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Klimakapseln. Überlebensbedingungen in der Katastrophe

Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie sieht unser Alltag aus, wenn der Klimawandel spürbare Wirklichkeit wird?

Konzepte, die nicht das Ziel verfolgen, den Klimawandel aufzuhalten, sondern Möglichkeiten der Anpassung aufzeigen: Die Ausstellung im MKG präsentiert 30 aktuelle und historische Kapseln aus Kunst, Architektur und Design, die ein Leben unabhängig von den klimatischen Außenbedingungen vorstellen.

Im begleitenden Symposium werden die gesellschaftspolitischen Implikationen einer Anpassung an den Klimawandel vertiefend diskutiert. Von zentralem Interesse ist dabei die Frage, wie innovative und kritische Ansätze aus Kunst, Design und Kultur gesellschaftliche Entwicklungen mitgestalten können. Hierzu werden zahlreiche der beteiligten Künstler, Designer und Architekten einen Einblick in ihre Praxis geben. Soziologische Anmerkungen zu Inklusion und Exklusion sowie eine Einschätzung menschlicher Eingriffe ins Ökosystem aus naturwissenschaftlicher Perspektive bilden den Anschluss zum wissenschaftlichen Diskurs.

Programm Symposium

Freitag, 28. Mai 2010

12.00-12.15 Begrüßung und Einführung
          Martin Köttering, HFBK Hamburg
          Friedrich von Borries, HFBK Hamburg

12.15-12.45 Grußwort: Design- und Gesellschaftspolitik
          Lutz Nitsche, Kulturstiftung des Bundes

12.45-13.30 Keynote: Exklusion/Inklusion
          Heinz Bude, Hamburger Institut für Sozialforschung,
          Universität Kassel

14.00-16.00 Panel I: Migration (Vorträge, Diskussionen)
          Vincent Callebaut, Architekt, Paris
          Tomás Saraceno, Künstler, Frankfurt/Main
          Michiko Nitta, Künstlerin, London

16.30-18.30 Panel II: Flexible Schutzräume (Vorträge, Diskussionen) 
          Chip Lord/Ant Farm, University of California, Santa Cruz
          Lucy Orta, University of the Arts London
          Günter Zamp Kelp/Haus-Rucker-Co, Universität der Künste, Berlin
          Michael Rakowitz, Weinberg College of Arts and Sciences, North-
          western University, Chicago

19.00-20.00 Abschlussreflexion
          Philipp Oswalt, Stiftung Bauhaus Dessau
          Friedrich von Borries, HFBK Hamburg

20.00-20.30 Performance: Shrink
          Lawrence Malstaf, Künstler, Tromsø
          Performer: Wim Decorte, Gent

Samstag, 29. Mai

11.00-11.45 Einführung: Eingriffe in das Ökosystem
          Victor Smetacek, Alfred-Wegener-Institut für
          Polar- und Meeresforschung

12.00-14.00  Panel III: Naturmodifikationen (Vorträge, Diskussionen) 
          Peter und Mark Anderson, Architekten, San Francisco
          Tue Greenfort, Künstler, Kopenhagen/Berlin
          Christoph Keller, Künstler, Berlin

15.00-17.00  Panel IV: Naturkapseln (Vorträge, Diskussionen)
          Ingo Vetter, Academy of Fine Arts, Umeå
          Ilkka Halso, Künstler, Orimattila
          Jan-Peter E. R. Sonntag, Künstler, Berlin

17.30-18.30 Abschlussdiskussion
          Friedrich von Borries, Chup Friemert, Susanne Lorenz, 
          Oliver Löw, alle HFBK Hamburg

Ort: Hochschule für bildende Künste, Lerchenfeld 2, 22081 Hamburg

Das Symposium »Klimakapseln« ist eine Kooperation von:
Hochschule für bildende Künste (HFBK)
Museum für Kunst und Gewerbe (MKG)
Die Junge Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (JA)

Das Projekt »Klimakapseln« wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. 
 

Referenten

Anderson Anderson. Die Brüder Peter und Mark Anderson leiten gemeinsam das Büro Anderson Anderson Architecture in San Francisco. Das Büro arbeitet im Grenzbereich von Kunst, Architektur und Technologie. 2006 entwickelten sie das flexible Dammsystem »Alluvial Sponge Comb«, das bei Hochwasser anschwillt und die dahinter liegenden Orte schützt.

