Studium /Studiengänge /Graduiertenkolleg

Graduiertenkolleg

Sexistenz

Vortrag von Jean-Luc Nancy, Philosoph
18. Mai 2015, 19 Uhr, Aula

»Die sexuelle Unendlichkeit ist nicht das schlechte Unendliche einer Verdammung, derzufolge man sich immer wieder von neuem in dieselbe Sackgasse drängen muss. Es ist vielmehr das gute Unendliche bzw. das aktuelle Unendliche – es ist die Unendlichkeit in actu des Aktes selbst, insofern er der Akt des Sich-Überschreitens ist. Per definitionem überschreitet sich das Geschlechtliche selbst, und deshalb, wiederum per definitionem, erregt es sich.« (Jean-Luc Nancy)

Jean-Luc Nancy gehört zu den bedeutendsten Denkern der Gegenwart. Er lehrte Philosophie in Straßburg, Berkeley, Irvine, San Diego und Berlin. Sein vielfältiges Werk thematisiert, im Anschluss an Hegel, Nietzsche, Marx und Heidegger, Fragen des Gemeinsam-Seins, der Kunst, der Technik, des Politischen und der Theologie. Im Zentrum von Nancys Untersuchungen steht die Dekonstruktion des »einen Ursprungs«, dessen Konstruktion das okzidentale Denken zutiefst geprägt hat. In allen identitären Seinsbegriffen macht Nancy dagegen die unhintergehbare Differenz eines »Mit« entzifferbar, das diese Seinsbegriffe eröffnet, im Wortsinn dis-poniert hat und zur Disposition stellt. Insofern inter-veniert dieses Denken im Wortsinn. Es »kommt dazwischen«, indem es den Abstand kenntlich macht, der alles, was »ist«, von sich selbst getrennt, weil einem »Mit« ausgesetzt hat und aus ihm erst hervorgehen lässt. Dies verleiht Begriffen des Überschreitens, dem Spiel von Immanenz und Transzendenz, andere Intensitäten. Es führt das Unendliche in alles Endliche ein und kommt damit seiner unendlichen Öffnung gleich, die ebenso ontologische, kulturelle, politische wie ästhetische Konsequenzen hat.

Jean-Luc Nancy folgt einer Einladung des Graduiertenkollegs Ästhetiken des Virtuellen, das zu Beginn des Jahres 2015 seine Arbeit an der HFBK aufgenommen hat. Zu dessen thematischem Horizont unterhält Nancys Denken eines »Mit« intensive Beziehungen, indem es die Wiederholungen befragt, die eine Metaphysik von Möglichem und Wirklichem, Aktualität und Akt erst einsetzen lässt. Insofern berührt es Fragen eines »Virtuellen« im Innersten.

 

 

Jean-Luc Nancy. Foto: Antoine Omerin

Sexistenz

Vortrag von Jean-Luc Nancy

Montag, 18. Mai 2015, 19 Uhr
HFBK Hamburg, Lerchenfeld 2, Aula

 
Vortrag in deutscher Sprache.
Eintritt frei.

In Zusammenarbeit mit dem Bureau de la Coopération universitaire in Berlin und dem Institut français de Hambourg

Zum Hören:

Am Saum des Sinns. Irrwege und Umwege zu Jean-Luc Nancy
www.agoradio.de