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Bachelor > Grafik/Typografie/Fotografie

Ziel des Studienschwerpunkts ist es, eine originäre Bildsprache in einer künstlerisch produktiven Auseinandersetzung mit aktuellen und historischen Formen der Fotografie, Typografie und Grafik sowie ihrer Diskurse zu entwickeln. Eine experimentelle Offenheit – auch für die vielfältigen Bezugsfelder zwischen Schrift – Bild – Bewegtbild – Objekt im Raum – ist dabei für den Studienschwerpunkt kennzeichnend. Dabei wird das Lernen und Forschen der Studierenden durch das eigene künstlerische Vorhaben strukturiert und der individuelle künstlerische Ansatz im Wechselspiel zwischen praktischem und konzeptuellem Arbeiten entwickelt und in Bezug zu aktuellen künstlerischen Positionen und theoretischen Diskursen gesetzt. Das beinhaltet die Fähigkeit, die eigene künstlerische Position zu reflektieren und zu verorten, sie im kulturellen Kontext zu begreifen und dadurch diesen Kontext mit zu verändern.

Grafik

Da ein Zusammenhang zwischen Gesellschaft und Design nur dann möglich ist, wenn Design den Geist der Gesellschaft und die Gesellschaft den Geist von Design reflektiert, steht in der Klasse Grafik die bildnerische Auseinandersetzung mit Öffentlichkeit, Individualität, Bild/Sprache, Fremdheit und Autorschaft zentral. Ausgehend von eigenen künstlerischen Vorhaben sowie verschiedenen Auftragssituationen, soll das Verhältnis dieser Größen individuell ausgelotet werden, um eine eigene gestalterische Position im Spannungsfeld der gesellschaftlichen Kontexte zu formulieren. Die jeweiligen Vorhaben werden individuell und durch kompakte Workshops begleitet, wodurch dem Studierenden die Möglichkeit gegeben wird, die technischen, allgemeinen, ästhetischen und theoretischen Voraussetzungen für seine zukünftigen Tätigkeiten zu erlernen. In diesem Zusammenhang wird das Einbeziehen der angrenzenden künstlerischen und wissenschaftlichen Disziplinen der HFBK jedem Studierenden nahe gelegt. Neben der Realisierung künstlerischer Arbeiten geht es darüber hinaus auch um deren Präsentation und Vermittlung im Kontext der diversen institutionell und gesellschaftlich gebotenen Felder des Kunstbetriebs. So bietet neben der Jahresausstellung auch die hochschuleigene Galerie die Möglichkeit, Fragen der Bild/Kunstpräsentation und -rezeption zu erproben und zu diskutieren. Auch der Materialverlag kann in diesem Kontext als Podium genutzt werden. Die begleitende wissenschaftliche Ausbildung in Kunst- und Designgeschichte, Kunsttheorie, Ästhetik und Gender vertieft die künstlerischen Fragestellungen und Erfahrungen und stellt historisches und theoretisches Wissen sowie methodische Kenntnisse bereit, die dazu beitragen, das künstlerische Selbst- und Geschichtsverständnis zu vertiefen.

Typografie

Ausgehend von den künstlerischen Vorhaben der Studierenden wird eine Bandbreite typografischer Gestaltungsansätze diskutiert, und es wird die Frage gestellt, welche Position Typografie im Kontext der verschiedenen Kunstdisziplinen und im Kontext der entsprechenden Diskurse einnehmen kann.

Die Studierenden erhalten die Möglichkeit, durch Forschung und Experiment eine typografische Sprache zu entwickeln, die sinnvoll bei »außer-typografischen« Ambitionen anschließt. Der Unterschied zu einer konventionellen typografischen Praxis wird vor allem darin bestehen, dass derjenige, der die gestalterische Frage stellt, auch derjenige ist, der sie beantworten muss. Verschmelzen Autor und Gestalter in einer Person, so kann schließlich Gestaltung ihren angewandten Charakter überwinden (»Typografie kann unter Umständen Kunst sein«).