Heinz Bude, Professor für  Makrosoziologie an der  Universität Kassel sowie Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Generations-, Exklusions- und Unternehmerforschung. 2008 veröffentlichte er den Band »Die Ausgeschlossenen. Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft«, sowie 2006, zusammen mit Andreas Willisch, »Das Problem der Exklusion. Ausgegrenzte, Entbehrliche, Überflüssige.«

Vincent Callebaut, Architekt. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Entwicklung einer nachhaltigen »Ökopolis«, deren Architektur biologische Erkenntnisse ebenso wie Informations- und Kommunikationstechnologie mit einbezieht. 2008 entwickelte er »Lilypad«, eine Studie für eine »schwimmende Ökopolis für Klimaflüchtlinge«.

Tue Greenfort, Künstler. In seinen Arbeiten fragt er nach unserem Umgang mit Umwelt- und Artenschutz sowie mit Ressourcen und Nachhaltigkeit und stellt diese Themen zum System der Kunst in Bezug. Seine Projekte zeichnen sich durch eine interdisziplinäre Offenheit und eine wissenschaftliche Arbeitsweise mit umfassenden Recherchen aus.

Ilkka Halso, Künstler. In seiner Serie »Museum of Nature« zeigt er seit 2003 Fotomontagen imaginärer Museums- und Theaterbauten, in denen Natur vor Umweltverschmutzung und menschlichem Zugriff beschützt, gleichzeitig auch inszeniert wird.

Christoph Keller, Künstler, sowie studierter Mathematiker, Physiker und Hydrologe. In seinen Arbeiten setzt er sich mit dem Wesen der Wissenschaft, ihren Methoden, Konstruktionen und Utopien auseinander. Seit 2003 re-enactet er die Cloudbuster-Experimente des Psychoanalytikers Wilhelm Reich, der behauptete, mit seiner Apparatur die Bildung von Wolken und Niederschlag beeinflussen zu können.

Chip Lord, Architekt und Künstler. 1968 gründete er gemeinsam mit Doug Michels das Künstlerkollektiv Ant Farm, das bis 1978 an den Schnittpunkten von Kunst, Architektur und politischem Aktionismus operierte. 1970 entwickelten Ant Farm die Aufblasarchitektur »Clean Air Pod«, einen symbolischen Schutzraum, der in Performances als Zuflucht vor verschmutzter Luft angeboten wurde. Derzeit ist Lord Professor für Film und digitale Medien an der University of California in Santa Cruz.

Lawrence Malstaf, Künstler. Nach einem Industriedesign-Studium arbeitete Malstaf zunächst als Bühnenbildner, bevor er sich der Installations- und Performancekunst zuwandte. Seit 2000 entwickelt er Räume für Performer und/oder Besucher, die v. a. von dem Verhältnis von Bewegung, Zufall, Ordnung und Chaos bestimmt werden. Oftmals bildet Technologie die Inspiration seiner Arbeit. Die performative Installation »Shrink« lässt sich somit als technisch avancierte Körperkapsel deuten.

Michiko Nitta, Grafik-Designerin und Künstlerin. 2007 initiierte sie die fiktive ökologische Widerstandsbewegung »Extreme Green Guerilla«. EGG kritisiert den pseudonachhaltigen, konsumfreudigen Lebensstil der Gegenwart und denkt Maßnahmen zur Rettung der Erde ins Extreme weiter. Dazu zählt z. B., dass die Mitglieder ihr Leben im Alter von vierzig Jahren beenden, um so die Umwelt zu schonen.

Lucy Orta, Professorin für Mode, Kunst und Umwelt an der University of Arts London. Orta bezeichnet ihre Arbeiten als »architecture with soul« und sucht nach einem sozial, politisch und ökologisch nachhaltigen Design. In der 1992 bis 1994 entstandenen Serie »Refuge Wear« setzte sich mit sozialer Ausgrenzung, Mobilität und Wohnen auseinander: Die zeltartigen Schutzanzüge sollten dem Träger Schutz vor einer potentiell feindlichen Umwelt bieten.

Philipp Oswalt, Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau. 2001 bis 2003 war er gemeinsam mit Klaus Overmeyer Initiator und Leiter des europäischen Forschungsprojekts »Urban Catalysts« zum Temporären im Urbanen Raum. Von 2002 bis 2005 leitete er für die Kulturstiftung des Bundes das internationale Forschungs- und Ausstellungsprojekt »Schrumpfende Städte«.

Michael Rakowitz, Professor für Kunsttheorie und -praxis an der Northwestern University Chicago. 1998 initiierte er das Langzeitprojekt »paraSITE«. Gemeinsam mit Obdachlosen entwickelt er an deren persönliche Bedürfnisse angepasste aufblasbare Zelte, die an die wärmenden Lüftungsauslässe von Gebäuden angeschlossen werden.

