»(…) Das Innenbild ist für mich genauso wahr wie die objektive Realität der
Dinge – und das, was mir die Wirklichkeit in kurzer Zeit geliefert hat,
unterscheidet sich nicht länger von den Verschönerungen oder den Veränderungen, die ich den Eindrücken gegeben habe. (…) Die dritte Frage ist am schwierigsten zu klären. Ich glaube, daß die Erinnerung grundsätzlich, was auch immer man sagen mag, idealisiert, und das heißt auswählt. Aber vielleicht idealisiert auch das Auge? Nehmen Sie unser Erstaunen gegenüber einer Photographie. Das ist niemals das, was man gesehen hat. Die künstlerische Einbildungskraft ähnelt in der Tat Halluzinationen, die dem Traum vorhergehen, durch ihre Flüchtigkeit – es läuft etwas vor Ihren Augen vorbei – also muss man sich gierig drauf stürzen.«*
(Flaubert antwortet auf Taine)
* Flaubert, Gustave, zitiert nach Stiegler, Bernd : Bilder der Photographie. Ein Album photographischer Metaphern. Frankfurt am Main (Suhrkamp Verlag) 2006, S. 118.