Daher ist das Lehrgebiet Typografie auch eng mit dem Materialverlag verbunden, der sich als Versuchslabor und als Podium für Arbeits- und Forschungsprojekte versteht. Zur Grundlagenarbeit der Studierenden gehört die Auseinandersetzung mit analogen und digitalen Medien. Um Erfahrung in den verschiedenen Arbeitsgebieten – wie Reprotechnik, Drucktechnik, Interface- oder Web-Design – aufzubauen, werden die Studierenden ermutigt, die offenen Hochschulstrukturen zu nutzen.

Digitale Grafik

Omnipräsente digitale Formen mischen sich heute mit Artefakten der Vergangenheit, bilden ein sich stetig verzweigendes Netz — eine flüchtige visuelle Cloud. Trotzdem nehmen wir die digitalen Oberflächen als etwas Allgegenwärtiges an, als selbstverständliches Werkzeug und tägliche Begleitung ohne Wissen über die Autorenschaften, Ökonomien und Algorithmen dahinter.

Die Klasse Digitale Grafik hinterfragt vor diesem Hintergrund die Integrität der modernen Technologien und konzipiert visuelle Modelle im Kontext zeitgenössischer Kultur und digitaler Möglichkeiten. Wir untersuchen das Responsive innerhalb prägnanter Ästhetik und kontextualisieren künstlerische Praxis mit digitaler Aufmerksamkeitsökonomie.

Digitale Grafik will den Versuch unternehmen, sich von bestehenden Werkzeugen zu emanzipieren und konfektionierte visuelle Templates aufzubrechen. Dabei entwerfen die Studierenden Modelle für Webseiten, Applikationen und mediale Installationen, als freies künstlerisches Entwicklungsvorhaben oder im Auftrag zu zeitgenössischen Fragestellungen.

Fotografie

Fotografie als Bild – in der Geschichte des Bildes und im Kontext anderer Künste – ist  Ausgangspunkt der Lehre im Bereich »künstlerische Fotografie«. Die Eigenart der Fotografie, Abdruck und Spur und zugleich Abstraktion und Konstruktion von Wirklichkeit sowie autonomes Bild zu sein, bietet eine große Spannweite für künstlerische Konzeptionen und Arbeitsansätze. Nach den spezifischen Erfordernissen der jeweiligen Projekte werden analoge, digitale oder hybride Arbeitsformen experimentell erprobt und praktische Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt. In der Wahl und Kombinatorik der medialen Formen, Prozesse und Präsentationen werden die Grenzen des eigenen Mediums produktiv infrage gestellt und erweitert, wenn etwa Fotografie neben dem Schwerpunkt auf dem Bild und der Ausstellung in Installationen, Projektionen, Filmmontagen oder im Künstlerbuch auftritt. Dabei wird das Buch als eigenständiges künstlerisches Objekt für fotografische Arbeiten experimentell erforscht. In Zusammenarbeit mit dem Materialverlag und  insbesondere in dessen Reihe „edition fotografie“ können einzelne konzeptionelle Fotobücher entwickelt und realisiert werden.





 

João Sousa, Leuchtkasten, perspex 20 x 10 x 60 cm, 2009
João Sousa, Leuchtkasten, perspex 20 x 10 x 60 cm, 2009
Lisa Keiffer, Skizze für Buchumschlag (Detail), Merve Verlag, 2012
Lisa Keiffer, Skizze für Buchumschlag (Detail), Merve Verlag, 2012
Marius Schwarz, Buchumschlag, »Das Erzählerische Werk II - Die Romane von Franz Kafka«, 195 x 130 mm, 2012

Marius Schwarz, Buchumschlag, »Oskar Maria Graf: Wir sind Gefangene«, 185 x 125 mm, 2012
Marius Schwarz, Buchumschläge, Franz Kafka: 195 x 130 mm, Oskar Maria Graf: 185 x 125 mm, 2012