Tomás Saraceno, Künstler. Nach seinem Architekturstudium in Argentinien studierte er bei Peter Cook (Archigram) an der Frankfurter Städelschule. Sein Langzeitprojekt »Air-Port-City- cloud city« basiert auf dem Konzept von zusammengesetzten pneumatischen Strukturen. Unberührt von nationalen Gesetzen soll die Air-Port-City durch die Atmosphäre gleiten, Territorialgrenzen hinter sich lassen und freie Migration ermöglichen.

Curtis Schreier, Künstler. Mitglied des Künstlerkollektivs Ant Farm, das von 1968 bis 1978 an den Schnittpunkten von Kunst, Architektur und politischem Aktionismus operierte. In zahlreichen Performances und Aktionen kamen dabei  aufblasbare Architekturen, sog. Inflatables, zum Einsatz, so etwa der 1970 entwickelte »Clean Air Pod«, ein symbolischer Schutzraum, der in Performances als Zuflucht vor verschmutzter Luft angeboten wurde.

Victor Smetacek, Professor für biologische Ozeanographie am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. 2009 zählte er zur Leitung des deutsch-indischen Forschungsexperiments »LOHAFEX«: Auf einer Fläche von 300 Quadratkilometern wurde der Südliche Ozean mit 20 Tonnen Eisensulfat gedüngt, um das Wachstum des Phytoplanktons anzuregen und so die Kapazitäten zur Aufnahme von Kohlendioxid zu erhöhen. Die Auswirkungen dieser Algenblüte wurden in umfangreichen Studien untersucht.

Jan-Peter E.R. Sonntag, Künstler. In ortsbezogenen, interaktiven Installationen beschäftigt er sich mit Schnittstellen zwischen dem menschlichen Körper und technisch-medialen Systemen. 2009 ließ er in einer Installation bei der transmediale einen Eisblock schmelzen.

Ingo Vetter, Professor an der Academy of Fine Arts in Umeå. In seinen Arbeiten setzt er sich mit Konzepten von Öffentlichkeit und Raum sowie deren Einfluss auf die Entstehung von Gesellschaft auseinander. 2004 entwickelte er das »Adaptation Laboratory«, ein aufblasbares Kunststoff-Gewächshaus, das an den Abluftschacht eines Gebäudes angeschlossen wird. Im Inneren befindet sich ein Götterbaum, der im 19. Jahrhundert als dekorative Pflanze aus China nach Europa und in die USA eingeführt wurde, mittlerweile jedoch als lästiges Unkraut gilt.

Günter Zamp Kelp, Professor am Institut für Architektur und Städtebau der Universität der Künste Berlin. 1967 gründete er in Wien gemeinsam mit dem Architekten Laurids Ortner und dem Maler Klaus Pinter die Künstlergruppe Haus-Rucker-Co, zu der 1971 Manfred Ortner als weites Mitglied hinzustieß. Von 1967 bis 1970 schufen Haus-Rucker-Co im Rahmen ihres »Mind-Expanding-Program (MEP)« zahlreiche Kapseln: Masken und Helme wie die »Environment Transformers, sowie inflatables wie beispielsweise die »Oase Nr. 7«, die erstmals 1972 im Rahmen der documenta 5 gezeigt wurde.

 

 

Lucy Orta, »Refuge Wear – Habitent«, 1992, Courtesy Galleria Continua
Lucy Orta, »Refuge Wear – Habitent«, 1992, Courtesy Galleria Continua
Richard Buckminster Fuller/Shoji Sadao, »Dome over Manhattan«, um 1960, Courtesy The Estate of R. Buckminster Fuller
Richard Buckminster Fuller/Shoji Sadao, »Dome over Manhattan«, um 1960, Courtesy The Estate of R. Buckminster Fuller
Lawrence Malstaf, »Shrink«, 1995, Courtesy Lawrence Malstaf/Galerie Fortlaan
Lawrence Malstaf, »Shrink«, 1995, Courtesy Lawrence Malstaf/Galerie Fortlaan

Klimakapseln

Symposium
28. Mai 2010, 12.00 - 20.30 Uhr
29. Mai 2010, 11.00 - 18.30 Uhr
Ort: HFBK Hamburg, Aula, Lerchenfeld 2, Hamburg
 

Ausstellung
28. Mai - 8. August 2010
Ort: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
www.klimakapseln.de
www.mkg-hamburg.de