbstinszenierung. Später lernte er den
Künstler Sascha Schneider kennen, der
seine Reiserzählungen mit neuen Titelbildern
versah. Einige der Arbeiten habe
ich zunächst kopiert und später fotografisch
neu interpretiert. Später habe
ich ein eigenes Alter Ego geschaffen,
ähnlich wie May seinen Kara Ben Nemsi
oder Old Shatterhand.
Gerald M. Foster. Eine tragische Figur,
deren Schicksal sich dem Betrachter
bereits durch wenige biografische Informationen
offenbart. Zeitungsartikel,
Magazine, Fotos und Plakate erzählen
von Ruhm und Erfolg als Schriftsteller,
aber zwischen den Zeilen wird schnell
klar: Die Fostersche Glanz-Fassade hatte
ihre Risse. Foster, für die einen eine
Ikone, für die anderen Verfasser von
»widernatürlicher Schundliteratur«,
scheidet auf dem Zenit seines Erfolges
unter tragischen Umständen aus dem
Leben. Man vergisst ihn und sein Werk,
und erst 80 Jahre später erfährt es
eine Renaissance in Form eines banalen
Broadway-Musicals. Eine solche
Geschichte, so oder so ähnlich, hat wohl
jeder schon einmal gehört. Gerald M.
Foster ist der Versuch des perfekten Klischees
einer tragischen Figur.
Das Projekt »Foster« ist Ausdruck
eines großen Interesses und einer ehrlichen
Bewunderung für eine bestimmte
vergangene Zeit. Darüber hinaus drücken
sich in seiner Geschichte einerseits
Mut und Zuversicht, in seinem Schicksal
und dessen Vermarktung andererseits
aber auch Resignation und Pessimismus
aus.